Babette Mangolte

Babette Mangolte

Kultur

Augenfällig

Tanz, Bild, Klang: Die Kunsthalle Wien feiert die französisch-amerikanische Filmkünstlerin Babette Mangolte.

In der lebendigen New Yorker Avantgardeszene fand Babette Mangolte ab 1970 ihre Themen und ihren Stil: Die von Künstlerinnen wie Yvonne Rainer und Trisha Brown geprägte Tanz- und Performanceszene wurde für die junge Kamerafrau und Regisseurin zum frühen Spielfeld filmischer Arbeit. Gelegentlich arbeitete die Französin, Jahrgang 1941, auch nach ihrer Auswanderung nach New York 1970 noch in Europa - und wurde zum Kameraauge eines berühmten feministischen Films: Mangolte fotografierte 1975 Chantal Akermans legendäre Frauenfrustrationsstudie "Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles“.

In der Wiener Kunsthalle im MuseumsQuartier wird das Werk der kunsthistorisch noch weitgehend unterschätzten Babette Mangolte nun gewürdigt. Unter dem Titel "I = Eye“ (zu sehen bis 12.2., Eröffnung in Anwesenheit der Künstlerin: 17.12., 17 Uhr) bietet Kurator Luca Lo Pinto, passend zu Mangoltes Tanzschlagseite, eine exakt arrangierte Choreografie der Filmzuspielungen. Anders als in Bewegtbild-Ausstellungen sonst üblich, wird im Erdgeschoß der Kunsthalle, obwohl vier Leinwände installiert wurden, jeweils nur ein Film aufleuchten, das Publikum durch Klang und Licht durch den Raum gelenkt.


Das Leben erschien mir schon mit 27 zu kurz, um meine Zeit an dumme Projekte zu verschwenden.

Dynamisch erstattet die quirlige Künstlerin mit der charakteristischen grauen Mähne im profil-Gespräch Bericht über ihr Leben. "1968 beschloss ich, keine kommerzielle Arbeit mehr zu machen. Das Leben erschien mir schon mit 27 zu kurz, um meine Zeit an dumme Projekte zu verschwenden.“ Vier Säulenheilige beeinflussten den Kurs ihrer Karriere: Dziga Vertov weckte in ihr den Wunsch, Kamerafrau zu werden, Michael Snows "Wavelength“ die Sehnsucht nach Kinoexperimenten, Kenji Mizoguchi und Robert Bresson gehören zudem seit je zu ihren Role-Models.

Aber erst der Feminismus gab Mangoltes Arbeit die nötige Schubkraft; in der Kollaboration mit Rainer, Brown und Akerman, später auch mit Joyce Wieland und Marina Abramoviæ fand sie zu ihrer ganz eigenen Filmform. In der chauvinistischen Kunstszene wurde sie unterschätzt, darin lagen Tradition und Freiheit: "Ich wuchs mit Brüdern auf, niemand erwartete von mir, erfolgreich zu sein.“ Das Zusammentreffen mit Akerman, für die sie zwischen 1972 und 1983 ein halbes Dutzend Filme fotografierte, habe sich "absolut zufällig“ ereignet. "Ich wollte nicht unbedingt feministische Filme machen, sondern meine spezielle Perspektive, meine Weltsichten erkunden. Und man kann nicht unentwegt mit dem Kopf gegen die Wand laufen. Wir standen nicht in Konkurrenz mit männlichen Kollegen. Wir versuchten einfach etwas anderes.“

Als "äußerst politisch“ begreift sich die studierte Mathematikerin, auch in ihrer Arbeit. Die Wiener Ausstellung ermöglicht nun eine Reise durch fünf Jahrzehnte Mangolte-Visionen: Von ihrem analogen Regiedebüt "What Maisie Knew“ (1975) spannt sich der Bogen zu ihren späten Künstlerporträts und ihrer jüngsten digitalen Arbeit "Je, Nous, I or Eye“ (2014). Neben den Filmen zeigt man Fotos, Installationen - und lässt eigens komponierte Klangfragmente hören.

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