Irakis feiern den Sieg in Mossul (mit einem Porträt des schiitischen Klerikers Ali al-Sistani).

Irakis feiern den Sieg in Mossul (mit einem Porträt des schiitischen Klerikers Ali al-Sistani).

Ausland

Was unterscheidet Sunniten und Schiiten?

Vor wenigen Wochen gelang es, die Millionenstadt Mossul von der Terrormiliz IS zu befreien. Nun geht es um den politischen Einfluss im Irak. Wie so oft in der Region stehen sich dabei Sunniten und Schiiten gegenüber.

Das Problem wurzelt in einem Erbfolgestreit. Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 muss ein Nachfolger gefunden werden. Seine hinterbliebenen Gläubigen teilen sich in zwei Gemeinden auf: jene, die Mohammeds Vertrauten Abu-Bakr als ersten Kalifen anerkennen, und jene, die darauf beharren, dass nur ein Blutsverwandter des Propheten ihm nachfolgen darf. Sie setzen auf seinen Cousin und Schwiegersohn Ali.

Von Letzteren werden sich über die Jahre die Strömungen der Schiiten ableiten (ihr Name bedeutet so viel wie "Partei Alis"). Die anderen werden sich Sunniten nennen (in etwa "Volk der Tradition"). Das daraus entstandene Schisma des Islam prägt bis heute politische Machtkonstellationen, führte zu Anfeindungen und spielte auch bei einigen Kriegen eine Rolle. Schiiten und Sunniten folgen unterschiedlichen religiösen Führern, verehren andere Märtyrer und pilgern, abgesehen von gemeinsamen heiligen Stätten wie Mekka, auch zu eigenen Schreinen – die wiederum für Extremisten zum Ziel werden können.

Bis heute zählen 90 Prozent der Muslime zu den Sunniten. In einigen Ländern stellen die Schiiten aber die Mehrheit, darunter der Iran (92 Prozent), Aserbaidschan, Bahrain und auch der Irak (je 70 Prozent). Dazu kommen erwähnenswerte Minderheiten im Libanon (35 bis 50 Prozent), im Jemen (etwa 37 Prozent) oder in Syrien (etwa 17 Prozent).

Bild: Irakis feiern den Sieg in Mossul (mit einem Porträt des schiitischen Klerikers Ali al-Sistani).

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