Strolz und Kern spielten Fußball

Strolz und Kern spielten Fußball

Österreich

Nationalratswahl-Tagebuch: Almauftrieb

Das profil-Tagebuch zur Nationalratswahl. Hier geben unsere Redakteure jede Woche einen persönlichen Einblick in den Wahlkampf. Stanislaus Ruhaltinger über das Forum Alpach.

Was sich Alexander Van der Bellen gedacht haben muss, als er vergangene Woche in Alpbach ausgerechnet vom Tiroler Altlandeshauptmann Herwig van Staa zu den Tiroler Schützen begleitet wurde, kann nur geahnt werden. Aber dass die beiden nicht mehr unbedingt beste Freunde werden, darf ob ihrer Vergangenheit vermutet werden. Schließlich war van Staa der Erste, der vor zehn Jahren über angebliche Nazi-Verbindungen von Van der Bellens Vater fantasiert hatte. Dafür entschuldigt hat sich van Staa übrigens nie. Neben den beiden Altprotagonisten waren Spitzenpolitiker in derartiger Menge zur 73. Auflage des Forums gekommen, dass man glauben konnte, der Wahlkampf wäre nach Tirol verlegt worden. Spektakuläre Fotos mit Bergpanorama könnten in Zeiten der Selbstinszenierung ein nicht zu unterschätzender Anreiz gewesen sein. Christian Kern und Sebastian Kurz durften bei einer derartigen Veranstaltung natürlich nicht fehlen.

Mit ihnen waren auch NEOS-Chef Matthias Strolz und Grünen-Bossin Ulrike Lunacek gekommen, sodass sogar vier Spitzenkandidaten anwesend waren. Da Heinz-Christian Strache lieber der Einladung von profil folgte und im "Club 20" diskutierte und Peter Pilz eifrig Schwammerl pflückte (was er via Twitter dokumentierte), war das Sextett allerdings nicht komplett.

Kerns Erfolgserlebnis

Dass die beiden Abwesenden etwas verpassten, steht außer Frage. Denn wer sich ein Fußballkickerl zwischen Bundeskanzler Kern und NEOS-Mann Strolz aus freien Stücken entgehen lässt, dem ist nicht zu helfen. Zumindest konnten Pilz und Strache auf Kerns Instagram-Account erfahren, dass er sogar ein Tor erzielte. Für den Bundeskanzler war dies nicht unbedeutsam, schließlich war es die erste positive Nachricht seit einer gefühlten Ewigkeit.

Sebastian Kurz musste sich tags zuvor noch im ORF von Tarek Leitner interviewen lassen. Nach dem Gespräch gestand er sich wohl insgeheim ein, dass er lieber bereits in Alpbach gewesen wäre. In den Tiroler Alpen konnte er zumindest ausreden. Kurz betrat zwar -trotz juveniler Vorteile - keinen Fußballplatz, dafür besuchte er den Empfang des ÖVP-Bürgermeisters. Neben Organisator Franz Fischler war mit Wolfgang Sobotka, Finanzminister Schelling und Neuzugang Josef Moser die A-Prominenz der (neuen) Volkspartei anwesend. Doch auch die Sozialdemokraten hielten quantitativ gut dagegen: Neben Kern waren die beiden Wiener Stadträtinnen Ulli Sima und Renate Brauner anwesend. Brauner brillierte dabei sogar im Dirndl.

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  • Harry Reiter Di, 05. Sep. 2017 16:26

    Schon lange interessiert mich, WIE man nach Alpbach kommt - werden alle Politiker einfach eingeladen, halten Sie dort Referate, bezahlen Sie für Ihre Unterkünfte, usw. - klipp und klar
    : was TUN sie dort in der Arbeit für die Bürger? Kann ich als Staatsbürger, ohne Politiker zu
    sein, auch dorthin fahren, an Diskussionen oder Workshops teilnehmen,muss ich dafür zahlen?

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