Glas als Baustoff: Die Zukunft ist transparent

Glas als Baustoff: Die Zukunft ist transparent

Glas ist als Werkstoff schon seit tausenden von Jahren bekannt. Die ältesten Berichte über die Verwendung von Glas gehen auf das Jahr 1450 v.Chr. zurück. Somit wurde bereits im alten Ägypten Trink- und Aufbewahrungsgefäße aus Glas verwendet.

Und auch die Verwendung als Fensterglas in der frühen Römerzeit ist schon lange dokumentiert. So zeigten Funde in Pompeji, dass Fensterglas bereits im 1. Jahrhundert bei Thermen und Villen zum Einsatz gebracht wurde.

Beginn der Industrialisierung

Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, wurde auch der Herstellung des wertvollen Werkstoffs mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die regenerative Befeuerung, die durch Friedrich Siemens entwickelt wurde, sorgte für erhebliche Energieeinsparungen beim Herstellungsprozess. Zusätzlich wurde eine bessere Temperaturführung in der Schmelzwanne möglich.

1905 folgte die Optimierung des Verfahrens zur Herstellung von Flachglas. Mittels Gießverfahren und einer Walze oder mittels Zylinderblasverfahren wurden immer mehr Produkte des Werkstoffs hergestellt. Die Nutzungsarten von Flachglas wuchsen dazu kontinuierlich weiter an. Von normalem Fensterglas, über Automobilverglasung, bis hin zu Spiegeln, Fernseh-Displays, Photovoltaik und hochwertigem Architekturglas findet der Werkstoff auch aktuell in immer mehr Bereichen seine Anwendung.

Auch hochkomplexe Strukturen, wie im Reichstag, greifen auf Glas als Werkstoff zurück.

Die Glasbranche profitiert von der Baukonjunktur

In den letzten Jahrzehnten fand das Flachglas auch in der Baubranche immer mehr Anklang. Als moderner und optischer Blickfang von außen, sorgen die großen Fensterflächen auch innen für genügend Lichteinfall und einen herrlichen Ausblick.

Die Zahlen der Glasbranche zeigen leicht nach oben. Durch den anhaltenden Bauboom wird auch hier mit einem weiter steigenden Umsatz gerechnet. Bereits 2016 stieg der Umsatz der Flachglasbranche um etwa 2,1 Prozent. Umgerechnet entspricht dies einem Volumen von etwa 2,56 Milliarden Euro.

Egal, ob riesige Bürohochbauten oder Privatbauten, der Bedarf an Glasflächen ist und bleibt da. Große Unternehmen der Branche wie die LiSEC Group entwickeln und bauen Maschinen für die Flachglasverarbeitung. Mit über 400 Patenten in den Bereichen Forschung und Entwicklung profitieren die Kunden von dem Wissen und den Erfahrungen. Die Maschinen des Unternehmens, welche in den glasverarbeitenden Betrieben arbeiten, sind auf einen 24-Stundenbetrieb für sieben Tage die Woche ausgelegt.

Zukunftsvisionen der Glasbranche

Die Anzahl der Patente in führenden Unternehmen zeigt, dass die Entwicklung in der Glasverarbeitung und Produktion immer weiter voranschreitet. Doch auch völlig neue Konzepte für die Nutzung des Materials sind dabei in greifbare Nähe zu rücken. In der weltweit größten Messe für die Glasbranche, der glasstec, wird alles über Glasherstellung, -bearbeitung, -veredlung und -anwendung behandelt, was aktuell umsetzbar ist. Die glasstec-Messe findet alle zwei Jahre statt und vereint weit über tausend Aussteller aus über 50 Ländern.

Hier lassen sich die Neuheiten und Inspirationen für die Zukunft entdecken. Und nicht nur theoretische Neuerungen in der Welt der Glasherstellung, sondern die hautnahe Anwendung ist eins der Schlüsselthemen. Interaktive Gläser, Glasfassaden, über die Medien-Animationen laufen, automatische Abdunkelung von Gläsern und einiges mehr wird vor Ort dargestellt und beeindruckt Besucher und potentielle zukünftige Kunden.

Im Bausektor soll Glas zukünftig andere Materialien überflüssig machen. Mehrschichtig aufgebaute Gläser sollen für eine Innenraumbeleuchtung sorgen. Gleichzeitig könnten sie die Funktion von Heizung und Kühlungsanlage mit übernehmen. Die Verbindung zu Solarzellen und anderer Technik soll die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten erweitern.

Das Glas der Zukunft wird weit mehr können, als nur für eine ansprechende Optik zu sorgen.

Auch außerhalb des Bausektors gibt es Entwicklungspotential:

Interessante Neuerungen soll es auch außerhalb des direkten Bausektors geben, denn durch Weiterentwicklung in den Laserverfahren wird die Nutzung des Glases noch zusätzlich modifiziert. Glas wird zukünftig nicht mehr hauptsächlich als Abdeckscheibe Verwendung finden, sondern viel mehr interaktive Optionen bieten.

Feine Halbleiter- und Schaltungstechnik kann durch den Laser millimetergenau aufgetragen und ins Glas eingebracht werden. Dadurch entsteht eine fortgesetzte Verschmelzung von Material und Technik. Noch ist die Anwendung häufig auf Touch-Displays beschränkt, doch die Anwendungsmöglichkeiten sind rasant steigend.

Bereits jetzt befinden sich auf dem Markt die ersten Display-Formate, die individualisierte Digital-Signage-Installationen ermöglichen. Anwendungsmöglichkeiten gibt es beispielsweise in Umkleidekabinen, in denen die Hybride aus Spiegelglas und Display eingesetzt werden. So können den Kunden beim Anprobieren der Kleidung gezielt zusätzliche Informationen vermittelt werden. Beispielsweise kann über das Display die Farbe des Kleidungstücks angepasst werden, so dass es reicht das gewünschte Kleidungsteil nur in einer der Farben mit in die Umkleide zu nehmen.

Zusätzlich können passende Accessoires angezeigt werden, so dass es für Kunden leichter wird, schnell ein passendes und komplettes Outfit zusammenzustellen. Die Bedienmöglichkeiten der Displays sollen sowohl über Touch-Technologie sowohl auch Gestenerkennung ermöglicht werden.

Und auch im Verkehrsbereich gibt es möglicherweise demnächst einige Neuerungen. So beteiligt sich der Autohersteller BMW bereits bei der Entwicklung an Glas, das auf die Sonneneinstrahlung reagiert und ein Eiskratzen im Winter zukünftig überflüssig machen könnte. Dabei soll dem verwendeten Glas eine Schicht aufgebracht werden, die eingefangenes Tageslicht auf Abruf in Wärme umwandelt, etwa 10 Grad wärmer, als die Umgebungstemperatur. Gleichzeitig könnte die gespeicherte Energie auch zur Erhöhung der Reichweite von Elektroautos genutzt werden. Damit hat Glas in allen Bereichen ein hohes Potential die Zukunft besser zu gestalten.