Christian Rainer: Eine Erlösung
Österreich

Christian Rainer: Eine Erlösung

Der Rücktritt des Vizekanzlers ist keine Tragödie, sondern eine Erlösung, kein Drama, kein Schritt ins Leere oder gar ins Chaos.

Erlöst wird einerseits Reinhold Mitterlehner. Wie dringend diese Entscheidung für ihn persönlich war, wurde erst im Gestus und mit dem Inhalt seiner Abdankung deutlich. Mir ist keine Rede dieser Art in Erinnerung: mit diesem Maß an Verbitterung gegenüber dem Kosmos Politik, an Schuldzuweisung in Richtung des von ihm stets harmonisch bespielten Schallraums Journalismus, an Abrechnung mit Freund und Feind. Mitterlehner ist ein weiterer Parteiobmann, der im Zustand der Frustration geht. In den vergangenen fünf Jahrzehnten gab es – mit den Ausnahmen Vranitzky und Riegler – im bürgerlichen und im sozialdemokratischen Lager keinen, bei dem es besser geendet hätte.

Andererseits ist der Rücktritt über dieses Einzelschicksal hinaus eine Erlösung für die Republik. Ein Dead Man Walking in Koalition mit einem virilen Jungbundeskanzler ist keine Basis einer stabilen und produktiven Regierung.


Mit Kurz stünde einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze.

Diese Analyse gilt freilich nur für den Fall, dass die Volkspartei nun das einzig rational Fassbare tut: Sie muss Sebastian Kurz zum Parteiobmann machen, wenn nötig händeringend, wenn nötig auf den Knien flehend. Und die ÖVP muss das zu dessen Bedingungen tun: weil er sonst nicht zur Verfügung steht und weil weder Kurz noch die Partei ohne diese Bedingungen eine Lebenschance hat.

Mit Kurz hingegen stünde einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze. Und mit Kurz & Kern wären es gleich zwei von dieser Sorte. Jedenfalls bis zur nächsten Wahl, die dann nicht lange auf sich warten ließe.

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  • Peter Burian (henry) Sa, 13. Mai. 2017 09:31

    Truth well told! und viele schreiben, daß Kurz erst mal was beweisen muß´Klar das muß jeder Politiker auf einem neuen Platz im Geschehen. Besser einer muß was beweisen als nix zusammenbringen. Right? Ja die Personaldecke ist KURZ daher: Kurz. (zur Klarstellung ich bin nicht ÖVP) nur pragmatisch. Let the games beginn! Viele kritisieren hier und keiner macht einen ECHTEN Vorschlag. Vieles 2. Reihe!

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  • Gebhard Bertsch (Manuela) Fr, 12. Mai. 2017 11:41

    Traurige Gewissheit!
    Ist die Personaldecke der ÖVP tatsächlich so dünn, dass nur noch Kurz die ÖVP retten kann. Die ÖVP kann sich nur noch auflösen. Die ÖVP hat zu viele Leute wie Sobotkas und Lopatkas.
    Auch Kurz wird an den verkrusteten Strukturen der ÖVP scheitern.
    Herr Rainer "Mit Kurz stünde einer der besten Politiker Europas an der Parteispitze" ist eine totale Fehleinschätzung!

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  • Elisabeth Berger Fr, 12. Mai. 2017 11:34

    Es ist höchste Zeit einem Bundesparteiobmann und einem Bundeskanzler das selbe zuzugestehen wie einm Schuldirektor:
    1. Er dar sich seine Mitarbeiter ( Minister,... ) selbst aussuchen, abberufen....
    2. Er hat eine Richtlinienkompetenz

    Kein normler Mensch will Marionette von autoritär herreschenden Landeshauptleuten oder Interssensvertretungen sein!

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  • Ernst Steinlechner (Altstein) Do, 11. Mai. 2017 21:07

    Herr Rainer, wie traurig muss es um die Politiker Europas bestellt sein, wenn ein die FPÖ kopierender Populist Kurz einer er Besten von ihnen ist?

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    • max siller (DoktorFaustus) Fr, 12. Mai. 2017 09:29

      Dem ist nichts hinzuzufügen, bzw. das Fragezeichen ist durch ein Ausrufezeichen zu ersetzen.

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  • Michael Hann
    Michael Hann Do, 11. Mai. 2017 17:43

    Was soll dieser Kotau an Kurz. Rhetorik und Kommunikation sind sicherlich europameisterlich. Aber ob er auch eine Regierung führen kann, muss er erst beweisen. Abwarten, ob er Länderfürsten und Bünde deer ÖVP hinter sich versammeln kann. Dass sie hinter ihm stehen, ist sicher. Aber aus der Hecke und dem Hinterhalt schießt es sich leichter.

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  • Günther Jörg
    Günther Jörg Do, 11. Mai. 2017 17:26

    Kurzens Auftreten ist sicher eindrucksvoll. In jeder deutschen Talkshow sitzen jedoch gleiche Kaliber wie er oder besser. Dass er jetzt der Beste der ÖVP ist, zeigt eher wie schwach die anderen sind.

    Die ÖVP ist ohne Alternative. Kurz wird rasch wählen, so lange der Lack nicht ab ist. Nach der Wahl wird er, rasch in den Strudel gezogen werden, den die vorherigen vier nicht überlebt haben.

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  • Werner Schrittesser (Publizistikstudent) Do, 11. Mai. 2017 17:00

    Fürs Profil sind PolitikerInnen wichtig, die immer gut für G´schichteln sind. Won man Sätze wie "wenn nötig händeringend, wenn nötig auf den Knien flehend" anbringen kann.

    Ein eher sachorientierter Politiker wie Mitterlehner gibt da nicht genug Futter her. Medienlogik eben.

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  • max siller (DoktorFaustus) Do, 11. Mai. 2017 15:06

    Ihre Lobeshymne auf Kurz finde ich, gelinde gesagt, lächerlich. Was hat der Geilomonilist außer der Schließung der Balkan-Route und dem Sager über den "Wahnsinn der NGOs" so Großartiges vollbracht? No further comment.

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    • max siller (DoktorFaustus) Do, 11. Mai. 2017 15:07

      Geilomobilist, natürlich

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  • Fritz Fleischner Do, 11. Mai. 2017 12:39

    Kurz oder Strache
    das ist hier die Frage.
    Wenn sich Kurz nicht opfert, fuer den OeVP Vorsitz und Vizekanzler,
    dann hamma den Dampfplauderer Strache als naechsten Kanzler.
    Na dann: Gute Nacht Austria.

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  • Hedwig Gugg Do, 11. Mai. 2017 12:31

    Ihr Optimismus in Ehren! Ich wünsche es Österreich, allein mir fehlt der Glaube. Abgesehen davon dass Herr kurz seine "Genialität" erst unter Beweis stellen muss sind die handelnden Personen (Lopatka, Amon usw.) sicher nicht leicht ruhig zu stellen. Aber viel Glück, wir alle werden es brauchen.

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