Von „Gusi“ bis Sobotka: Wen der Novomatic-Eigentümer traf
Österreich

Von „Gusi“ bis Sobotka: Wen der Novomatic-Eigentümer traf

Der Kalender von Novomatic-Gründer Johann Graf enthüllt Verabredungen mit zahlreichen Spitzenpolitikern – von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer bis zu Nationalpräsident Wolfgang Sobotka. Was wurde da besprochen?

Gute Kontakte in die Politik machen sich bezahlt: Seit 2003 darf sich Novomatic-Gründer Johann Graf offiziell mit dem Berufstitel "Professor" schmücken, der ihm damals von ÖVP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer im Bundeskanzleramt überreicht wurde. Von Vertrauten wird der 72-jährige seither ehrfürchtig als "Professor Graf" angesprochen; in Chatverläufen hat sich das Kürzel "PG" etabliert.

Das Netzwerk des Glücksspielmagnaten reicht deutlich weiter als bisher bekannt: Im Novomatic- Forum, einer repräsentativen Veranstaltungslocation beim Wiener Karlsplatz, machten Spitzenpolitiker von ÖVP und SPÖ dem Glücksspiel-Magnaten bereits ihre Aufwartung. Das legt zumindest der Terminkalender von Graf für das Jahr 2019 nahe, der bei einer Hausdurchsuchung im August beschlagnahmt wurde -eine Kopie liegt profil vor.

Neben Meetings mit einem russischen Oligarchen und Eigentümern von Boulevardzeitungen war Graf innerhalb von vier Monaten gleich zwei Mal mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) verabredet. Beim ersten Termin im März 2019 vermerkte Graf: "Sobotka bei Tina + Oswald" - um 14 Uhr. Gemeint waren wohl Novomatic-Aufsichtsratspräsident Bernd Oswald und Tina Reisenbichler, Director of Operations bei der Novomatic Lottery Solutions. Für 15 Uhr - eine Stunde später - steht in Grafs Kalender: "7. Stock -begrüße Sobotka". Im Juli traf Graf laut Kalender das zweite Mal mit Sobotka zusammen. Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem Nationalratspräsidenten und dem Glücksspielkonzern. Sobotka, einst Innenminister, ist auch Präsident des Alois-Mock-Instituts, dessen Zeitschrift "Report" im Jahr 2019 zwei Mal mit Novomatic-Inseraten bedacht wurde. Das Institut organisierte bereits mehrere öffentliche Diskussionsveranstaltungen im Novomatic-Forum. Ein Sobotka-Sprecher bestätigt die Treffen. Es habe sich um einen Besuch rund um die Arbeitkammerwahl gehandelt - Sobotka ist ÖAAB-Obmann in Niederösterreich. Mit Graf habe er über "Fragen einer zeitgemäßen Unternehmenskultur" gesprochen -und diesen Austauch im Juli fortgesetzt.

Politisch ist Graf flexibel. Er pflegt auch Kontakte zu einflussreichen SPÖ-Politikern: Mit dem Kalendereintrag "Gusi" im März ist Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer gemeint. "Im Rahmen meines Beratungsvertrages über die Märkte in Lateinamerika und Osteuropa" treffe er "regelmäßig" mit dem Vorstandsdirektor der Novomatic zusammen, erklärte Gusenbauer gegenüber profil: "Herr Prof. Graf ist damals ausnahmsweise dazugekommen."

Mit Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ging Graf bereits Ende Jänner 2019 mittagessen. Ein Sprecher Ludwigs bestätigte einen "völlig unspektakulären ersten Kennenlerntermin", bei dem es "keine Agenda" gegeben habe. Die Wiener Rathauskoalition aus SPÖ und Grünen verbannte das kleine Automatenglücksspiel bekanntlich ab 2015 aus der Stadt; Novomatic entgehen dadurch jährlich 100 Millionen Euro, schätzen Branchenkenner.

Im burgenländischen Grenzort Siegendorf arrangierte Professor Graf laut Kalendereintrag ein Treffen mit "LH alt +LH neu". Damit könnten Hans Niessl und Hans Peter Doskozil gemeint sein. In Siegendorf betreibt die Novomatic einen von insgesamt acht Automatensalons im Burgenland. Doskozil ließ jedoch über einen Sprecher ausrichten, er habe Graf "noch nie getroffen".

Anders ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian: Mit ihm vereinbarte der Novomatic-Eigner zwei Termine, im April und im August. Katzian bestätigte die Treffen; die Gespräche sollen sich um den Fußballklub FK Austria Wien gedreht haben. Bis zum Vorjahr war Katzian Austria-Präsident, heute gehört er dem Kuratorium des Vereins an, und die Novomatic-Tochter Admiral sponsert den Klub. Für Graf, dessen Konzern allein in Österreich mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt, kann eine gute Gesprächsbasis zum obersten Gewerkschaftschef sicherlich kein Nachteil sein.

Grafs Netzwerk spannt sich um die halbe Welt. Für den 20. Mai hat er in seinem Kalender einen hochrangigen Termin vermerkt: "Prem. Minister + Vize Premier Mazedonien". Vor einigen Tagen eröffnete die Novomatic in dem Balkanstaat ihr zweites Casino - in einem Hotelkomplex in der Hauptstadt Skopje.

Auf der letzten Seite der Kopie von Grafs Kalender ist für den 10. September ein Termin mit Fragezeichen avisiert: "Min. Hofer?" Das Meeting mit dem heutigen FPÖ-Chef Norbert Hofer dürfte durch dessen Rücktritt als Verkehrsminister hinfällig geworden sein: "Norbert Hofer hatte noch nie einen Termin mit Herrn Graf", erklärt ein Hofer-Sprecher. Novomatic wollte zu den Inhalten der Treffen nichts sagen. Angemerkt wurde, dass Kalendereinträge nicht zwingend bedeuten müssten, dass ein Treffen stattgefunden habe.