Die bessere Welt: Der digitale Bauernmarkt
Wirtschaft

Die bessere Welt: Der digitale Bauernmarkt

Es geht nicht immer nur ums Geld. Vielen Gründern ist es auch ein Anliegen, die Welt ein bisschen besser zu machen – ökologischer, sozialer, sicherer. Sechs junge österreichische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Porträt. Teil I: Der digitale Bauernmarkt.

Lebensmittel direkt vom Bauern aus der näheren Umgebung, dessen Produktionsbedingungen man aus erster Hand kennt. Das hätten viele Konsumenten gern. Aber wie an solche Waren herankommen? Zwar betreiben Zehntausende Landwirte in Österreich einen Ab-Hof-Verkauf. Doch bevor sich die häufig städtischen Kunden eine Hamsterfahrt aufs Land antun, gehen sie doch lieber in den Supermarkt um die Ecke.

Vom Pfefferwürstel bis zur Milch

Theresa Imre (Foto), eine 28-jährige Steirerin, studierte Volkswirtin und begeisterte Köchin, will das ändern. Sie hat die Markta GmbH mit Sitz in Wien-Floridsdorf gegründet. Den „digitalen Bauernmarkt“, wie sie das nennt, gibt es seit März 2018. Er soll städtische Konsumenten und bäuerliche Produzenten zusammenbringen, und zwar direkt.

Das System: Auf der Website von Markta werden landwirtschaftliche Erzeugnisse, vornehmlich aus Ostösterreich, zum Kauf angeboten. Sie sind bio, saisonal und stammen aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Da gibt es alles Mögliche, vom Pfefferwürstel über Bauernbutter und Frühstückskipferl bis zur Milch in der wiederbefüllbaren Pfand-Glasflasche. Die Kunden bestellen und zahlen auch gleich. Danach werden die jeweiligen Lebensmittelpakete zu Abholstellen geliefert – derzeit gibt es vier davon in Wien. Von dort kann der Kunde schließlich sein Packerl abholen.

Keine Angelegenheit für Luxuskonsumenten

Es läuft vieles schief im Lebensmittelgeschäft, findet Imre. „Bei einem normalen Einkauf im Supermarkt bekommt der Produzent nur zehn bis 20 Prozent des Verkaufspreises.“ Zu viel hingegen bleibe bei den großen Handelsketten, die aufgrund ihrer Marktmacht die Bedingungen diktieren– verfügen doch in Österreich die drei größten Ketten zusammen (Rewe, Spar und Hofer) über einen Marktanteil von 86 Prozent. „Die kleinen Landwirte hingegen schreiben ihre Rechungen noch per Hand und machen ihre Geschäftsplanung auf dem Raiffeisen-Kalender“, sagt Imre. Ein beinharter Preiskampf, bei dem viele Bauern auf der Strecke bleiben, führe dazu, dass „die Kartoffeln aus Ägypten billiger sind als die aus dem Waldviertel“. Um dagegen anzugehen, bräuchten Österreichs Landwirte ein professionelles Netzwerk, das sie mit Nachfragern verbindet – ohne Umweg.

Was die Preise betrifft, will Markta keine Angelegenheit für Luxuskonsumenten sein. Ein Glas Magerjoghurt etwa kommt auf der Plattform auf 1,19 Euro, eine Flasche Bio-Welschriesling auf 6,49 Euro. Das Ziel laute nun, „die kritische Masse an Konsumenten zusammenzubekommen“, sagt Imre. Bis Jahresende will man 30 Abholstationen in ganz Wien betreiben und 6000 Bestellungen pro Woche hereinbekommen. „Die Produzenten sollen von unserem Vertrieb leben können.“

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  • Clemes Hufnagel (gluewuermchen) So., 21. Juli. 2019 22:08

    Ich hoffe, dass innovative Ideen greifen. Aber ohne Profit überlebt man nicht lange! Das muss man einfach akzeptieren, sonst wird das nichts!

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