Martin Weber, Senior-Professor an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim

© Leonie Wilken

Advertorial
01/29/2022

Anlegen 2022: „Panik ist immer falsch“

Der deutsche Finanzexperte Martin Weber erklärt im Interview, was Anleger für 2022 erwarten können – und wie sie sich dafür wappnen.

Martin Weber gilt als einer der führenden Anlageexperten in Deutschland. Er ist Senior-Professor an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim. 2007 hat er mit Mitarbeitern seines Lehrstuhls den Beststeller „Genial einfach investieren“ geschrieben. Weber hat den „Arero Weltfonds“ initiiert – dieser Indexfonds weist seit 2008 eine jährliche Performance von rund 7,4 Prozent auf. 

Portfolio: Dieses Jahr könnte für Anleger schwieriger werden als 2021, unter anderem wegen gestiegener Volatilität. Was meinen Sie?

Martin Weber: Wir erwarten doch jedes Jahr dasselbe. In Wirklichkeit weiß man es einfach nicht, denn die Zukunft ist unsicher und niemand kann wirklich sagen, was passieren wird. Als einzelner Anleger sollte man gar nicht erst versuchen, in die Glaskugel zu schauen.

Was kann man stattdessen machen?

Anleger sollten mit Diversifikation auf die Unsicherheit reagieren. Wenn man über die ganze Welt diversifiziert, ist man gut aufgestellt. Man sollte sich nicht nur auf Einzelaktien konzentrieren. Hingegen sollte man auch Anleihen nicht vergessen.

Ein Unsicherheitsfaktor sind jetzt die Zinsen. Was erwarten Sie?

Wir wissen ja noch gar nicht, ob und in welchem Umfang die Zinsen steigen werden, da gibt es ja auch unterschiedliche Tendenzen in den USA und in Europa. Das trägt wieder zu der Unwissenheit bei. Es ist nicht klar, ob der Markt diese Unsicherheit bereits eingepreist hat.  Panik ist immer die falsche Reaktion an den Finanzmärkten. Man weiß ja gar nicht, in welche Richtung es gehen wird.

Das zweite große Thema ist die Inflation. Welche Werte bewähren sich als Inflationsschutz?

Aktien können als Sachwerte prinzipiell als Inflationsschutz dienen. Auch Rohstoffe sind geeignet, aber nicht nur Gold. Ausschließlich in Gold zu gehen halten ich hingegen nicht für richtig, denn der Goldpreis schwankt und das ist riskant.

Können auch Anleger mit kleinen Budgets langfristig gut anlegen?

Auf jeden Fall. Das ist ja der Vorteil der Indexfonds: Da gibt es breit diversifizierte Fonds, bei denen man schon ab 50 oder 100 Euro monatlich dabei sein kann. Durch solche ETFs und Indexfonds kann man mit wenig Geld und mit geringen Kosten diversifizieren.

Das Interesse an Aktien ist aber generell niedrig, auch bei den erwähnten Indexfonds gibt es Potenzial.

In Deutschland hat nur jeder sechste Anleger Aktien. Und bei Fonds verweisen die Banken vor allem auf jene Produkte, bei denen sie teils hohe Managementgebühren haben. Bei den modernen Fintechs wiederum heißt es aufpassen, denn sie leben vom Handel und bekanntlich heißt es ja: Hin und her macht Taschen leer. Spekulation dient nur dem, der vom Handel profitiert.

Österreich gilt noch mehr als Deutschland als Land der Sparer. Wie kann man Aktien attraktiver machen?

Bei den jüngeren Generationen ändert sich die Einstellung bereits, vor allem über die Attraktivität neuer Handelsplattformen, selbst wenn das wie gesagt riskant sein kann. Es gibt aber neue Ideen wie einen fixen Aktienanteil an der Altersvorsorge oder ganz radikale Ansätze, etwa dass man zum 18. Geburtstag ein Aktienpaket geschenkt bekommt. Wichtig finde ich die Erkenntnis, dass eine Aktie kein Zockerinstrument ist, sondern eine Unternehmensbeteiligung. Wenn man das Portfolio breit streut, ist man am Unternehmertum der Welt beteiligt.

Sichere Häfen vor der Inflation werden nun von Anlegern gesucht – kein Wunder, dass es an entsprechenden Angeboten nicht mangelt. Durchaus Chancen könnte jedenfalls der japanische Aktienmarkt bieten. Bisher für Anleger kaum interessant, könnten die Aussichten auf ordentliche Zuwächse den Fokus auf das Land lenken. Richard Kaye, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Comgest, sieht unter anderem die Konjunkturmaßnahmen der Regierung von Premierminister Fumio Kishida als Turbo, einkommensschwache Haushalte sollen dadurch unterstützt werden. Von einer Kampagne zur Ankurbelung des Tourismus könnten Hotelgruppen, aber auch Firmen aus Gastronomie (etwa die größte Sushi-Kette Sushiro) und Unterhaltung profitieren. Ebenfalls interessant sind neue Segmente der Börse Tokio, darunter ein Wachstumssegment.