Athen Griechenland

Athen Griechenland

Wirtschaft

Krisengewinnler?

Wie viel Österreich wirklich an Griechenland verdient.

Bis zu 240 Millionen Euro. So viel Geld habe Österreich an der Griechenland- Hilfe "verdient", berichten dieser Tage mehrere heimische Medien. Ein Grund: Die Griechen zahlen Zinsen auf Kredite, die Österreich gewährt hat. Doch ganz so einfach ist die Rechnung nicht. In der komplexen Eurokrise geraten Zahlungsströme und Relationen durcheinander. Versuch einer Entwirrung:

Österreich gewährte im Jahr 2010 einen 1,5-Milliarden-Euro-Notkredit zu günstigen Konditionen an Griechenland. Seither hat Athen dafür 110 Millionen Euro Zinszahlungen an Wien abgeliefert. Allerdings: Österreich hat das Geld seinerseits an den internationalen Finanzmärkten aufgenommen, zahlt also ebenfalls Zinsen. Fazit: höchstens überschaubare Gewinne für Wien.

Österreich hat 2012 2,2 Milliarden in den "Europäischen Stabilitätsmechanismus" (ESM) gezahlt. Mit dieser Summe im Rücken borgt sich der ESM Geld, das er an Krisenstaaten weiterverleiht. Gewinne und Verluste entstehen dabei für Österreich nicht. Wohl aber besteht ein Risiko, dass die Milliarden eines Tages verloren sein könnten oder Haftungen schlagend werden.

Die EZB erwarb zwischen 2010 und 2012 griechische Staatsanleihen. Die Zinsen, die Athen an die EZB zahlt, fließen an alle Euro- Staaten, auch Österreich. Bisheriger Gewinn: 190 Millionen Euro.

Während der Eurokrise 2012 zogen massenhaft panische Privatanleger ihre Gelder aus Krisenstaaten ab. Sie fürchteten deren Pleiten. In der Folge rissen sich die Anleger geradezu um Anleihen jener Staaten, die als sicher gelten - auch Österreich. Wien kann sich deshalb beispiellos billig verschulden. Mitunter sind die Durchschnittsrenditen gar leicht negativ - die Anleger zahlen also Österreich, dass es deren Geld nimmt. Die Eurokrise ist nicht die einzige Entwicklung, die zu diesen Niedrigzinsen führt, trägt aber viel bei. Insofern zählt Österreich, gemeinsam etwa mit Deutschland, zu den großen Profiteuren der Krise.

Sollte es jedoch noch zu einer Pleite Griechenlands kommen , wäre auch für Österreich viel Geld verloren, etwa besagte ESM-Zahlungen. Und die Pleitegefahr ist nicht gebannt: Die Wirtschaftskrise in Griechenland hält an; viele Experten argumentieren, nur ein "Schuldenschnitt" - also eine Pleite samt Neubeginn - würde den Griechen langfristig helfen. Hier schlummern unwägbare Risiken.

Kommentar verfassen
  • Andreas Helmut Anton Veit (TORUS)
    Andreas Helmut Anton Veit (TORUS) Mi, 19. Jul. 2017 07:55

    Man kann es drehen und wenden wie man will es bleibt,
    durch den ESM deren Beitritt uns 2,2 Milliarden gekostet hat,
    eine Schuldenhaftungs-Union welche so in den Grundverträgen der EU nie vorgesehen war, da hätte niemand mitgemacht!
    Korrupte Politiker und Banken haben uns Europäer als Geisel genommen und uns den EMS erst danach auf's Auge gedrück.
    Wir sind mit u. ohne Schuldenschnitt die Geprellten

    Melden