Robert Forster

Robert Forster

Kultur

Buch: Die Geschichte der Go-Betweens

Der australische Musiker Robert Forster erzählt die Geschichte seiner Band The Go-Betweens - so selbstentblößend wie ehrlich.

Aufgrund der Schwierigkeit, mit Musikergagen den Rockstar-Lebensstil aufrechtzuerhalten, herrscht im Genre der Memoiren seit Jahren Inflation. "Grant & Ich - The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft“ ist die rare Ausnahme unter Redundanzen. "Ich wollte die Geschichte einer Band erzählen, die immer auf der Straße war, nicht im obersten Stock des Fünf-Sterne-Hotels“, erklärt Autor Robert Forster im Gespräch. Mit seinem 2006 im Alter von nur 48 Jahren verstorbenen Songwriting-Partner Grant McLennan schlug er sich über drei Jahrzehnte in der Welt des Musikgeschäfts durch. "Wir lebten in den 1980er-Jahren in der Popmusikstadt London, da war viel Geld im Umlauf. Entsprechend groß war der kommerzielle Druck. Das bedeutete aber auch, dass wir immer diese Verheißung vor Augen hatten: Wenn wir eine Hitsingle machen, müssen wir nicht mehr bei 50 Pfund Taschengeld pro Woche in einem besetzten Haus wohnen.“

Scheitern und späte Anerkennung

In "Grant & Ich“ wird das wiederholte Scheitern der Go-Betweens so ausführlich dokumentiert wie die späte Anerkennung. Forster beschreibt die jugendliche Selbstüberschätzung, die ihn und seinen Busenfreund McLennan, Bohemien und Filmliebhaber, dazu brachte, mit nichts als ihren Songs im Gepäck aus dem australischen Brisbane auf die andere Seite der Welt zu reisen. Forster erinnert sich: "Die einzige Person, die genauso viel Arroganz und Ambition hatte wie ich, war Grant. Alle rund um uns wussten, was sie in ihrem Leben machen würden. Grant und ich mussten es erst herausfinden. Wir wollten reisen, wir wollten nach Übersee, wir hatten keine Freundinnen und nur Teilzeitjobs, waren immer auf Abruf bereit. Das brachte uns näher zusammen, bis wir die Go-Betweens gründeten.“ Einfühlsam schildert Forster die Periode der Entfremdung von seinem Freund nach dessen traumatischer Trennung von Violinistin und Oboistin Amanda Brown. Seinen eigenen gelegentlichen Heroinkonsum erwähnt er beiläufig zur Begründung einer Hepatitis-C-Infektion. Einer, der so einnehmend erzählen kann, braucht keine Sensationen.

Robert Forster: Grant & Ich - The Go-Betweens und die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft. Heyne, 368 S., EUR 22,70

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