Was kostet das alles?
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G20-Gipfel in Hamburg: Was kostet das alles?

In Hamburg treffen diesen Freitag die mächtigsten Politiker der Welt zusammen. Worum geht es dabei eigentlich? Wird Donald Trump zum ersten Mal Wladimir Putin umarmen? Und was macht Herr Merkel die ganze Zeit? Fragen und Antworten zum G20.

Die ersten zehn Fragen zum G20-Gipfel finden Sie hier:

11. Was schaut am Ende heraus?

Die G20 sind kein politisches Gremium wie zum Beispiel eine UN-Institution; es gibt kein ständiges Sekretariat und keine bindenden Abstimmungen. Die Treffen sind informell, dem Besprochenen folgen meist Willenserklärungen, Papiere und Standpunkte. Dennoch können Weichen gestellt werden. Das Treffen 2009 im US-amerikanischen Pittsburgh etwa führte zum Bekenntnis, die Banken stärker zu regulieren. Kurz vor dem Treffen 2016 im chinesischen Hangzhou traten die USA und China dem Pariser Klimaschutzabkommen bei und nutzen die Gelegenheit, die anderen Teilnehmer zu bearbeiten.

12. Warum gibt es Proteste gegen das Treffen?

"G20-Protestwelle“, "G20 - Welcome to Hell“, "Block G20“, lauten ein paar der Namen der mindestens 27 verschiedenen Demonstrationen, die von Kirchen, Gewerkschaften, Greenpeace, Attac oder eher unbekannten linken Gruppen bei der Polizei angemeldet wurden. Die Motive und Schwerpunkte mögen im Detail unterschiedlich sein, im großen Ganzen geht es darum, gegen die derzeit amtierenden Regierungen und das vorherrschende Wirtschaftssystem zu protestieren.

13. Welche drei Regierungschefs kommen zum Protestkonzert gegen sich selbst?

Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg (ihr Land ist nur als G20-Gast eingeladen), der argentinische Präsident Mauricio Macri und der kanadische Regierungschef Justin Trudeau haben sich zum G20-kritischen "Global Citizen Festival“ angekündigt, das einen Tag vor Gipfelbeginn stattfinden soll.

14. Warum werden rund um den Gipfel Ausschreitungen befürchtet?

Erstens: Randale gab es noch so gut wie jedes Mal. G-Treffen jeder Art sind berüchtigt für ihre Gegendemonstrationen, die mitunter in gewaltsamen Ausschreitungen enden. Zweitens existiert in Hamburg eine große linksautonome Szene, die bereits angekündigt hat, für den G20-Gipfel den größten "Schwarzen Block“ der Geschichte zu organisieren (damit ist eine Demonstrationstaktik gemeint, bei der die Teilnehmer allesamt schwarze Kleidung anziehen, um für die Polizei schwerer identifizierbar zu sein). Dazu kommt dieses Jahr noch die Angst vor Terroranschlägen - schließlich sind die mächtigsten Menschen der Welt auf engstem Raum versammelt.

15. Warum räumte Hamburg seine Gefängnisse?

Falls es zu Straßenschlachten kommen sollte, werden wohl Massenfestnahmen folgen. Die Hamburger Polizei hat daher bereits 80 Häftlinge in andere deutsche Bundesländer verlegen lassen, um Platz zu machen. Dazu wurde aus Containern ein Sammellager gebaut, in dem bis zu 400 Menschen untergebracht werden können. Acht Richter und 30 Mitarbeiter sollen in der Nähe Quartier beziehen, um Krawalltäter per Schnellverfahren festsetzen zu können.

Erste Demonstranten wurden schon in den Tagen vor dem G20-Gipfel von der Polizei abgeführt.

16. Was macht der Rest der Stadt so lange?

Genervt sein und sich verbarrikadieren, wenn man den vielen Reportagen und Straßenbefragungen in deutschen Medien glaubt. Hamburg wird lahmgelegt, das Kaufhaus Karstadt hat bereits seine Fronten mit Holzplatten versiegelt, einige Hamburger protestieren mit Plakaten und Postern. Andere haben angekündigt, die Stadt für Tage zu verlassen - sei es aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor Gewalt und Terror. Unternehmer rufen ihre Mitarbeiter dazu auf, einige ihrer Urlaubstage zu verbrauchen.

17. Und wie vertreiben sich die First Ladys (und Husbands) die Zeit?

Neben Sightseeing hat Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer einen besonderen Punkt ins kulturelle Programm reklamiert: Die First Ladys sollen einen Besuch in einem deutschen Klimaforschungszentrum absolvieren. Der Boulevard munkelt, dass er dort Melania Trump bekehren will, deren Gatte Donald ein berüchtigter Klimawandel-Skeptiker ist. Sauer ist übrigens neben Philip May (dem Partner der britischen Premierministerin) und dem Norweger Sindre Finnes (Gatte von Solberg) der einzige Mann unter den Partnern der eingeladenen Regierungschefs. Der belgische Architekt Gauthier Destenay, der beim vergangenen NATO-Gipfel auf dem obligaten Gruppenfoto zu sehen war, wird diesmal fehlen: Sein Partner, der luxemburgische Premier Xavier Bettel, ist nicht eingeladen.

18. Was kostet das alles?

Das steht erst fest, wenn es vorbei und abgerechnet ist. Das "Hamburger Abendblatt“ geht davon aus, dass mindestens 130 Millionen Euro für Polizei, Transporte und Unterkünfte fällig werden. Dass es dabei bleibt, ist unwahrscheinlich: Das viel kleinere G7-Treffen im bayerischen Schloss Elmau im Jahr 2015 hat laut offiziellen Angaben rund 112 Millionen Euro gekostet. Kritiker gehen auch in Hamburg von höheren Summen aus als veranschlagt.

19. Was hat Edward Snowden mit den G20 zu tun?

Der NSA-Whistleblower Edward Snowden deckte eine besonders heikle Facette der Gipfel auf: die Spionage unter Freunden. Der britische Geheimdienst soll bei einem G20-Treffen in London im Jahr 2009 die Smartphones von mehreren Delegierten abgehört und sogar falsche Internetcafés aufgebaut haben, um an Informationen zu kommen.

20. Warum kann der Gipfel nicht telefonisch abgewickelt werden?

Technisch ginge das natürlich. Videokonferenzen sind einfach, billig und können verschlüsselt werden. Dagegen spricht, dass auch die Weltelite sich oft nach intimen Gesten sehnt: Regierungschefs und ihre Sherpas wollen sich Auge in Auge in Bars oder beim Essen gegenübersitzen, um zu spüren, ob sie einander vertrauen können.

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  • Gottfried Wimmer (SKUES) Mo, 10. Jul. 2017 11:53

    Aus meiner Sicht ist das eine unnötige Kaffeerunde, die der Steuerzahler finanziert. Die 130 Millionen € gehören den Hartz IV "Empfängern". Es wundert mich nicht, dass auch gewalttätige Demonstranten auftreten - wie immer genießt diese schreiende Minderheit die Beachtung der Medien. Positive Ergebnisse sind mit diesen Personen unmöglich.

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  • pete lüdin (zomboliti) So, 09. Jul. 2017 18:25

    Nachdem die Krawallbrüder alles kurz und klein geschlagen haben, darf der Steuerzahler für den Schaden aufkommen. Egal, ob er zu den Reichen gehört oder zu denen, die diese Linksextremen angeblich schützen wollen.

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