Neue Alben: IBEYI – "Ash"
Kultur

Neue Alben: Ibeyi – "Ash"

Die kubanischen Zwillinge Ibeyi überzeugen mit ihrem zweiten Album auf fast ganzer Linie und schaffen einen Ausgleich zwischen düsterem Soul und Mainstream-Beats. profil unerhört bespricht die Alben der Woche.

Wo über Kuba gesprochen wird, ist die Musik nicht fern. Großen Anteil am großen musikalischen Vermächtnis des Landes hat vor allem der “Buena Vista Social Club”. Ursprünglich bloß der Titel eines Albums der beiden kubanischen Musiker Ry Cooder und Juan de Marcos González, später ein Musikerkollektiv und Kubas größter musikalischer Exportschlager. Als González 2006 starb, hinterließ er nicht nur ein beindruckendes musisches Erbe, sondern auch seine damals elf Jahre alten Zwillingstöchter Naomi und Lisa-Kaindé Díaz.

Afrikanische Wurzeln und Frida Kahlo

Seit 2013 veröffentlichen diese unter dem Namen Ibeyi ihre eigenen Werke. Neben der Musik ihres Vaters finden sie dabei in der Sprache und Kultur der Yoruba, eines westafrikanischen Volkes, das in Sklavenschiffe gepfercht in das südamerikanische Land gebracht wurde, Inspiration. Die Verlorenheit und Trauer, der ihrer Heimat entrissenen Afrikaner, findet sich in der Musik der Zwillinge, die ihre Songs selbst sehr treffend als “Doom Soul” bezeichnen, als fortlaufendes Motiv wieder. Instrumental über weite Teile nur von leichten Percussions umrahmt, hat der Gesang der Kubanerinnen viel Platz sich zu entfalten und aufzugehen.

Ibeyi - Deathless feat. Kamasi Washington

Wo es den Stimmen an Fülle fehlt, wird das durch experimentierfreudige Verzierungen ausgewogen. Dadurch erhält der düstere Soul-Pop eine leicht chaotische, ja fast spontane Note. Wirklich gute Arbeit haben die Schwestern aber vor allem bei ihren Texten geleistet. So finden sich auf “Ash” wortstarke Statements gegen den Missbrauch von Frauen, Einspielungen einer Rede Michelle Obamas und Auszüge aus dem Tagebuch von Frida Kahlo wieder.

Fazit

Produktion und Arrangement sind über weite Linien überzeugend, wohl vor allem durch die geringfügige aber klare Abgrenzung zum Mainstream. Die Bässe sind stark, aber nicht einnehmend, die Stimmen hier und da fast ein wenig zu dünn, was im Mix wiederum gut aufgeht. Ibeyi erschaffen so eine durch und durch düstere Atmosphäre, die durch beinahe einwandfreies Arrangement ergänzt, einen tragisch-romantischen Unterton erhält.

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