Robert Forster

Robert Forster

Kultur

"The Go-Betweens": Robert Forster über den Klimawandel

"Die Natur will ihr Eigentum zurückerobern."

INTERVIEW : ROBERT ROTIFER

profil: Ihr neues Album heißt „Inferno“, und der Titelsong macht die Sehnsucht nach dem Eis auf der Nordhalbkugel aus der Perspektive des australischen Sommers spürbar. Früher war das ja eher umgekehrt, da wollte man ins Warme.
Forster: Das ist alles wahr, all die Zeilen darüber, wie ich nachts nackt im Bett liege, weil es so heiß ist. Als ich das Lied schrieb, war meine Frau Karin gerade auf Familienbesuch in Bayern, wo sie herkommt, und sie schickte mir Fotos von ihrer Reise. Ich sah den Schnee auf meinem iPhone, bei mir hatte es 38 Grad plus, und ich wünschte, ich könnte in dieses Telefon hineinspringen und in diesem Zug sitzen, der durch den Schnee fährt. In meinen Songs ist nie viel Erfundenes, es sind einfach Dinge, die rund um mich passieren.

profil: Hitze passt ja auch gut zu Rocksongs, aber in Wahrheit ist das alles ziemlich ernst, oder?
Forster: Allerdings. Die Sommer, die wir in den vergangenen beiden Jahren durchgemacht haben, sind ganz anders als jene in meiner Kindheit. Sie waren viel milder. Heute haben unsere Sommer eine infernalische Intensität, die das Leben in Brisbane ziemlich schwer macht. Es war immer ein tropischer Ort, wo man nach drei Wochen Urlaub in sein Haus zurückkehrt, und das Gras im Garten steht einen halben Meter hoch. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Zweige und die Bäume und der Rasen durch die Fenster ins Haus wachsen werden.


Das euphemistische Wort 'Klimawandel' bietet uns ja immer noch die Option an, dass es nicht passieren könnte.

profil: Die Natur schleicht sich ein.
Forster: Sie will ihr Eigentum zurückerobern. Und jetzt kommt noch diese Hitze dazu. Australien macht, wie der Rest der Welt, wilde Wetterschwankungen durch. Es ist eigenartig, denn ich schrieb diesen Song im Sommer 2015, und in den vergangenen beiden Jahren habe ich beobachtet, dass in den Zeitungsüberschriften überall das Wort „Inferno“ auftaucht.

profil: Es gibt tatsächlich Flächenbrände.
Forster: In Tasmanien zum Beispiel, das 3000 Kilometer südlich von Brisbane liegt. Das ist unvorstellbar, als gäbe es Feuer in Finnland. All das ist in diesem Song drin, verbunden mit einem humorigen Element. Doch darunter liegt die sehr reale Besorgnis darüber, was mit dem Klima in meiner Heimatstadt Brisbane geschieht.

profil: Ehrlicherweise steht diese Sorge aber auch im Widerspruch zu unserem eigenen Lebensstil. Sie zum Beispiel sind nun den ganzen Weg nach London mit dem Flugzeug gereist, um hier über diesen Song zu reden. Nachhaltig ist das nicht.
Forster: Stimmt, ich glaube trotzdem, dass man diese Botschaft verbreiten muss. Ich bin an sich ein ziemlich apolitischer Mensch, solche Themen haben nie ihren Weg in meine Songs gefunden. Aber ich nenne es nicht einmal mehr „Climate Change“, sondern „Climate Changed“ – weil es bereits passiert ist. Das euphemistische Wort „Klimawandel“ bietet uns ja immer noch die Option an, dass es nicht passieren könnte. Aber über diesen Punkt sind wir bereits hinaus. Ich kann es sehen und spüren, und es bedrückt mich. So wird dieser Planet nicht überleben.

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  • Helga Müller (Wavi) So., 10. März. 2019 09:00

    Natürlich kann dieser Planet überleben!
    Der war vor den Menschen da und wird es nach der Menschheit sein.
    Für den Planeten Erde ist es vollkommen gleichgültig, wie wir unsere Lebensgrundlagen zerstören.
    Solange wir Menschen uns nicht klar machen, dass es um unser Überleben und nicht um das der Erde geht, werden wir auf unsere Auslöschung zusteuern wie einst die Dinosaurier.

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  • Fr., 08. März. 2019 10:21

    bald wird die antarktis eisfrei und begrünt sein - dann kann der australische rock-popper seine schnulzen dort den pinguinen vorsingen. :)

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