Die Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

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Wirtschaft

Zehn Gründe, warum eine neue Finanzkrise droht

Teil 1: Die Reformen sind Stückwerk geblieben.

Der folgende Text stammt aus der Titelgeschichte der profil-Ausgabe 34/18 vom 20. August 2018.

Vor zehn Jahren löste die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 aus. Das internationale Finanzsystem stand am Abgrund. Und heute? Ist die Situation mindestens so instabil wie damals. Zehn Gründe, warum wir mit einer neuen Finanzkrise rechnen sollten - und was man tun müsste, um sie noch zu verhindern.

1. Die Reformen sind Stückwerk geblieben

Mit Ausbruch der Finanzkrise setzte unter Politikern hektische Betriebsamkeit ein. Reformen wurden en masse verabschiedet - vonseiten der weltweit mächtigsten Regierungschefs im Rahmen der G20, der EU-Institutionen in Brüssel und der nationalen Regierungen. Es galt, die Bankenlandschaft so zu gestalten, dass Risikogeschäfte, die gefährliche finanzielle Blasen hervorrufen können, hintangehalten werden. Der Großteil der Experten stimmt heute darin überein, dass die ergriffenen Maßnahmen durchaus beachtlich waren. Die Bankenaufsichten wurden gestärkt. Seit 2014 überwacht die Europäische Zentralbank (EZB) die systemrelevanten Großbanken in der Eurozone. Dazu kommt die EU-Bankenabwicklungsrichtlinie, ein Herzstück der Reformen. Dieses Gesetz stellt für den Fall weiterer Pleiten sicher, dass betroffene Institute genug Geldreserven auf der Seite haben. So soll verhindert werden, dass erneut die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden und ein schlagartiges Austrocknen von Geldflüssen eine Marktpanik wie 2008 befeuert, die flächenbrandmäßig auf andere Banken übergreift und in eine neue Krise mündet.

Manche der Regelungen sind höchst komplex und bedeuten für die betroffenen Banken einen enormen bürokratischen Aufwand - etwa die neuen Eigenkapitalvorgaben im Rahmen des sogenannten Basel-III-Regimes. Doch ob sie im Ernstfall für mehr Krisenfestigkeit sorgen, ist umstritten. Andere notwendige Reformen kamen erst gar nicht zustande: Das Projekt eines Trennbankensystems in der EU (also der organisatorischen Trennung von Investment- und Einlagengeschäft) etwa wurde aufgrund des Widerstands konservativer EU-Abgeordneter 2017 ad acta gelegt.

Mitunter öffnet gerade der Wust an Regulierungen Hintertüren, die einen wirksamen Einsatz behindern. Anschauliches Beispiel: Die Regeln der Abwicklungsrichtlinie kamen - trotz vier Insolvenzen europäischer Banken in den vergangenen Jahren - bisher nur ein einziges Mal zum Einsatz, und zwar bei der spanischen Banco Popular im Jahr 2017. Bei drei italienischen Pleitebanken hingegen mussten nach alter Unsitte wieder die Steuerzahler einspringen; die italienische Regierung hatte sich auf eine komplexe Ausnahmeklausel berufen.

Generell hat der Kampf für besser regulierte Geldinstitute in den vergangenen Jahren an Kraft verloren. In den USA dreht Präsident Donald Trump Reformprojekte zurück. In Brüssel übernahm mit dem Briten Jonathan Hill (EU-Finanzmarktkommissar von 2014 bis 2016) gar ein ehemaliger Lobbyist der Londoner Bankenszene das Ruder. Dass die Branche eine neue Krise besser bewältigen würde, wird weithin angezweifelt. Selbst die klassischen Finanzinstitute, die noch vergleichsweise stabil und krisenresistent aufgestellt sind, dürften sich dabei schwer tun -ganz zu schweigen von einem anderen Sektor, der seit 2008 stark an Bedeutung gewonnen hat: den Schattenbanken.

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  • Peter Eberl (pete7) Do, 13. Sep. 2018 14:39

    Könnte schon stimmen was Profil orakelt - denn, und das wäre der einzige Grund - das Kriegstreiber und Pleite Land USA steht wegen seiner gigantischen Schulden die stetig wachsen wieder vor dem Abgrund wie schon 2008 anlässlich der letzten Krise Damals wurde Lehman als Sündenbock aufgebaut, obwohl es mit ein paar Milliarden zu retten gewesen wäre. Aber das wollten die Amis nicht - die EU ..

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    • Peter Eberl (pete7) Do, 13. Sep. 2018 14:46

      Banken vollgestopft mit faulen US Paoieren , resultieren aus der Hypothekenpleite der USA die bewusst überhöhte Kredite für Immobilien gaben, waren ausgesucht von den Amis, die Haupt Leitragenden dieser riesen Wirtschftskatastrophe. Und siprobieren es halt wieder. Und das dumme Europa wird wie so oft wieder auf seine "guten Freunde" reinfallen und die Dimmen sein. Ein schon gewohnte Rolle.

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  • Johann Ornig (MV1953)
    Johann Ornig (MV1953) So, 09. Sep. 2018 07:48

    Offensichtlich braucht die Mafia frisches Geld, wie vor 10 Jahren als die Neue York am Abgrund stand....wieder einige neue alte Milliardäre

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