Lime Crush (von links nach rechts): Nicoletta Hernández, Andi Dvorák, Veronika Eberhart und Philipp Lampert.

Lime Crush (von links nach rechts): Nicoletta Hernández, Andi Dvorák, Veronika Eberhart und Philipp Lampert.

Kultur

Lime Crush: "Schreie lieber zwei als zehn Minuten"

Lime Crush präsentieren am Donnerstag im Central Garden am Donaukanal ihr Debütalbum. Andi Dvořák und Veronika Eberhart erzählen vorab, warum kurze Songs besser knallen, ihnen das Coverartwork besonders wichtig ist und welche politische Bedeutung der Albumtitel hat.

profil: Euer Debüt-Album ist da und kaum ein Lied ist länger als zwei Minuten. Haben es Lime Crush gerade besonders eilig?
Andi Dvořák: Ende der 1970er wurde alles was neu und kürzer als drei Minuten lang war, als Punk zusammengefasst. Für uns ist das immer noch die zielsicherste Art, um unsere Energie so zu bündeln, dass es knallt.
Veronika Eberhart: Es gibt auch einen Song, der ist sogar über drei Minuten lang. Aber wenn ich jemanden anschreie, dann lieber zwei als zehn Minuten.

profil: Zwischen Debüt 7" und Album sind drei Jahre vergangen. Was ist seither passiert?
Dvořák: Wir waren mehrmals auf Tour und haben eine Split-Single mit Jens Rachus Band Alte Sau veröffentlicht. Zugleich besteht unsere Gruppe aus vier Personen, die alle mit Jobs und Projekten beschäftigt sind. Phil spielt in mehreren Bands (Bad Weed), Veronika war als bildende Künstlerin sehr beschäftigt. Sie hat zum Beispiel das wunderbare Buch „9 is 1 and 10 is none“ über ihre gleichnamige Video-Arbeit im Verlag für Moderne Kunst herausgebracht.
Eberhart: Ich sehe das Album auch als Dokumentation unserer Tour und Live-Erlebnisse sowie der Begegnungen, die zu Freundschaften wurden. Mit Ratttengold (ein weiteres Projekt Rachuts) in Hamburg die Bühne zu teilen oder in Bristol in einem kleinen fensterlosen Keller zu spielen, sind nur einige der Erinnerungen, die ich mit Lime Crush verbinde. Es ist uninteressant für uns als Band der Marktlogik Album – Tour - Album- Tour zu folgen. Das Live-Spielen und die Interaktion mit dem Publikum sind uns wichtiger. Es ist aber auch gut, dass die Songs jetzt auf Platte sind.

profil: Was war euch besonders wichtig beim Debütalbum?
Eberhart: Mir war sehr wichtig, dass wir nicht digital, sondern auf Band aufnehmen. Tapes haben eine heilsamen Klang für mich. Alles vermischt sich mit dem Vergangenen. Wenn man ganz genau drauf achtet, hört man immer noch die Aufnahmen, die vor uns am Band zu finden waren. Zugleich war es haptisch auch ein Vergnügen immer mit diesen großen Knöpfen zu hantieren und dem Band beim Spulen zuzuhören.


Unsere Gäste sind Menschen, die wir auf Touren kennengelernt haben.

profil: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit den Gastmusikern/Gastmusikerinnen gekommen?
Dvořák: Unsere Gäste sind Menschen, die wir auf Touren kennengelernt haben und die wir sowohl menschlich als auch künstlerisch sehr schätzen. Adrienne Berry haben wir in Zagreb getroffen, als sie noch bei den Downtown Boys gespielt hat. Da haben wir gemerkt, welche Energie sie mit ihrem Saxophon und ihrer Performance in die Gruppe reinbringt. Nadia Buyse kennen wir vom einem gemeinsamen Auftritt beim Creepy Teepee-Festival. Sie hat sich irgendwie in unser Zelt verirrt und zufällig so wie wir einen „I don't wanna die alone“-Song performt. Calvin Johnson kennen wir noch von der Tour durch die USA im Jahr 2012 mit Veronikas damaligem Projekt Plaided. Da sind wir ihm in seiner Heimatstadt Olympia begegnet. Seither sind wir gemeinsam getourt und das Label K-Records vertreibt unsere Platten in den USA.
Eberhart: Nadia war während unserer Aufnahmen in Wien, deswegen konnten wir gleich gemeinsam im Studio einsingen. Adrienne und Calvin haben in den USA aufgenommen und die Files wurden mehrmals hin und her getauscht. Da war ich dann wiederum ganz glücklich über die digitale Technik.

