Charakterstudien
Gesellschaft

Charakterstudien

Warum wir sind, wie wir sind. Neues aus der Persönlichkeitsforschung

Der deutsch-österreichische Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt nannte seine Charakterstudien „Köpf-Stückhe“. Bisweilen wandte der Künstler durchaus drastische Methoden an und erschreckte Passanten etwa mit der Pistole, um den authentischen Ausdruck von Schrecken einzufangen. In über 50 Skulpturen dokumentierte er Affekte und Typen. Der deutsche Schriftsteller Erich Kästner schrieb über Charakterbildung: „Sie sind schon als Kinder dasselbe, was sie später werden. Wie die auseinanderziehbaren Fernrohre.“

Neu erfinden

Diese seit fast einem Jahrhundert gängige Meinung, ebenso wie die Annahme, dass ein Charakter im Alter von etwa 30 Jahren fest zementiert ist, wird nun über Bord geworfen. Eine Studie unter der Leitung der Persönlichkeitspsychologin Jule Specht an der Berliner Humboldt-Universität, bei der 14.000 Erwachsene auf ihre Charaktereigenschaften hin untersucht wurden, zeigt, dass Menschen sich ab dem 60. Lebensjahr oft völlig neu erfinden.

Es ist nie zu spät

Die Schwangerschaft der Mutter, die Gene, die frühe Kindheit, „das alles spielt zwar eine wichtige Rolle“, so Specht. Jedoch: „Unsere Persönlichkeit ist viel mehr von dem geprägt, was wir jetzt und in den letzten beiden Jahren erlebt haben, als durch das, was Jahrzehnte zurückliegt.“ Es ist also nie zu spät, ein charakterfester Mensch zu werden.

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