Doris Bures: "Turbulente Monate"
Österreich

Doris Bures: "Turbulente Monate"

Doris Bures, Zweite Nationalratspräsidentin, über die SPÖ und deren neue Chefin.

Interview: Eva Linsinger

profil: Warum wollten Sie nicht SPÖ-Vorsitzende werden?
Bures: Mein Platz ist im Parlament. Ich habe bedeutende Aufgaben im Präsidium des Nationalrates, leite den BVT-Untersuchungsausschuss. Ich freue mich, dass mit Pamela Rendi-Wagner erstmals in der 130-jährigen Geschichte der SPÖ eine Frau den Vorsitz übernimmt. Damit sind mit mir im Nationalratspräsidium zwei wichtige Funktionen der SPÖ an Frauen vergeben. Das halte ich für gut.

profil: Sie sagten einst über Christian Kern: "Er wäre kein guter Politiker." Hatten Sie recht?
Bures: Dieser Satz von mir aus dem Jahr 2014 geht wohl in die Archive ein. Dabei wäre es mir lieber gewesen, ich hätte nicht recht behalten. Ich habe Christian Kern als Parteichef immer unterstützt. Aber das ist Geschichte. Wir haben eine neue, engagierte Vorsitzende, und ich unterstütze sie, wo ich kann.

profil: Auch Rendi-Wagner ist eine Quereinsteigerin. Ist sie für die Politik geeignet?
Bures: Sie ist ein sozialdemokratisch geprägter Mensch, was ihre Werte betrifft. Sie tritt für eine solidarische Gesellschaft ein. Sie kann unsere Grundwerte glaubwürdig vertreten. Rendi-Wagner ist eine kluge Frau und für die Herausforderungen der Politik gerüstet.


Man muss sich dagegen wehren, dass Politik als schmutziges Geschäft bezeichnet wird

profil: Quereinsteiger sind oft überrascht, wie schmutzig Politik sein kann.
Bures: Man muss sich dagegen wehren, dass Politik als schmutziges Geschäft bezeichnet wird. Es geht auch nicht darum, dass man in der Opposition mit dem Bihänder auftritt. So etwas braucht man nicht, sondern gute Argumente und Konzepte.

profil: Haben es Frauen in der Politik schwerer?
Bures: Ja, so wie überall, auch in der Wirtschaft. Frauen haben es in Spitzenpunktionen sicher schwerer. Einzelne Frauen sind Vorbilder. Aber es braucht viele Frauen an vielen entscheidenden Stellen, dann wird es für Frauen einfacher.

profil: Die neue Parteiführung wurde als "Bobo"-lastig kritisiert, wie "Bobo" darf die SPÖ sein?
Bures: Die SPÖ definiert ihre Themen nach Grundwerten. Wir wollen in einer gleichberechtigten solidarischen Gesellschaft leben, in der alle Kinder die gleichen Chancen haben und in der es Verteilungsgerechtigkeit gibt. Dafür sollen alle SPÖ-Politiker mit Einsatz und Fleiß kämpfen. Das ist das Entscheidende. Welches Outfit und welchen Lebensstil jemand in diesem Kampf bevorzugt, ist nicht von Relevanz.

profil: Ist die SPÖ mittlerweile in der Opposition angekommen?
Bures: Demokratie lebt vom Wechselspiel zwischen Regierung und Opposition. Wir haben in der SPÖ turbulente Monate durchlebt, aber wir werden uns beim Parteitag geeint hinter Pamela Rendi-Wagner stellen, die ihre Aufgabe mit Entschlossenheit angeht und eine starke Oppositionspartei anführen wird.

profil: Die SP steckt europaweit in der Krise. Ist das sozialdemokratische Jahrhundert vorbei?
Bures: Wenn das Jahrhundert der Sozialdemokratie vorbei wäre, würden wir in einer gerechten Welt leben. Das ist leider nicht der Fall. Daher braucht es die Sozialdemokratie mehr denn je.

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