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Advertorial
06/19/2021

Nah & fern

Wegen der Coronakrise mussten die österreichischen Hochschulen auf die Online-Lehre umstellen. Was wird von der Digitalisierungswelle bestehen bleiben?

von Robert Prazak

Leere Lehrsäle, verwaiste Mensen, verlassene Seminarräume – die österreichischen Hochschulen haben auf Distance Learning umgestellt, nur sporadisch finden Präsenzveranstaltungen statt und erst nach dem Sommer soll die schrittweise Rückkehr zum Normalbetrieb erfolgen. Doch was ist nach Corona noch normal? Nach der teils erzwungenen Digitalisierung stellt sich die Frage, wie viel von der Online-Lehre bestehen bleibt und was davon wieder aufgegeben wird. Was an den österreichischen Unis umgesetzt wird, sei keine Fernlehre, sondern ein Notfallprogramm, meinte Martin Ebner von der TU Graz kürzlich in einem Gespräch mit APA-Science.

36 Prozent der Studierenden litten im Sommersemester 2020 unter Ängsten und depressiven Stimmungen, hat eine Umfrage der Studienberatungsstelle Innsbruck ergeben.

Beim Digitalisierungsschub wurden bereits vorhandene Systeme in Anwendung gebracht, meint Claudia Mössenlechner, Professorin und Leiterin der Learning Solutions am MCI Innsbruck. „Und zwar nicht nur von einzelnen engagierten Lehrenden, sondern auf breiter Basis – und das wird so bleiben.“ Technisch gab es zwar den „einen oder anderen Flaschenhals“, aber wichtig ist vor allem der Umgang mit den Online-Tools. „Und da wurde klar, dass es noch Raum für Verbesserungen und grundsätzliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten seitens der Lehre gibt.“ Onlinelehre bestehe nämlich nicht aus reinen Vorträgen oder PowerPoint-Folien, sondern Studierende müssten aktiviert und integriert werden, etwa über Umfragen, Verständnistests oder Gruppenarbeiten.

Am Handy surfen, während andere reden – das ist im Parlament kein ungewöhnlicher Anblick. Damit die digitalen Kompetenzen aber auch abseits diverser Chat- und Gamingplattformen erweitert werden, hat die TU Wien ein spezielles Ausbildungsprogramm für diese Zielgruppe: Noch bis September werden den Parlamentariern sechs Lehreinheiten zu Themen wie IT-Sicherheit, Künstliche Intelligenz und Datenmanagement angeboten. Wissenschafter der Fakultät für Informatik werden dabei für die Politiker aller Parlamentsklubs aktuelle Forschungsergebnisse verständlich machen.

Tatsächlich ist der Mangel an Austausch, Feedback und Diskussion ein Aspekt, der viele Lehrende und Studierende abschreckt. Vielfach wurden – auch aus Zeitnot wegen der raschen Umstellung im Zuge von Corona – einfach die gewohnten Formate in die Onlinewelt transferiert, ohne auf die Besonderheiten der Onlinelehre zu achten. Dass die Didaktik in Zukunft ein noch wichtigerer Aspekt sein wird, bestätigt Claudia Mössenlechner: „Das didaktische Know-How ist noch nicht so ausgeprägt. Fast jede Hochschule hat ein Didaktikzentrum, dort wird man sich dieser Thematik annehmen müssen.“ Es fehlen allerdings etwa vorgeschriebene Didaktikmodule zur Ausbildung von Hochschullehrenden, wie es sie im englischsprachigen Raum bereits gibt.

76.000 Personen haben 2019/2020 ein ordentliches Studium an einer österreichischen Hochschule begonnen. Bis 2039 soll diese Zahl auf 79.000 Personen jährlich steigen.

Wird es nie mehr überfüllte Hörsäle geben (müssen)? „Jetzt sind viele Hochschulen froh, dass sie wieder anfangen können. Aber das Thema Online geht nicht mehr weg, wir werden rasch zu flexiblen Konzepten kommen, etwa mit Blended Learning oder der Aufzeichnung von Vorlesungen“, sagt Mössenlechner. Online ist die Zukunft, nur damit können Hochschulen wettbewerbsfähig bleiben. Die Technik setzt die Grenzen, aber nach Meinung der MCI-Wissenschafter ist auch hier eine rasante Weiterentwicklung zu beobachten. „Man kann ja auch online in Gruppen arbeiten und kommunizieren.“ Die Rollen der Lehrenden verändern sich allerdings, weil man eben auf diese Aspekte achten muss. „Lehrende werden auch vermehrt zu Moderatoren und Unterstützern, das bedeutet aber zweifellos mehr Aufwand für sie.“

Dass die digitale Hochschule zur Realität wird, ist also keine Frage – es geht nun eher darum, wie rasch und wie gut diese umgesetzt wird. „An den Hochschulen ist die fachliche Expertise vorhanden und es ist eine Chance für sie, im Lehrbereich sichtbar zu werden“, meint Mössenlechner. Man dürfe schließlich nicht vergessen, dass hinter jedem Online-Format ein Mensch sitzt.

Wegen diverser Reisebeschränkungen und Lockdowns war es Studierenden in den vergangenen Monaten schwierig bis unmöglich, in anderen Ländern zu studieren. Bei einer Fachtagung zur internationalen akademischen Mobilität in Wien waren sich die Experten einig, dass es Vereinfachungen von Einreise- und Aufenthaltsregelungen für Studierende und auch Forschende geben müsste, um den internationalen Austausch zu forcieren. So müssen Interessierte aus Nicht-EU-Ländern ausreichend finanzielle Mittel vorweisen können; die Anträge sind teils kompliziert und laufen über lange Zeiträume. Was die Hochschulen selbst tun können, um für internationale Studierende attraktiv zu sein, zeigen Praxisbeispiele von Technischer Universität Wien, Webster-Privatuni oder dem Management Center Innsbruck: Diese nutzen Messen, soziale Medien und zunehmend auch spezielle Rekrutierungsagenturen, um Studierende anzusprechen. Österreich punktet jedenfalls insgesamt mit hoher Lebensqualität und Sicherheit. In diesem Zusammenhang wurde auch gefordert, dass die Hochschulen gemeinsam mehr für die Internationalisierung des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Österreich tun sollten.

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