Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Wehe, du heißt Zadić

Was die Beleidigungen gegen Alma Zadić über das perfide Spiel der FPÖ auf Facebook verraten.

Sagen wir es, wie es ist: Die FPÖ profitiert davon, den Rassismus in diesem Land zu schüren. Sie profitiert davon, das Niedrigste und Übelste aus Teilen der Bevölkerung herauszuholen, damit Aufsehen zu erregen und die politische Debatte zu beeinflussen. Ihr wichtigstes Vehikel hierbei ist mittlerweile Facebook - die Plattform eignet sich erstklassig für rechtspopulistische Provokationen und für blaues Agenda-Setting. Der jüngste Beleg hierfür ist die Kampagne, die einige FPÖ-Politiker gegen die neue Justizministerin Alma Zadić fahren. Als Reaktion darauf brach eine Flut an rassistischen und sexistischen Wortmeldungen über die in Bosnien geborene Politikerin herein. Dieser Fall verdeutlicht einmal mehr, wie die FPÖ vorgeht. Sie führt ihre politischen Gegner vor, nimmt offensichtlich in Kauf, dass die betroffenen Personen (oftmals Frauen) von Fans der FPÖ erniedrigt, rassistisch beleidigt und sexistisch herabgewürdigt werden.

Im Fall Zadić kann man zwei Aspekte der Strategien der Freiheitlichen erkennen: Erstens werden politische Feindbilder kreiert -wobei sich besonders gut Frauen, die Migrantinnen sind oder Migrationshintergrund haben, als Feindbild eignen. Sie scheinen bei einigen Fans der FPÖ eine enorme Gehässigkeit hervorzubringen. Über die Juristin Zadić, die ein abgeschlossenes Doktoratsstudium vorzuweisen hat, wird geschrieben: "Sprecht nix gut deitsch!" Ein anderer meint: "Vom Namen her alleine schon darf so jemand niemals einen Ministerposten bekommen."

Viele regen sich allein über ihren bosnische Namen auf, schreiben: "jetzt wird Österreich von ic und vic regiert." Als Österreicherin ohne Migrationshintergrund erahnt man bei diesen Facebook-Posts, wie viel Rassismus Migranten erleben müssen -nicht nur im Internet, sondern im Alltag, wenn blöde Witze über den Namen gemacht werden, wenn man als Mensch zweiter Klasse angesprochen wird. Zadić erlebt nicht als Erste eine solche Tonalität: Als Muna Duzdar Staatssekretärin für die SPÖ wurde, widmete ihr die FPÖ-nahe Site unzensuriert.at negative Artikel. Auf Facebook wurde sie übel beleidigt und Gewalt angeregt, einer meinte: "An die Wand und fertig!"

Man kann annehmen, dass diese aggressiven und hasserfüllten User eine Minderheit sind, aber sie sind eine laute und angsteinflößende Minderheit. Die Gefahr ist, dass manche Frauen und Migrantinnen gar nicht erst in die Politik gehen wollen -wer will schon verunglimpft oder bedroht werden?

Alma Zadic

Ministerin als Feinbild: Der Fall Zadić macht Rassismus sichtbar - online und offline.

Ein zweiter wichtiger Aspekt: Die FPÖ löst viel Wut aus, sie profitiert davon, kann sich aber gleichzeitig unschuldig geben. In vielen Fällen posten freiheitliche Politiker nicht selbst die Beleidigungen -sie bieten lediglich Anstoß für eine derbe Debatte, in ihren Postings weisen sie auf politische Gegner hin und kritisieren diese (auf eine meistens nicht klagbare Weise). Dann bricht in den Kommentaren die Hölle aus. In Rage schreiben manche User teils klagbare Äußerungen, manche wurden auch schon geklagt. Die FPÖ aber profitiert, weil ihr all die Wut Reichweite verschafft. Eine Daumenregel auf Facebook lautet: Je mehr Kommentare ein Beitrag bekommt, desto mehr Benutzern wird er eingeblendet. Also je mehr wütende Reaktionen die FPÖ provoziert, desto mehr Menschen erreicht sie - gleichzeitig können sich die freiheitlichen Politiker ahnungslos geben.

Diese Strategie ist für die FPÖ so erfolgreich, dass sich eine Frage aufdrängt: Sollen wir einfach nicht mehr darüber reden? Ist es sinnvoller, diese Posts der FPÖ und die rassistischen und sexistischen Kommentare darunter nicht anzusprechen -um ihnen die zusätzliche Aufmerksamkeit zu verweigern? Tatsächlich glaube ich, dass man nicht auf jede Provokation der FPÖ einsteigen sollte -dass die größte Strafe für Rechtspopulisten ist, wenn keiner über sie redet. Nur kann Schweigen auch nicht immer die Lösung sein: Wenn zum Beispiel Facebook-Postings der FPÖ bereits hundertfach oder gar tausendfach wütende Kommentare, Likes, Shares auslösten, ist es durchaus relevant, den anderen Österreichern (die nicht in der blauen Parallelrealität leben) zu erzählen, was dort abgeht, wie dort über Menschen gesprochen wird. Letztlich haben wir eine Verantwortung, zu widersprechen. Auch wenn es sich mittlerweile als Normalität anfühlen mag, dass auf FPÖ-Sites viel rassistische oder sexistische Kommentare zu finden sind, sollten wir uns nicht angewöhnen, solchen Menschenhass tatsächlich normal zu finden.

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