Rainer Nikowitz: Valentinstag-Massaker
Meinung

Rainer Nikowitz: Valentinstag-Massaker

Michael Ludwig widmete den Wienern am 14. Februar ein Liebesgedicht. Wenn daraus nur kein Trend wird …

Rendi-Wagner: Tu das nicht. Bitte!
Ludwig: Du solltest des a tun. Wegen der Volksnähe warat’s, weißt?
Rendi-Wagner: I mach so was sicher net.
Ludwig: Dann wirst du a nie bei den Wählern so ungeheuer beliebt sein wie i.
Rendi-Wagner: Beliebt? Wenn i so was daherdicht: „In Wien, da ist mein Herz in Haft – denn ihr trägt es mit aller Kraft“??
Ludwig: Was is daran falsch?
Rendi-Wagner: Du meinst jetzt abgesehen vom hatschenden Versmaß und prinzipieller Peinlichkeit? Und dann a no: „Ihr trägt“? Echt jetzt?

Ludwig: Ma kann natürlich alles schlechtreden. Aber wie warat’s, wenn du’s besser machst?
Rendi-Wagner: I bin Politikerin und net Lyrikerin für ganz Arme.
Ludwig: Womöglich bist du weder des eine no des andere. Und mir is des jetzt wurscht, was du sagst. I bin nämlich die letzte Bastion der Sozialdemokratie, und i stell des jetzt auf Facebook. Uuuund – is scho online!
Rendi-Wagner: „Tag und Nacht vergehen – und ich kann viel Schönes sehen“? Hat der Gabalier scho angfragt, ob er des vertonen kann?

Ludwig: Mit de Stimmen von de Gscheiterln allanich werd i de Wahl net gwinnen.
Rendi-Wagner: Des vielleicht net. Aber de, de du mit dem Gedicht anschleimen willst, finden do net amoi des Wahllokal!
Ludwig: Ha! Da schau her! I hab scho a „Like“!
Rendi-Wagner: Wirklich? Von deiner Frau?
Ludwig: Von der Vassilakou!
Rendi-Wagner: I hab gwusst, es is wer, der sich’s net aussuchen kann.

rainer.nikowitz@profil.at

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  • Mo., 18. Feb.. 2019 00:58

    vielleicht singt auch noch der häupl wehmütig dazu:
    'es wird a wein sein und mia wern nimma sein' (das mit den 'schönen maderln gebn und mia wern nimma lebn' verfällt dann aber der #metoo!-zensi-tant

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