profil vor 25 Jahren: Der verdrängte Tod
Österreich

profil vor 25 Jahren: Der verdrängte Tod

Anlässlich des traurigen Rekords von 50 Verkehrstoten binnen einer Woche beschäftigte sich profil in der Ausgabe vom 27. Oktober 1992 mit der "alltäglichen Barbarei“ auf Österreichs Straßen.

In internationalen Unfallstatistiken war das Land "im unrühmlichen Spitzenfeld zu finden“, bei den Verkehrstoten pro Million Einwohner lag Österreich auf Platz zwei hinter Spanien. Dem stand die Selbsteinschätzung der heimischen Führerscheinbesitzer entgegen: Im Rahmen einer Umfrage, bei der Autofahrer ihr Können nach Schulnoten einstufen sollten, gaben sich 77 Prozent ein "Sehr Gut“ oder "Gut“, niemand benotete sich mit "Genügend“ oder gar "Nicht Genügend“. Der Wiener Psychiater Erwin Ringel hatte dafür eine Erklärung: Der Österreicher versuche, mit "Macht- und Geltungsstreben seine Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren“, und zeige "einen Fahrstil, wo er als Entgegenkommender nicht entgegenkommt“.

Sehr entgegen kam der Zeitgeist Bill Clinton. Im Endspurt des US-Präsidentschaftswahlkampfs lag der Demokrat in allen Umfragen weit vor dem amtierenden Republikaner George Bush. Die Stimmung sei so "eindeutig positiv für Clinton, dass die Bemühungen der Gegenkandidaten deutlich verquälte Formen annehmen“, berichtete profil aus New York. Im Clinton-Team setzte man trotzdem auf Understatement und zitierte Abraham Lincoln: Das klügste aller Tiere sei das Huhn, "es gackert erst, nachdem es das Ei gelegt hat“.

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