"Cry Baby, Cry" bei der Viennale: Lasst die Babys schreien!
Kultur

"Cry Baby, Cry" bei der Viennale: Lasst die Babys schreien!

Im Dokumentarfilm "Cry Baby, Cry" erzählt der Wiener Regisseur Antonin Svoboda von verzweifelten Eltern und missverstandenen Kindern.

Es gebe keinen Grund sich zu fürchten, sagt Regisseur Antonin Svoboda vor der Aufführung seines neuen Films. Nur insgesamt 16 Minuten höre man die porträtierten Babys schreien. Man habe sich bei der aktuellen Filmarbeit, so der Regisseur augenzwinkernd, an die Vorgaben aus dem Horror- und Splattermovie-Genre gehalten. Mehr Geschrei sei auch einem versierten Genre-Publikum nicht zuzumuten.

In seiner Dokumentation "Cry Baby, Cry", die bei der diesjährigen Viennale uraufgeführt wurde, begleitet Svoboda Jungfamilien ins Therapiezimmer. Das sind vorwiegend Familien, die vor, während oder nach der Geburt traumatische Erfahrungen oder Komplikationen erfahren mussten. Eineinhalb Jahre lang saß Svoboda, der vor allem für größere Spielfilmproduktionen (u.a. "Der Fall Wilhelm Reich", "Immer nie am Meer") bekannt ist, bei einem Bremer Therapeuten als stiller Beobachter auf der Matte.

Cry Baby, Cry - offizieller Trailer

Da ist zum Beispiel Konrad. Ein so genanntes "Schreibaby", das mit dauerhaften Schrei- und Unruheattacken zu kämpfen hat. "Jedes Baby nimmt aktiv an der Geburt teil", erklärt einer der Therapeuten im Film. Wenn dieser natürliche Geburtsprozess, zum Beispiel durch einen Eingriff oder eine Narkose unterbrochen wird, kann das Traumata nach sich ziehen, die in den ersten Lebensmonaten erst überwunden werden müssen.

Was in "Cry Baby, Cry" also schnell klar wird, ist, dass diese "Schreibabys" nicht das Problem darstellen, sondern die Eltern erst lernen müssen, ihre Ängste und den neuen Alltag auf das Kind einzustellen. Die erste und wichtigste Regel lautet: Die Kinder wollen sich nur mitteilen.

Kinder wollen sich nur mitteilen. Der Therapeut bei der Arbeit.

Svoboda verlässt in "Cry Baby, Cry" kaum das Therapiezimmer, schafft es aber dennoch, einen Blick darüber hinaus zu werfen. Während die Doku von den Ängsten und Nöten der Eltern erzählt, wird hier ein Abbild der Gesellschaft gezeichnet, die zwischen familiären Erwartungshaltungen, Karrieredruck und alten Rollenbildern noch nicht gelernt hat, gelegentlich einfach mal zuzuhören.

So spendet "Cry Baby, Cry" aber vor allem Hoffnung: Die Nachwuchssorgen der Eltern konfrontieren sie schließlich mit ihren eigenen Nöten. Das bedeutet neue Chancen für alle.

Ab Februar oder März soll "Cry Baby, Cry" auch regulär in den österreichischen Kinos anlaufen.

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