Zugehört – Jede Stimme zählt
Österreich

Zugehört – Jede Stimme zählt

Hier reden ganz normale Menschen, die sonst selten zu Wort kommen. Eine Serie zur Nationalratswahl. Diesmal mit EDV-Entwickler Günther Trykar.

PROTOKOLLIERT VON CHRISTA ZÖCHLING

Ich kenne das Leben als selbstständiger Unternehmer wie auch als Angestellter. Schwieriger und fordernder ist es, eine eigene Firma zu haben. Wirtschafts-und Sozialpolitik sind für mich wichtige Themen, und ich muss sagen: Ich weiß gar nicht mehr, wer was alles verspricht. Die vielen Fernsehdebatten haben mich auch nicht schlauer gemacht. Die lassen alles verschwimmen. Ich kann die Kandidaten nicht mehr sehen und nicht mehr hören. Ich glaube mittlerweile, das trägt eher zur Desinformation des Bürgers bei. Es ermüdet und erschöpft, und am Ende will man von Politik gar nichts mehr wissen.

Ich glaube, es ist Sebastian Kurz, der verspricht, die Wirtschaft um 14 Milliarden Euro zu entlasten. Schön, doch wie soll das gehen? Der große Brocken sind die Sozialabgaben. Wenn ich hier kürze, muss aber der Staat auf der anderen Seite wieder zuschießen, zum Beispiel bei den Pensionen, also wieder über Steuern. Das Geld wächst doch nicht auf den Bäumen. Das ist völlig unausgegoren, das sind nur Schlagzeilen, das ist kein Programm. Und alles ist überlagert von der Ausländerfrage.


Ich will nicht, dass die Sozialpartnerschaft zertrümmert wird. Ich sehe Kammern als Interessensvertretungen.

Ich werde trotzdem wählen gehen. Nicht, weil ich von einer Partei besonders überzeugt bin, sondern, weil ich Schlimmeres verhindern will. In meinen Augen kündigt sich eine gesellschaftliche Veränderung an, wenn der neue ÖVP-Mann Kurz nach eigenem Gutdünken irgendwelche Leute auf die vorderen Listenplätze schiebt und als Kanzler von einem Durchgriffsrecht träumt. Mir ist das zu autoritär, zu viel Macht in einer Hand. Dazu kommt aus der Ecke der Freiheitlichen die Forderung nach Abschaffung der Kammern und der Ruf nach Volksentscheiden. Ich will nicht, dass die Sozialpartnerschaft zertrümmert wird. Ich sehe Kammern als Interessensvertretungen. Das Argument, es ginge nur um die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft, fängt nicht. Denn ich zahle als Steuerzahler auch die Parteienförderung für Parteien, die ich nicht mag.

Die SPÖ weiß nicht, wo sie hin will, und Christian Kern hat offensichtlich kein Standing in seiner Partei. Was bleibt? Ich werde vermutlich die Liste Pilz wählen. Er ist ein Abgeordneter, der in der Vergangenheit einiges in Bewegung gebracht hat, und wenn wir -wie es aussieht - Schwarz-Blau bekommen, wäre es schon ganz gut, einen Kontrolleur im Parlament zu haben.

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  • Xillo Mirko (xillomirko) Sa, 14. Okt. 2017 13:25

    Ich werde auch diesmal nicht zur Wahl gehen, da keine der Parteien und ihre Kandidaten wählbar sind.
    Verurteile aber, dass schon wieder einige linke Nestbeschmutzer, wie bereits 2000, bei der EU Stimmung gegen eine FPÖ Regierungsbeteiligung machen.
    Man sollte auch FAIR verlieren können.
    Außerdem kann es mit der FPÖ nicht schlechter werden als mit der bisherigen ROT-SCHWARZEN Koalition.

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    • Margarete Nihsl (margretni)
      Margarete Nihsl (margretni) Sa, 14. Okt. 2017 14:21

      Ein rueckschrittlicher Rechtsruck ist nicht gut für Österreich und diese FPOe ist nicht regierungsfaehig, Herr Kurz träumt von Autorität - vollkommen inakzeptabel. Die besten fortschrittlichsten Ideen haben NEOS, ohne gestrige Ideologieduenkel, ohne schrecklichen Populismus-gute Programme mit klarem Realisierungspotential - sie zu stärken bedeutet zukunftsweisende richtigeWeichenstellungen

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