Markus Tschank

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Wirtschaft

Casinos-Affäre: Eine mysteriöse Firma und ihre brisanten Aktivitäten für die FPÖ

Die Firma Polimedia sorgt in der Casinos-Affäre für Aufregung. Nun stellt sich heraus: Das Unternehmen war für die Wiener FPÖ tätig - und führte politisch brisante Recherchen durch.

Am 28. Oktober 2013 packten die Mitarbeiter des FPÖ-Klubs im Wiener Rathaus den verbalen Bihänder aus: "FP-Gudenus: Es reicht! Bürgermeister Häupl muss Beziehung seiner AVZ-Stiftung zu Madoff endlich offenlegen", betitelten die Blauen eine Presseaussendung. Es ging um ein Thema, das sich im vorangegangenen Nationalratswahlkampf zum Steckenpferd der FPÖ beim politischen Ritt gegen die SPÖ entwickelt hatte: mögliche rote Verwicklungen in den Skandal um den US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff.

Ortswechsel: Zwei Kilometer vom Wiener Rathaus entfernt liegt die Anwaltskanzlei von Markus Tschank (im Bild), einem früheren Mitstreiter von Johann Gudenus beim Ring Freiheitlicher Jugend. Just am Tag der Presseaussendung empfing Tschank in seinen Räumlichkeiten zwei Herren: Einer davon war ein Notar-Substitut. Der andere war Bernhard Krumpel, Kommunikationsexperte aus dem ÖVP- Umfeld. Unter anderem war Krumpel einst Kabinettsmitarbeiter bei Innenminister Ernst Strasser gewesen. Der Grund für das Treffen lässt sich im Firmenbuch nachlesen: Tschank und Krumpel gründeten ein gemeinsames Unternehmen, die Polimedia GmbH. Krumpel übernahm die Position des Geschäftsführers. Was aber naturgemäß nicht im Firmenbuch steht, ist, dass die Firma in weiterer Folge in eine Geschäftsbeziehung mit der Wiener FPÖ eintrat.

Dass das heute relevant ist, hat mit dem Ibiza-Video zu tun: Im Mai 2019 stolpern Strache und Gudenus über die belastenden Aufnahmen. Aufgrund ihrer Aussagen zum Thema verdeckte Parteienfinanzierung entdeckt profil eine Reihe von FPÖ-nahen Vereinen -bei einigen davon ist Tschank bis zu seinem Einzug in den Nationalralrat 2017 in leitender Funktion tätig gewesen. Bald ergibt sich eine Verbindung zum langjährigen FPÖ- Bezirksrat Peter Sidlo, dessen Bestellung zum Finanzchef der Casinos Austria schon seit einiger Zeit heikle Fragen aufwirft. Dann stellt sich heraus, dass Sidlo ebenfalls bei der Polimedia involviert war - er löste dort Ende 2016 Krumpel als Geschäftsführer ab. Wie der Zufall so spielt, ging Krumpel damals als Konzernsprecher zu Novomatic. Novomatic wiederum ist jenes Glücksspielunternehmen, das -laut Strache im Ibiza-Video -jeder Partei Geld gibt ("Novomatic zahlt alle"). Novomatic ist Großaktionär bei Sidlos neuem Arbeitgeber, den Casinos. Und Novomatic hat mit einem FPÖ-nahen Tschank-Verein einen "Kooperationsvertrag" über 200.000 Euro abgeschlossen (profil 34/2019). Betont sei, dass Novomatic sämtliche Vorwürfe entschieden zurückgewiesen hat. Dass Tschank, Sidlo und Krumpel -wenn auch nicht alle zur selben Zeit - Gesellschafter bzw. Geschäftsführer bei ein und derselben Mini-Firma waren, ist aber bemerkenswert. Und dass diese Firma eine Geschäftsbeziehung mit der FPÖ Wien hatte, als die späteren Ibiza-Hauptdarsteller Strache und Gudenus dort Obmann bzw. Klubobmann waren, umso mehr.

Ein FPÖ-Sprecher bestätigt auf profil-Anfrage, dass die Polimedia 2013 und 2014 auf Vertragsbasis für die FPÖ Wien aktiv war. Die Polimedia habe "umfangreiche Recherchearbeiten durchgeführt, unter anderem zum Madoff-Bankenskandal, in den die Stadt Wien über die AVZ-Stiftung sowie die Bank Austria verstrickt" gewesen sei.

Da ist es also wieder, das blaue Steckenpferd. Wobei sich damals durchaus brisante Fragen zur - der Gemeinde Wien nahestehenden -Privatstiftung AVZ bzw. zur Bank Austria ergaben. Auch profil berichtete entsprechend. Zum Hintergrund: Über Österreich wurden viele Millionen Euro an Anlegergeld eingesammelt, die letztlich zu Bernard Madoff in New York flossen - und von diesem in einem riesigen Pyramidenspiel versenkt wurden. Involviert in das Geld-Sammel-System waren auch die Bank Austria und deren Minderheitsbeteiligung Bank Medici. Madoffs Betrug flog 2008 auf. Ein österreichisches Ermittlungsverfahren in Bezug auf die Bank Medici wurde unlängst eingestellt. Die Bank Austria und alle anderen Betroffenen haben immer bestritten, von Madoffs Treiben gewusst zu haben. Die AVZ-Stiftung ist Teil des komplizierten Eigentümergefüges der Bank Austria. Als Verbindungselement zur Gemeinde Wien war sie stets ein Angriffspunkt für die FPÖ als Stadt-Opposition. Fest steht, dass die Blauen auch später wiederholt Bank-Austria-Themen nutzten, um die Stadtführung zu kritisieren.

Weder die FPÖ Wien noch Tschank, Krumpel und Sidlo beantworteten, wie viel Geld für den Auftrag an die Polimedia geflossen ist. Eine profil gerüchteweise zugetragene Summe von rund 230.000 Euro wurde weder bestätigt noch dementiert.

Ein Anwalt Krumpels teilt mit: "Mein Mandant war in der () Polimedia GmbH kurze Zeit privatwirtschaftlich tätig. Diese war ähnlich einer Projektgesellschaft konstruiert, das heißt, es gab gemeinsame Projekte, aber kein gemeinsames Büro. Nach seinem Ausscheiden, das im gegenseitigen Einvernehmen erfolgte, war er nicht mehr für die Polimedia GmbH tätig." Krumpel dürfe aufgrund einer gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht keine Aussagen zum Unternehmen treffen. Tschank und Sidlo bestreiten eine Verbindung zwischen der Polimedia und den FPÖ-nahen Vereinen. Anfang 2018 wurde die Firma in Liquidation geschickt, weil -wie Sidlo mitteilt -"ein Teil der Gesellschafter beruflich neue Schwerpunkte setzte".