Szenenbild aus "Blue Hour"

Szenenbild aus "Blue Hour"

Kultur

Yakuza & YouTube: Die Japanischen Filmtage in Wien

Das Japannual-Festival zeigt sechs Tage lang Fundstücke aus dem japanischen Gegenwartskino.

Auch die dritte Ausgabe des liebevoll programmierten kleinen Festivals Japannual, das – veranstaltet von der Österreichisch-Japanischen Gesellschaft – heuer zwischen 1. und 6. Oktober im Wiener Filmcasino und im Filmhauskino laufen wird, wartet mit übersehenen Filmen und zahlreichen Gästen aus der Erbmonarchie auf. Mit starker weiblicher Präsenz geht es los: „Blue Hour“, das autobiografisch grundierte Debüt der jungen Filmemacherin Yuko Hakota, wählte man zum Eröffnungsfilm – eine dynamisch inszenierte Komödie um zwei junge Frauen, die sich für einen improvisierten Familienbesuch auf den Weg in eine ferne Provinz machen.

Viele Crime- und Comedy-Formate

28 Filme umfasst das diesjährige Programm, darunter auffallend viele Crime- und Comedy-Formate wie Hideki Takeuchis überdrehte Satire „Fly Me to the Saitama“ und Seiji Tanakas Badehaus-Killerfilm „Melancholic“, bietet aber auch Raum für den japanisch-britischen Historienfilm „Samurai Marathon“, für Animationsfilme wie „The Wonderland“ und postmodernistische Grotesken wie Daisuke Onos aus einer YouTube-Serie destillierte Comedy „Astral Abnormal Suzuki-san“.

Nahezu alle der in diesen sechs Tagen präsentierten Werke stammen aus den Jahren 2018/19. Als einzigen historischen Seitensprung hat man zwei 1969 entstandene Filme des Regie-Provokateurs Kōji Wakamatsu (1936–2012) ausgewählt, die Kuratorin Claudia Seifen-Leitich mit zwei neuen, je zehnminütigen Videoarbeiten der 1981 geborenen Künstlerin Yuri Muraoka konfrontiert. Um Sex, Gewalt und antiautoritäre Punk-Politik geht es sowohl in Wakamatsus „Violent Virgin“ als auch in „Running in Madness, Dying in Love“, um metaphorische Bearbeitungen psychischer Extremzustände in Muraokas Arbeit.