Rainer Nikowitz: Unschuld am Sande
Österreich

Rainer Nikowitz: Unschuld am Sande

Karl-Heinz Grassers Anwälte beklagen seine „Vorverurteilung“ durch Medien – und auch Satiriker. Aber warum nur die?

Grasser: Fiona? Fioooona!
Fiona: Was is denn schon wieder?
Grasser: Mir san spät dran. Kumm, gemma!
Fiona: Wohin denn?
Grasser: Was heißt wohin? Ab heute wird meine Unschuld erwiesen!
Fiona: Ach so. Du meinst, dieser Prozess fängt an? Das ist jetzt aber blöd.
Grasser: Eh is dos blöd. Aber i hab’s nit verhindern können. Und glaub mir: I hab mi wirklich bemüht.
Fiona: Nein, ich hab gemeint, das ist jetzt aber blöd, dass ich nicht mitkommen kann.
Grasser: Was? An so an wichtigen Tag? Wieso denn nit, um Himmels willen?
Fiona: Ach Gottchen, du weißt doch, wie das ist. Man nimmt sich was vor, und dann kommen einem tausend Sachen dazwischen.
Grasser: Na, dos weiß i nimmer! I hab scho seit Jahren nix mehr vor, und mir kommt a seit Jahren nix dazwischen!
Was für tausend Sachen?
Fiona: Coiffeur, Parfümeur. Und, wenn sich’s ausgeht, auch der Chauffeur.
Grasser: Dos is wichtiger, als mir in der Öffentlichkeit beizustehen? Was is mit: „In guten wie in schlechten Zeiten“, ha?
Fiona: Wie ich dich geheiratet hab, konnte ich ja nicht wissen, dass die guten Zeiten mehr in Minuten gemessen werden. Aber du machst das schon, Darling. Mit deinem Charme!
Grasser: Auf den pfeifen s’ ma was!
Fiona: No, warum soll’s denen anders gehen. Jedenfalls … ich komm dich dann besuchen, versprochen. Später.
Grasser: Später? Bei der Urteilsverkündung oder was?
Fiona: Noch später. Und ich schmuggle dabei eine Feile hinein, versprochen!
Grasser: Impertinent!
Fiona: Nein. Im Jackenfutter.

Kommentar verfassen