Kubikov

Kubikov

Gesellschaft

Kubikov: Fußball

Eine Selbstgesprächstherapie.

Kubikov hasst Fußball . Angeblich. Dass er trotzdem kein wichtiges Match versäumt, über Transfersummen und Spielermarotten besser Bescheid weiß als die britische Haifischpresse, alle Taktikvarianten seit Arrigo Sacchi im Schlaf durchdeklinieren und die Wettquoten in jeder noch so windigen Provinzliga aus dem Ärmel schütteln kann, gehört für ihn zu den Basistugenden der Feindbeobachtung. Wer die Mechanismen der modernen Gesellschaft verstehen wolle, müsse sich mit Fußball beschäftigen. Fußball sei organisierte Massenhysterie, sozusagen das Dopium des Volkes . - Kubikov grinst selbstzufrieden, wie immer, wenn er einen handgeschnitzten Kalauer schiebt. - Marx hätte Fußball sicher verachtet, sage ich, um auch einmal etwas zu sagen. - Kubikov schüttelt den Kopf: Ganz im Gegenteil! Nach einem wackeren Arbeitstag unerbittlicher Kapitalismuskritik wäre er nach Hause gekommen, hätte einen volkseigenen Champagner entkorkt und zu seiner Frau gesagt: "Heute schauen wir uns an, wie Real Madrid, dieser Inbegriff spätbürgerlich-eskapistischer Verkommenheit, nach allen Regeln der Kunst gedemütigt wird." Und am nächsten Tag hätte er einen Grund mehr gehabt, seine Kapitalismuskritik noch schärfer zu formulieren. Glaube mir: Gerade als leidenschaftlicher Fußballfan wäre Marx zu ganz großer Form aufgelaufen und, wer weiß, am Ende vielleicht sogar Trainer geworden, um das profitversessene System gleichsam von innen zu sprengen. Ha! - Kubikov lächelt selig wie ein Säugling nach dem Bäuerchen. In Wahrheit liebt er Fußball über alles.

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