trouble by design: Weniger System, mehr Freiheit
Kultur

trouble by design: Weniger System, mehr Freiheit

Die junge Band aus dem Mühlviertel im Portrait

Die Musik von Jakob Wengler, Julius Sigl und Valentin Weibold suggeriert eine Rückversetzung in Zeiten, in denen es noch keine schrillbunten Musikvideos gab, die wichtiger waren als der musikalische Gehalt eines Liedes. Ihre Lieder katapultieren den Hörer in die Ära der Rockbands, die ihre Alben in Garagen aufnahmen. Die drei jungen Oberösterreicher formierten sich im letzten Jahr zur Band „trouble by design“. Der Name der Band ist Programm und laut Sänger und Gitarrist Julius sowohl Lebensphilosophie als auch Nährboden für ihr musikalisches Schaffen. „Uns fasziniert dieser Gegensatz zwischen dem Organisiertem, dem Gewolltem und dem freien Chaos. Darauf bezieht sich unser Name, und das ist auch die Botschaft, die wir in unserer Musik und den Texten vermitteln wollen.“


Uns fasziniert dieser Gegensatz zwischen dem Organisiertem, dem Gewolltem und dem freien Chaos.

Der Sound erinnert an die großen Rockbands der 1980er- und 1990er-Jahre, ist durchaus nostalgisch, aber raffiniert ausgedacht und mit Seele gespielt. Ein gewisser Grunge-Einfluss, mit deutlichem Hinweis auf einen starke Orientierung an Nirvana, lässt sich nicht abstreiten, auch wenn sich trouble by design auf kein Idol festnageln wollen. Sie hätten zu viele und wollen außerdem etwas Eigenständiges machen, sagt Jakob, der Schlagzeuger.

Kreativität und eigenständiger Einfallsreichtum sind nicht nur in der Musik, sondern auch in den Interview-Antworten gegeben. Auf die Frage nach ihrem „Gründungsmythos“, wie sie es nennen, geben sie drei verschiedene Geschichten zur Auswahl. Für Abenteurer die Variante des zufälligen Treffens bei einem Hardstyle-Konzert in Neapel, für Romantiker das gemeinsame Musizieren auf dem kleinen Phyrgas und für realistische Langweiler das Kennenlernen in der Schule.

Sie sind zwar noch außerhalb der oberösterreichischen Alternativ-Blase unbekannt, aber durchaus schon in der Lage, die Stadtwerkstatt, das autonome Kulturzentrum in Linz, bis auf den letzten Platz zu füllen. Als dort letztes Jahr „The Crispies“ gemeinsam mit ihnen ein Konzert spielten, war sie ausverkauft. Und anscheinend hat das so gut funktioniert, dass sie gleich erneut gebucht wurden und am 29. November erneut ein Konzert geben werden. Auch an ihr allererstes denken sie gerne zurück: „Unser erster Auftritt war auf einem Fest im Ort. Da haben wir eigentlich nur gejammt, und es hat absolut nicht in das Fest hineingepasst. Alle Augenbrauen waren auf einmal oben. Vorher hat uns der Bürgermeister gesagt, dass er uns auf ein Bier einlädt, aber nach dem Auftritt hat er nichts mehr gesagt.“
Mittlerweile haben Sie schon in Bregenz, Salzburg und Wien gespielt und waren auf FM4 zu hören.

Zu Schule hat das Trio eine eher ablehnende Haltung. Jakob ist eigentlich Tischler-Lehrling, auch Julius hat die Schule abgebrochen. Beide waren im Pop-Borg in Linz, haben dort zur Musik gefunden. „Sehr coole Schule, aber halt Schule“, lautet das nüchterne Resümee.

Ziele stecken sie sich keine großen. Sie sind eher dafür, im Moment zu leben und mit einem gewissen Schlendrian durchs Leben zu gehen. „Das einzige, was wir wollen, ist unsere erste CD, die schon fertig aufgenommen ist und 2019 veröffentlicht wird, auf Vinyl zu pressen und einmal vor mehreren tausenden Leuten zu spielen.“ Ums berühmt werden geht es ihnen aber nicht, auch nichts ums reich werden. „Es geht uns nicht darum, dass wir bekannt werden. Es geht darum, dass man davon leben kann. Fertig.“, sagt Sigl. Und sobald man Musik nicht mehr aus Leidenschaft sondern alleine für Geld und Ruhm mache, sei es sowieso gelaufen. Denn Musik darf kein System haben und irgendetwas anderem als der Musik dienen.

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