Hogwarts für Rechtspopulisten
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Hogwarts für Rechtspopulisten

Marion Maréchal, die Nichte von Marine Le Pen, hat in Lyon eine Schule für die neonationalistische Avantgarde gegründet. Mit von der Partie ist auch der frühere Trump-Einflüsterer Steve Bannon.

Die ersten Studenten sind bereits eingetroffen. Großteils junge Männer versammelten sich vor einer Woche in einem unauffälligen Bürohaus im zweiten Bezirk von Lyon. Die Wände sind frisch gestrichen, das Interieur erinnert an die Lobby einer modernen Hotelkette. "Institut des Sciences Sociales Economiques et Politiques" (ISSEP) steht auf dem Schild vor der Tür.

So heißt das Projekt von Marion Maréchal, der Nichte von Marine Le Pen, der Chefin der Rechtspartei Rassemblement National (vormals Front National). 75 Studenten hatten sich um einen Platz in Maréchals Institut beworben. Die Kurse im Lehrplan tragen wenig erhellende Namen wie "Geopolitik", "Konfliktmanagement" oder "Literatur". Das Magazin "Politico" schreibt, dass sich der Unterricht außerdem um Themen wie "Die Kunst der Desinformation" und "Islam und Islamische Zivilisation: Analysen eines neuen globalen Trends" drehen solle. Als Wahlfach wird aber auch Einfacheres wie "Tanz" angeboten.

5500 Euro kostet laut ISSEP-Website das zweijährige Magisterstudium pro Jahr; der Abschluss wird vom französischen Staat allerdings nicht anerkannt. Dafür verspricht das Institut in Lyon ein Ticket in das Netzwerk der europäischen Rechten: Steve Bannon, der ehemalige Chefideologe und Berater von US-Präsident Donald Trump, unterstützt die 29-jährige ISSEP-Direktorin Maréchal öffentlich. Bannons rechte Hand in Europa - Rashed Kassam, Ex-Chefredakteur der europäischen Filiale der Internet-Plattform Breitbart - sitzt im wissenschaftlichen Beirat.

ISSEP-Direktorin Maréchal unterstreicht damit ihren Anspruch als Hoffnungsträgerin der französischen Rechten. Als solche sieht sie sich, seit ihre Tante Marine Le Pen politisch schwächelt. Nach einer schmerzhaften Wahlniederlage gegen Emmanuel Macron im vergangenen Jahr kämpft die Partei mit Finanzierungsproblemen und einer Affäre um möglicherweise illegal eingesetzte EU-Gelder.

Mit dem Institut für die Rechte kann sich Maréchal nun als Teil der gebildeten Elite inszenieren, denn nicht nur Bannons Leute sitzen im Beirat, sondern auch durchaus etablierte Wissenschafter wie der russische Napoleon-Experte Oleg Sokolov oder der erzkonservative US-Historiker Paul Gottfried. Maréchal selbst brach ihr Studium des öffentlichen Wirtschaftsrechts im Jahr 2012 ab und begann im Jahr 2017 einen Master in Wirtschaftsverwaltung an einer der führenden französischen Schulen in Lyon. Dass für die Leitung einer akademischen Einrichtung üblicherweise zumindest ein Doktortitel oder gar eine Universitätsprofessur vorausgesetzt wird, kommentierte Maréchal gegenüber französischen Journalisten so: "Ich werde ja dort nicht selbst unterrichten."

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