profil vor 25 Jahren: Schicksalsjahr 1994
Österreich

profil vor 25 Jahren: Schicksalsjahr 1994

Einen Ausblick auf das "innen- wie außenpolitisch entscheidendste Jahr seit dem Staatsvertrag" gab profil in der Ausgabe vom 3. Jänner 1994.

Vier Landtagswahlen, die Nationalratswahl und die Volksabstimmung über den Beitritt zur EU standen auf dem Politkalender des "Superwahljahres" 1994. Für Österreich beginne "innen- wie außenpolitisch das entscheidendste Jahr seit dem Staatsvertrag", schrieb profil in der Titelgeschichte vom 3. Jänner. Binnen weniger Monate werde sich entscheiden, ob das Land "im europäischen Konzert mitspielt oder ob es für längere Zeit ein Außenseiterdasein fristen muss". Laut Meinungsumfragen waren die Befürworter eines EU-Beitritts in der Mehrheit, die Zahl der Gegner wuchs aber. "Die Angst vor Konkurrenz und die Sorge um Jobs werden beim EU-Referendum eine Schlüsselrolle spielen", war der Politologe Emmerich Tálos überzeugt.

Diskussionen um EU-Beitritt

Dass FPÖ-Chef Jörg Haider versuchen würde, "die mit Ressentiments beladenen Bevölkerungsgruppen in seinen Anti-Europa-Kampagnen dauerhaft um sich zu scharen", sorgte für Alpträume in den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, die in Sachen EU aber auch nicht immer an einem Strang zogen, etwa beim Thema Neutralität oder bei den Bauern. "Wenn die Landwirtschaft nicht positiv verhandelt wird, gibt es keine EU-Volksabstimmung", hatte ÖVP-Europa-Sprecher Andreas Khol bereits gedroht. Einig waren sich die Koalitionspartner, jeweils als Partei nicht extra für den EU-Beitritt zu werben, damit man bei der Nationalratswahl auch für Beitrittsgegner wählbar bleibe. "Das Schielen der Regierungsparteien nach Wählerstimmen und die Notwendigkeit, Österreich jetzt an Europa anzubinden, widersprechen einander", resümierte profil.

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