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Kultur

Pænda vertritt Österreich beim Song Contest

Die junge Elektropop-Musikerin Pænda vertritt Österreich heuer beim Song Contest in Tel Aviv - und geht damit erstaunlich gelassen um.

"Wer überflüssige Fragen stellt, zahlt ein", stellt Pænda gleich nach der Begrüßung selbstbewusst klar. Warum blaue Haare? Macht einen der Song Contest schon nervös? Warum der Name Pænda? Bei Fragen wie diesen gingen jeweils zehn Euro in die Sparbüchse, erklärt Österreichs diesjährige Song-Contest-Teilnehmerin schmunzelnd. Das internationale Musikgroßereignis mag für manche nur eine belanglose Show sein, für die junge Elektropop- Künstlerin ist der Gesangswettbewerb der nächste Karriereschritt: Von der Wohnzimmermusikerin über erste Auftritte auf heimischen Bühnen geht es für die 31-Jährige nun in die Welt hinaus. Die Fragensteller dürfen etwaige Plattitüden gerne wieder einpacken, denn die junge Musikerin spricht lieber über andere Dinge als Haarfarben und Tiernamen. Die Sparbüchse, so viel darf verraten werden, blieb am Ende des Gesprächs leer.

Ein kühler Apriltag in Wien-Meidling. Pænda läuft im Wohnzimmer ihrer PR-Agentin in gemütlichen Stoffpantoffeln herum, ehe sie für das Interview in bühnentaugliche Stiefel schlüpft. Es gibt Kaffee, Kräutertee und Zitronenzuckerln. Die Stimmung ist gelöst. Trotzdem leide sie seit einigen Wochen unter Schlafentzug, sagt sie. Ihr zweites Album, "Evolution II", steht kurz vor der Veröffentlichung. Darauf ist auch "Limits" zu finden, jene Ballade, mit der Pænda Mitte Mai in Tel Aviv auf der Bühne stehen wird. An der Arbeit am Album hat sie bereits vor einem Jahr begonnen -der Song Contest ist ihr gewissermaßen dazwischengekommen.

Eine Frage drängt sich auf: Hat sie als Künstlerin Angst, den Eurovision- Song-Contest-Stempel nicht mehr loszuwerden?" Die Musik hat es mir ermöglicht, zu mir selbst zu stehen", sagt sie im profil-Gespräch. "Das hat lange gedauert und war nicht immer leicht." Diesen Prozess verarbeitet sie auf "Evolution II": Sie habe sich "als Mensch und Künstlerin gefunden", daran werde auch der Song Contest nichts ändern, "egal wie ich abschneide".

Paenda im Video-Interview

Gabriela Horn, wie Pænda mit bürgerlichem Namen heißt, begann ihren Weg als ältestes von fünf Kindern in der steirischen Kleinstadt Deutschlandsberg. Ihre Familie bezeichnet sie als musikalisch bis kreativ. Mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester, die ihr bis heute als musikalische Vertrauensperson dient und mit ihr auf der Bühne steht, wohnt sie gemeinsam in Wien. "Ich war es bisher gewohnt, allein zu leben", sagt sie und skizziert ihre Arbeitsweise: Nächtelang wird an Sounds getüftelt, Lyrics werden verfasst, Ideen kreiert und verworfen. "Manchmal laufe ich in das Zimmer meiner Schwester und spiele ihr Songideen vor." Ein neues Lied muss sofort zünden, sagt sie. Sonst wird es ausgemustert.

Musikerin Pænda. Ausprobieren, Löschen und Neuanfangen als reinigende Arbeitsweise.

Ein musikalisches Erweckungserlebnis gab es im Leben von Pænda nicht. Die Musik war einfach da, sagt sie. Bereits als kleines Kind habe sie immerzu gesungen. Mit zwölf Jahren schrieb sie ihren ersten Song -es ging ums Im-Gras-Liegen und den Sonnenschein zu spüren. So sieht eine glückliche Kindheit aus, meint sie heute. Mit 16 sang sie in unterschiedlichen Pop-Rock-Schulbands, was man in jenem Alter halt so tut.

Du musst was mit Musik machen, tönte es aus ihrem Freundes-und Familienumfeld. Trotzig ging sie nach Wien und studierte Psychologie, hörte aber bereits nach einem Jahr wieder auf: "Ich war einfach zu schlecht", lacht sie. Während ihres Jazzgesang-Studiums als Mittzwanzigerin begann sie sich immer mehr mit elektronischer Musik zu beschäftigen. "Ich bin ein Kind der Neunziger, mit Techno aufgewachsen, das prägt einfach." Als klassische Singer-Songwriterin hat sie sich nie verstanden.


Mir ist es egal, ob ich in Tel Aviv oder auf einer kleinen Stadtbühne auftrete. Ich will im Moment sein.

2015 wurde aus der Bandmusikerin die Solokünstlerin -aus Gabriela Horn die Kunstfigur Pænda. Der Schritt war wichtig: "Ich wollte meine künstlerische Vision verwirklichen, ohne Kompromisse." Ihre kreativen Ideen, egal ob Synthieflächen oder Beats, wollte sie sofort umsetzen können. Pænda spielt Klavier, Gitarre und Bass, aber vieles, vor allem technische Fertigkeiten, musste sie sich erst beibringen: Wie funktionieren Synthesizer, wie produziert man ein Album? Kurz darauf dann der Durchbruch. Die Single "Waves" fand ihren Weg ins heimische Indie-Radio, es folgten erste Auftritte. Das dazugehörige, bereits fertig eingespielte Debütalbum verwarf sie indes komplett. "Das war nicht mehr ich", sagt sie heute. Einerseits habe sie sich von einem Co-Produzenten zu viel dreinreden lassen, andererseits habe sie sich auch kreativ verrannt. Für Pænda war das Wegwerfen ein heftiger, aber reinigender Prozess. Ein erster Schritt, um ihren Fähigkeiten zu vertrauen. Wenn es sein muss, auch ganz auf sich allein gestellt.

Das zurückgezogene Experimentieren mit Musik ist für Pænda ein Weg, um ihre Gefühlswelt unter Kontrolle zu bringen - die Musik als Ort, "an dem meine Emotionen stattfinden können". Das Ausprobieren, Löschen und Neuanfangen gehört zur Arbeitsweise der Musikerin. Für ihr neues Album hat sie 40 Songs geschrieben nur zehn haben es auf das Album geschafft. In ihren aktuellen Songs, die zwischen Elektrobeats, HipHop und Popballade changieren, verhandelt sie die großen Themen der Millennials: den fehlenden Willen, sich festzulegen, die Liebe in Zeiten von Tinder - und den Mut zur Traurigkeit in einer Welt der Instagram-Glückseligkeit.

Mittlerweile freut sich Pænda auf die große Song-Contest-Bühne. Dass ihr bereits im Halbfinale Millionen Menschen weltweit zusehen würden, versucht sie auszublenden. Über Punktezahlen und Final-Chancen will sie nicht nachdenken: "Mir ist es egal, ob ich in Tel Aviv oder auf einer kleinen Stadtbühne auftrete", sagt sie noch: "Ich will im Moment sein."

Pænda: Evolution II (Wohnzimmer Records)

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  • Friedrich Fuhs Do., 16. Mai. 2019 23:50

    Die haben schlecht gezielt. Das war gut für Israel und es wird so bleiben.

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  • Friedrich Fuhs Mo., 06. Mai. 2019 21:49

    Und deswegen der Raketenhagel?

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