Lime Crush (von links nach rechts): Nicoletta Hernández, Andi Dvorák, Veronika Eberhart und Philipp Lampert.

Lime Crush (von links nach rechts): Nicoletta Hernández, Andi Dvorák, Veronika Eberhart und Philipp Lampert.

profil: Ihr seid vier Bandmitglieder. Drei davon singen auf dem Album (glaube ich zumindest herauszuhören). Fettkakao-Labelboss Andi allerdings nicht. Warum?
Eberhart: Dann würde ich Dir empfehlen, doch noch mal genauer hinzuhören. Denn Andi der Undercover-Boss (was für ein ATV-Format) singt zwei Nummern live und auf dem Album.


Es ist ein politisch sehr aufgeladener Titel.

profil: Was bedeutet der Album-Titel „Sub Divide“?
Eberhart: Im Studio meinte Andi einmal zu Chris Janka: 'Die Regierung macht´s geschickt, die spaltet von unten.' Ich musste bei dieser Aussage an die großartige Video-Arbeit „You the better“ der Künstlerin Ericka Beckman denken, die letzten Sommer in der Wiener Secession lief, zwar aus einem ganz anderen Kontext stammend, aber in der diese Sub-division auch eine wichtige Rolle spielte.
Dvořák: Es ist ein politisch sehr aufgeladener Titel: Spalte und gewinne wie wir es heute nicht offensichtlicher erleben könnten. Sehr frustrierend!

Lime Crush: Sub Divide

Lime Crush: Sub Divide

profil: Wie seid ihr an das Artwork herangegangen?
Dvořák: Uns ist die Covergestaltung enorm wichtig. Es gibt ja Personen, die immerzu meinen es geht ihnen nicht um die Aufmachung, als würde es nicht Teil eines Albums sein. Dabei prägt es den Inhalt enorm.
Mit Lime Crush fühlt es sich schon fast wie eine Tradition an, auf Malerei von befreundeten Künstler*innen zurückzugreifen. Auf der ersten Single war ein Ausschnitt eines Ölbildes des Malers Heti Prack zu sehen. Auf der Split-Single mit Alte Sau diente ein Bild von Lutz Bielefeldt als Cover. Es ehrt uns auch sehr „Offshore Creativity“ von Ashley Hans Scheirl verwenden zu dürfen. Veronika und ich haben unter anderem bei Ashley studiert. Ich fand ihren Zugang zur Kunst („Do it Punk“) immer sehr motivierend.
Eberhart: Ich denke da ähnlich und kaufe selbst oft Platten nur aufgrund ihres visuellen Auftritts, besonders, wenn ich in Ländern bin, mit deren Sprache ich nicht vertraut bin. Meist hält die Verpackung was sie verspricht. Da gibt es schon Parallelen zwischen dem Visuellen und dem Sound. Ich freue mich total über unser Albumcover, da ich die Arbeiten von Ashley Hans Scheirl sehr schätze. Das Cover korrespondiert auch gut mit unserer Idee des Albums.

profil: Was ist bei der Release-Show zu erwarten?
Dvořák: Calvin Johnson kommt mit seinem Solo-Projekt Selector Dub Narcotic nach Wien. Es ist sehr passend, weil Calvin bei einem unserer Songs mitsingt.
Eberhart: Ich hoffe auf einen schönen Sonnenuntergang.

Lime Crush und Selector Dub Narcotic ab 19 Uhr im Central Garden

profil: Fettkakao bringt schon seit über zehn Jahre Platten heraus. Vor allem in den letzten Jahren sind in Wien viele Bands groß geworden. Wie schätzt ihr das ein?
Eberhart: Ich verstehe in diesem Zusammenhang nicht genau was mit „groß“ werden gemeint ist. Ich finde Fettkakao war in den vergangenen Jahren immer wieder eine wichtige Plattform für junge und unkonventionelle Projekte, die ihr erstes Release zusammen mit dem Label realisieren konnten. Zugleich hat Andi unglaublich beeindruckende Live-Acts wie Priests, Future Islands oder Hunx and His Punx sehr früh in Wien veranstaltet.
Dvořák: Ich kann dazu nicht so viel sagen, finde aber immer wieder Bands (in und um Wien) sehr spannend. Deshalb veröffentliche ich auch Platten, wie zum Beispiel von den tollen La Sabotage. Zur Zeit bin ich oft in dem Raum SSTR6 (Schönbrunner Strasse 6) anzutreffen, wo auch der Vinylograph steht. Die haben ein sehr vielfältiges Programm rund um Sound und Kunst, sind dabei sehr offen und beleben eine Community.

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