UKRAINE: Textilarbeiterinnen klagen über katastrophale Bedingungen.

UKRAINE: Textilarbeiterinnen klagen über katastrophale Bedingungen.

Wirtschaft

Missstände in Osteuropas Textilindustrie

Hungerlöhne und desaströse Arbeitsbedingungen.

Hungerlöhne und desaströse Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie - bei solchen Missständen denkt man meist an Länder wie Bangladesch und Indonesien. Aber man muss gar nicht erst nach Asien blicken. Wie die "Clean Clothes Campaign" (CCC) recherchiert, ein Verbund von Gewerkschaften und NGOs mit Sitz in Amsterdam, scheinen auch die Arbeitsbedingungen in Europa mitunter katastrophal zu sein.

KONKRET

In den Staaten des Ostens, wo westliche Modemarken wie Esprit (Deutschland), Triumph (Schweiz), Vero Moda (Dänemark), Benetton und Geox (beide Italien) en masse produzieren lassen, sei man - so die CCC, die derzeit Berichte und Statistiken zum Thema veröffentlicht - auf "Europas Sweatshops" gestoßen. Betroffen sind Staaten wie Serbien, Ungarn und die Ukraine.

BEISPIEL UKRAINE

In dem kriegsgebeutelten Land, in dem etwa Adidas, Zara und Peek &Cloppenburg fertigen lassen, dürften rund 220.000 registrierte und unregistrierte Arbeiterinnen in der Textilindustrie tätig sein; 80 bis 90 Prozent der Waren werden ins restliche Europa exportiert. Ein Drittel der Arbeiterinnen erhält laut CCC-Recherche nicht den gesetzlichen Mindestlohn von monatlich 89 Euro - dabei liegt dieser ohnehin weit unter der offiziellen Armutsgrenze. Die Beschäftigten müssten unbezahlte Überstunden leisten, "wenn sie unrealistisch hoch angesetzte Produktionsquoten nicht erfüllen", kritisiert die CCC. Repressive Management-Methoden und die Unterdrückung von Versuchen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, sorgen dafür, dass die Zustände unverändert bleiben.

ODER SERBIEN

Hier lassen vor allem italienische Modehäuser fertigen. In anonymisierten Interviews erzählen 48 Arbeiterinnen, die Kleidung für Geox nähen, von ausufernden Überstunden über alle gesetzlichen Regelungen hinaus. Die Arbeitstage dauern mitunter 16 Stunden. Die zusätzlichen Stunden bleiben unbezahlt. Darüber hinaus schildern die Arbeiterinnen eine "Atmosphäre der Angst". Leiste jemand zu wenig, würden die Löhne bis weit unter die Mindestlöhne gekürzt; wer aufs WC will, müsse um Erlaubnis bitten. Von "Armut, Überschuldung und Überarbeitung", spricht Gertrude Klaffenböck von CCC in Österreich. Die Nettolöhne der interviewten Arbeiterinnen betragen monatlich zwischen 149 und 207 Euro. Die CCC fordert die Regierungen der Länder auf, für die Durchsetzung arbeitsrechtlicher Standards und Mindestlöhne zu sorgen. Fest steht: "Made in Europa" - das heißt noch lange nicht, dass auch akzeptable Arbeitsbedingungen vorherrschen.

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