Sebastian Hofer: Bleierne Zeit

Sebastian Hofer: Bleierne Zeit

Wenn die großen Ferien in ihre lange, ewige, unendliche zweite Hälfte gehen, wenn alle Fußballcamps, Sprachkurse und Bibione-Trips erfolgreich absolviert sind, drängt sich dem gemeinen Erziehungsberechtigten turnusmäßig eine Frage auf: Was tun mit dem Nachwuchs?

Zur Beantwortung dieser Frage existiert ein beliebtes Klischee, nämlich dass Kinder auch einmal Langeweile brauchen. Erst auf der Suche nach dem verlorenen Zeitvertreib werde, so die These, die kindliche Kreativität angeregt, im zweckfreien Spiel ein wichtiger Baustein für eine selbstständige Persönlichkeit gelegt. Die zweite Hälfte der großen Ferien führt diese These gern an ihr Limit und die selbstständige Persönlichkeit im Kinderzimmer ans Ende ihrer Niedlichkeit. Womöglich wird Langeweile ja einfach überschätzt. Darauf deutet auch das Ergebnis eines semiwissenschaftlichen Selbstversuchs hin, vorgenommen bei der wahrscheinlich langweiligsten Tätigkeit, zu der erwachsene Menschen fähig sind: dem Zur-Arbeit-Pendeln.


Alternativer Zeitvertreib-Vorschlag: Stundenzählen.

Das Experiment ist simpel: Gehen Sie in sich, fragen Sie sich: Welche großen Gedanken oder kreativen Erleuchtungen befallen Sie beim S-Bahn-Sitzen oder Einfallstraßenbestauen (Gewaltfantasien Ihre Mitmenschen betreffend zählen genauso wenig wie ausgefallene Faltkunst mit Gratiszeitungen)? Eben. Alternativer Zeitvertreib-Vorschlag: Stundenzählen. Das stärkt Mathematikkompetenz und Leidensfähigkeit. Bis zum Schulstart in Ostösterreich sind es mit Erscheinen dieses Magazins noch genau 528 Stunden (Rest des Landes: 696).