Michaela Ernst: Besser leben

Ökonomen, die nach dem Guten streben. Chinas Weg von der Kommando zur freien Marktwirtschaft. Und imagefördernde Zeit- und Geldbringer. So soll Wirtschaft funktionieren!

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Der Mann ist bekannter, als man glaubt. Mit seiner Kernaussage über die Glücksforschung wurde er vermutlich zum meist zitierten Ökonomen: Denn die Behauptung, dass es ab einem Jahreseinkommen von rund 60.000 Euro keinen Anstieg von Lebenszufriedenheit mehr gäbe, weil ein höheres Einkommen nur bei wirtschaftlich schlechter gestellten Personen Glücksgefühle fördere, geht auf die Untersuchungen von Princeton-Professor Angus Deaton zurück.

Vor wenigen Tagen wurde der britische Ökonom mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Allerdings nicht für seine Berechnungen über globale Glücksgefühle, sondern für ein Thema, das die Welt seit der Flüchtlingskrise wirklich bewegt: Armutsforschung.

Gemeinsam mit dem US-Marktforschungsinstitut Gallup und der Weltbank trug der 69-Jährige jahrzehntelang Daten über Konsumverhalten, Wohlfahrt und Armut zusammen, um zu messen, welches Zusammenspiel Ungleichheit fördert. Seine Erkenntnis grob zusammengefasst: Zunächst müsse in Gesundheitsvorsorge investiert werden, dann in Wirtschaftsprojekte. Vor allem Krankheit und Unterernährung seien schuld, so die Studie, dass sich die Armutsspirale fortsetzt. „Was wir heute sehen“, sagte Deaton kürzlich bei der Pressekonferenz in Stockholm, „ist das Ergebnis von Hunderten Jahren ungleicher Entwicklung in der reichen Welt, wodurch ein großer Teil der Welt zurückgelassen wurde. Und diese Menschen wünschen sich ein besseres Leben.“

Dass ein Mann wie Deaton den Nobelpreis erhält, erscheint in Zeiten des Wandels wenig überraschend. Waren es in jüngerer Vergangenheit vor allem kühle Rechner und Formel-Feinwerker, die für ihre Verdienste geehrt wurden, kommt jetzt ein Forschungsgebiet zum Zug, das vermutlich nur Puristen unter den Wirtschaftswissenschaftern als Trendfach abtun. Das Gegenteil ist der Fall. Entscheidungen wie diese signalisieren, dass jetzt Realitätsnähe angebracht ist.

Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Alvin Elliot Roth, seinerseits 2013 ausgezeichnet, wendet sich lieber dem echten Leben zu als theorielastigen Modellen. Im Interview mit profil-Mitarbeiterin Heike Wipperfürth schlägt er vor, einen Algorithmus zu entwickeln, „der die Zuteilung der Flüchtlinge nach ihren Vorlieben und den Präferenzen der Länder möglich macht“.

Wohlstand, von einer anderen Seite beleuchtet: Wie sehr ein weiteres Wachstum Chinas vom Konsumverhalten seiner größer werdenden Mittelschicht abhängt, beschreibt Heinz Wallner in seinem Wegweiser durch den Strukturwandel der Supermacht: „Kampf um die Mitte“.

Von der „Pflicht“ zur Kür, zum gepflegten Wohlstand: Lifestyle-Expertin Irmie Schüch-Schamburek präsentiert Zeitmesser, die dank ihrer berühmten Träger Geschichte machten. In Sammlerkreisen hoch begehrt, übersetzen die (oft neu aufgelegten) Vintage-Stücke eine Art Ur-Antrieb zum Erfolg: Sehnsucht, an Größe teilzuhaben.