Darf Krems Las Vegas werden?

Darf Krems Las Vegas werden?

Die niederösterreichischen Grünen orten bei einem Lehrgang der Donau-Universität Krems eine "Grenzüberschreitung".

Dass Universitäten und Fachhochschulen mitunter recht ausgefallene Studienrichtungen anbieten, um spezifischen Bedürfnissen der Wirtschaft gerecht zu werden, ist nichts Neues. Die Donau-Universität Krems in Niederösterreich (DUK) jedoch hat nun mit einer Neugründung über das Ziel hinausgeschossen, monieren Kritiker. "Leisure, Entertainment and Gaming Business Management" heißt ein neuer Lehrgang an der DUK. Im Klartext: Glücksspiel-Management.

Das Programm zwischen zwei und vier Semestern, das berufsbegleitend angeboten wird, richtet sich laut DUK-Website ausschließlich an bereits tätige "Manager im Leisure, Entertainment and Gaming Business mit mehrjähriger Berufserfahrung, die sich auf eine zukünftige Führungsposition vorbereiten". Heißt: Im Wesentlichen dürfte es sich um Weiterbildungsseminare für Führungskräfte aus der Glücksspielbranche handeln.


Ein derartiger Lehrgang ist nicht im Sinne der Steuerzahler

Die Universität wird mit Steuergeld gefördert. Mit 5,43 Millionen Euro sponsert Sankt Pölten die DUK, Niederösterreichs einzige Universität, aus dem laufenden Landesbudget. Dazu kommen Fördergelder des Bundes. Helga Krismer, Landessprecherin der niederösterreichischen Grünen, spricht von einer "Grenzüberschreitung": "Ein derartiger Lehrgang ist nicht im Sinne der Steuerzahler. Wenn Konzerne wie beispielsweise die Novomatic AG Schulungen ihrer Mitarbeiter benötigten, dann mögen sie dies ohne Steuergeld selbst organisieren."


Dass Glücksspiel häufig Leid und Gewalt hervorbringt, ist jedenfalls hinreichend dokumentiert. In Österreich dürften laut Spielsuchthilfe rund ein Prozent der Erwachsenen spielsüchtig sein. An zahlreichen Kriminalfällen – von Beziehungsgewalttaten bis zu Trafiküberfällen – hat die Spielsucht ihren Anteil. Zuletzt etwa war auch jener Mazedonier spielsüchtig, der in Tulln seine Frau erstach. In den vergangenen Jahren hat sich das Problem laut Experten von Automaten eher in die Online-Sphäre verlagert. Der Trend in Europa geht klar in Richtung mehr gesetzlicher Einschränkung: In Deutschland wurden beispielsweise kürzlich die Gewinn- und Verlustchancen an Automaten stark beschränkt. Italien verbietet gerade die Werbung für Online-Wetten.


Da geht es auch um Themen wie Spielerschutz, Suchtprävention und Aufklärungsarbeit.

Braucht es angesichts all dessen wirklich ein steuergeldfinanziertes Glücksspiel-Studium? Der Lehrgang sei durchaus von gesellschaftlicher Relevanz, sagt Alexander Pfeiffer, Leiter des Zentrums für Angewandte Spieleforschung an der DUK. "Digitale Spiele verschwimmen immer mehr mit Elementen des Glücksspiels. Diese Sphäre wollen wir als eine der führenden Institutionen in Sachen Spieleforschung akademisch abbilden und erforschen. Da geht es auch um Themen wie Spielerschutz, Suchtprävention und Aufklärungsarbeit." Überdies sei der Lehrgang nicht nur für Manager gedacht, sondern auch für andere Leute, die mit dem Bereich zu tun haben, etwa Beamte und Journalisten.

Laut DUK kein Steuergeld aufgewendet

Zudem wird laut DUK kein Steuergeld für den Lehrgang aufgewendet. Er finde nur statt, wenn er – durch Teilnahmegebühren – kostendeckend zu finanzieren sei.