"Eine wunderbare Auszeichnung"
Gesellschaft

"Eine wunderbare Auszeichnung"

Anfang des Monats wurden im australischen Melbourne die "50 besten Restaurants der Welt" gekürt. Gewonnen hat zum ersten Mal das New Yorker "Eleven Madison Square" des Schweizer Kochs Daniel Humm. Mit einem zehnten Platz konnte sich das Wiener "Steirereck" von Heinz Reitbauer wie schon seit Jahren im Spitzenfeld und damit auch als deutliche Nummer eins im deutschsprachigen Raum behaupten.

profil: Zum wiederholten Mal wurde das Steirereck unter die besten Restaurants der Welt gewählt. Welche Auswirkungen hat eine solche Platzierung auf den Geschäftsgang?
Reitbauer: Das ist in unserem Fall schwer zu sagen, weil wir seit vielen Jahren einen Anteil ausländischer Gäste von rund 30 Prozent erreichen. Das war schon so, bevor es die Liste gab. Allerdings sind wir auch in einer europäischen Hauptstadt tätig, die ihren Besuchern viel zu bieten hat. Vermutlich wäre in einer weniger günstigen Lage die ökonomische Bedeutung der Liste eine völlig andere. Aber für Aufmerksamkeit vonseiten der Medien sorgt die Platzierung allemal. Es ist sehr angenehm, wenn man international für seine Arbeit gelobt wird. Man freut sich und wundert sich auch immer wieder ein wenig, dass überhaupt jemand im Ausland mitbekommt, was man so macht.

profil: Vom Michelin erhalten Sie seit Jahren nur zwei Sterne, obwohl viele Fachleute der Meinung sind, dass das "Steirereck" längst die Höchstnote von drei Sternen verdient hätte. Wurmt Sie das ein wenig?
Reitbauer: Nein, natürlich nicht. Zwei Sterne sind eine wunderbare Auszeichnung, für die wir sehr dankbar sind.

profil: Aber drei Sterne wären Ihnen wohl lieber.
Reitbauer: Keine Frage. Mit drei Sternen betritt man einen weltweit sehr exklusiven Club. Das würde wohl jedem gefallen.

profil: Das australische Tourismusbüro hat zuletzt viel Geld investiert, um Gastro-Journalisten, Blogger, Wirte und Köche ins Land zu holen. Sollte Österreich seine Spitzengastronomie auch auf diese Weise bewerben?
Reitbauer: Ich sage schon seit Langem, dass es dem österreichischen Tourismus nur guttun kann, seine kulinarische Identität und damit die Exzellenz und Einzigartigkeit seiner Lebensmittel und Küche zu fördern.

profil: Gleichzeitig gab es in Australien auch die Kritik dahingehend, dass viel Steuergeld für eine sehr elitäre Zielgruppe ausgegeben wurde.
Reitbauer: Der an Kulinarik interessierte Besucher findet sich nicht nur in der Spitzengastronomie, sondern auch in einfachen Gasthäusern, die sich einer lokalen Küche verschrieben haben. Generell geht es beim Gastro-Tourismus um eine sehr schonende Form des Tourismus, die im besten Fall zur Unterstützung der heimischen Landwirtschaft und der kulturellen Besonderheiten des Landes beiträgt. Darin kann ich nichts Elitäres erkennen.

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