Die voestalpine hat Ärger mit Donald Trump
Wirtschaft

Die voestalpine hat Ärger mit Donald Trump

Stationen eines Lobbying-Kampfes: Wie sich der heimische Stahlkonzern voestalpine gegen Donald Trump wehrt.

Dass Großunternehmen bei Politikern und Beamten für ihre Interessen lobbyieren, ist nicht weiter ungewöhnlich. Hektisch jedoch geht es derzeit beim Linzer Stahlkonzern voestalpine zu, gemäß Umsatz Österreichs sechsgrößtes Unternehmen (11,3 Milliarden Euro). Denn die voestalpine ist in den USA unter Beschuss geraten.

US-Präsident Donald Trump droht europäischen Stahlkonzernen mit Strafzöllen und Importbeschränkungen - unter anderem der voestalpine. Diese würden mit unfairen Methoden ihre US-Konkurrenten auf dem Stahlmarkt schädigen, so Trumps Vorwurf. Die voestalpine betreibt große Anlagen in den USA, etwa in der texanischen Stadt Corpus Christi.

Mehrere Anwaltskanzleien beauftragt

In Linz und an US-Standorten werkt nun seit zwei Monaten eine eigene Task Force daran, den Vorwürfen rechtlich und inhaltlich etwas entgegenzusetzen. Das Team bestehe "zu gleichen Teilen aus leitenden österreichischen und US-amerikanischen Mitarbeitern“, führt voestalpine-Sprecher Peter Felsbach auf profil-Anfrage aus. Zusätzlich seien mehrere Anwaltskanzleien beauftragt worden. Die Bemühungen hätten bisher einen "niedrigen einstelligen Millionenbetrag“ gekostet. Abgesehen von diesem administrativen Aufwand ergaben sich aus dem Streit bisher keine nennenswerten Kosten für die voestalpine.

Sollte jedoch Trump tatsächlich Strafzölle oder Importverbote verhängen, wären davon schlimmstenfalls 400 Millionen Dollar betroffen, 3,5 Prozent des voestalpine-Umsatzes. Dem gilt es vorzubeugen. Also treffen sich Konzernvertreter derzeit mit "Stakeholdern“, sagt Felsbach. "Wir versuchen beispielsweise gemeinsam, unseren Kunden, etwa Autoherstellern, klarzumachen, dass Importeinschränkungen zu höheren Preisen für Stahl führen würden - und damit auch für Endprodukte der US-Verbraucher.“ Felsbach wehrt sich gegen den Vorwurf, Billigstahl zu Dumping-Preisen in die USA einzuführen: "Das ist absurd. Wir importieren hochqualitative Spezial-Stähle, die wir in den USA weiterverarbeiten und für unsere Produkte brauchen. In den USA gäbe es diese Qualitäten überwiegend gar nicht.“

"Bemühungen" in Georgia

Eingewirkt werden soll offenbar auch auf Kommunalpolitiker in der Stadt Cartersville in Georgia. Dort betreibt die voestalpine seit 2014 ein Automobilkomponentenwerk. Der Konzern führte auch ein duales Ausbildungssystem österreichischen Zuschnitts ein, das in der US-Stadt viel Lob erfährt und Vorbildwirkung hat. "Es wäre auch für die Region ein herber Rückschlag, wenn wir derartige Bemühungen zurückfahren müssten“, sagt Felsbach.

Abseits derartiger Interventionsversuche auf kommunaler Ebene könnte sich dieser Tage auch auf dem internationalen Parkett entscheiden, wie sehr sich der Stahlstreit noch hochschaukelt. Im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg hat Trump die Tonart verschärft. In einem Evaluierungsbericht will die US-Regierung demnächst ausführen, wie sie die nationale Stahlindustrie vor dem angeblichen europäischen Dumping zu schützen gedenkt.

Laut Sprecher Felsbach befinde man sich derzeit in einer "aktiven Warteposition“. "In den kommenden Wochen sollte klarer werden, wie sich die Lage in den USA wirklich entwickelt.“ Jedenfalls betrachte man die USA auch weiterhin als "Kern- und Zukunftsmarkt“.

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