Hauskredit für den Kauf eines Eigenheims finden

Hauskredit für den Kauf eines Eigenheims finden

Aufgrund des historischen Zinstiefs möchten sich viele Österreicher ein Eigenheim kaufen. Hier erfahren Kaufinteressenten, worauf es beim Hauskredit ankommt.

Seit über drei Jahren steht der Leitzins in der Eurozone bei null Prozent. Ein Ende der niedrigen Zinsen ist unwahrscheinlich. Inflationsbedingt verliert das Geld auf dem Sparbuch der Österreicher an Kaufkraft. Im Jahr 2018 verloren die Sparer mehr als 5 Millionen Euro durch die Inflation. Aus diesem Grund möchten viele Österreicher in Betongold investieren. Doch kaum jemand kann auf einen Schlag Geld für ein Eigenheim berappen. Ein Hauskredit schafft Abhilfe. Hierbei ist es jedoch wichtig, seine finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.

Kreditsumme berechnen – so geht’s

Bei der Kalkulation der Kreditsumme ist Präzision gefragt. Schließlich möchten Kreditnehmer weder zu viele Schulden aufnehmen noch zu wenig Geld für den Immobilienkauf und eine eventuell anschließende Renovierung haben. Um den Kreditbedarf richtig zu kalkulieren, sind mehrere Schritte notwendig.

1. Kassensturz

Wer einen Hauskredit aufnehmen möchte, sollte zuerst einen Kassensturz durchführen. Dabei gilt es zu berechnen, wie viel Kapital auf den verschiedenen Konten, in Form von bereits erworbenen Grundstücken oder Immobilien, Bausparverträgen, Aktien oder Kryptowährungen vorhanden ist und wie viel Geld als Notfall-Polster auf der hohen Kante verbleiben sollte.

2. Überblick über Einnahmen und Ausgaben

Nach dem Kassensturz sollten angehende Hauskäufer ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen. Da einige Kosten nicht monatlich, sondern jährlich anfallen, sollten sie diese auf den Monat herunter rechnen.

3. Höchstmögliche Kreditrate berechnen

Die höchstmögliche Kreditrate ergibt sich aus der Differenz zwischen den monatlichen Einnahmen und Ausgaben. Das bedeutet, die Rückzahlungsrate sollte nicht höher angesetzt werden.

4. Maximalen Darlehensbetrag ermitteln

Mit dem Wissen um das verfügbare Eigenkapital und die maximale Monatsrate erschließt sich ein maximaler Beleihungswert, den Kreditnehmer in einem realistischen Zeitraum abzahlen können. Erst, wenn sie sich darüber im Klaren sind, sollten sie nach einem passenden Eigenheim suchen.

Nebenkosten beim Immobilienkredit mit einbeziehen

Hauskäufer müssen bei ihrer Hausfinanzierung nicht nur den Kaufpreis und etwaige Renovierungskosten einbeziehen, sondern auf die Kreditsumme auch die Nebenkosten des Hauskaufs aufschlagen. Diese setzen sich folgendermaßen zusammen:

  • Maklerprovision: Maximal vier Prozent des Kaufpreises, zuzüglich 20 Prozent der Umsatzsteuer
  • Rechtsanwalts-, Notar- und Grundbuchkosten: Etwa 2,1 bis 5,3 Prozent des Kaufpreises
  • Grunderwerbsteuer: Mindestens 0,5 bis 3,5 Prozent des Grundstückswerts, oft aber des Kaufpreises
  • Gutachterkosten: Etwa 500 bis 600 Euro

Die gängigsten Arten der Immobilienfinanzierung

Wer eine Hypothek für den Hauskauf oder die Hausbaufinanzierung aufnehmen möchte, muss volljährig beziehungsweise geschäftsfähig sein und ein geregeltes Einkommen haben. Es lohnt sich, zuerst einen Kreditvergleich zu machen, da die Angebote der Finanzierungsinstitute sehr unterschiedlich sind. Hierfür können sich angehende Hauskäufer an einen Kreditvermittler wenden.

Für das Erstberatungsgespräch beim Kreditvermittler oder bei der Bank sollten Kaufinteressenten ihren Gehaltszettel, eine Kostenaufstellung für die Immobilie, eine Haushaltsrechnung und Unterlagen zur Immobilie – beispielsweise das Exposé und die Pläne – mitbringen. In der Regel bieten die meisten Kreditvermittler oder Banken ein Online-Dokument für das Beratungsgespräch rund um den Hypothekarkredit an, das ausgefüllt und ausgedruckt mitgebracht werden sollte. So können Finanzierungsinstitute gut abschätzen, wie das Darlehen gestaltet werden muss, damit es sich der Kreditnehmer leisten kann und damit das Risiko für die Bank nicht so hoch ist.

Doch welche Hauskredite gibt es überhaupt? Im Folgenden werden die gängigsten Darlehen vorgestellt.

Annuitätendarlehen

Das Annuitätendarlehen ist die häufigste Variante des Hauskredits. Die Bank bezahlt das Darlehen mit dem Hauskauf oder etappenweise mit den Hausbau-Abschlagszahlungen aus. Der Kreditnehmer muss das Darlehen daraufhin in Form von Annuitäten abzahlen, bis die Schuld getilgt ist. Annuitäten sind Jahresraten, die auf zwölf Monatsraten heruntergebrochen werden. Innerhalb der Zinsbindungsdauer, die in Österreich bis zu 20 Jahre betragen kann, bleiben Sollzins und Monatsrate gleich.

  • Vorteil: Planungssicherheit, denn die Belastung ist berechenbar. Mit Ablauf der Zinsbindungsdauer kann der Kredit gewechselt werden. Häufig sind Sondertilgungen bis zu 5 Prozent pro Jahr möglich.
  • Nachteil: Lange Kreditlaufzeit, meist bleibt eine Restschuld am Ende der Zinsbindung übrig.

Forward-Darlehen

Hierbei handelt es sich ebenfalls um ein Annuitätendarlehen. Allerdings wird es nicht für den Erstkredit, sondern für die Anschlussfinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung genutzt, um die Restschuld zu tilgen. Ein Forward-Darlehen sichert den aktuellen Zinssatz für eine spätere Kreditauszahlung in bis zu fünf Jahren. Man kann es also nur abschließen, wenn bereits ein Darlehen besteht.

  • Vorteil: Gut planbar, es sichert die aktuellen Zinsen für die Zukunft.
  • Nachteil: Kreditnehmer können nicht zurücktreten, wenn die Zinsen zum Auszahlungszeitpunkt niedriger als der im Forward-Darlehen vereinbarte Zinssatz sind.

Volltilgerdarlehen

Auch das Volltilgerdarlehen ist ein Annuitätendarlehen. Anders als beim klassischen Annuitätendarlehen bleiben die Kreditraten und der Zinssatz während der gesamten Laufzeit gleich. Es gibt also keine Zinsbindungsfrist.

  • Vorteil: Beste Planbarkeit.
  • Nachteil: Hohe Kreditraten, oft keine Sondertilgungen möglich.

Darlehen mit variablem Zins

Ein Darlehen mit einem variablen Zins zeichnet sich dadurch aus, dass es keinen gebundenen Sollzinssatz hat. Der Zinssatz passt sich alle drei, sechs oder zwölf Monate dem Markt an, daher ist er besonders interessant, wenn ein sinkendes Zinsniveau prognostiziert wird. Ein variabler Zins ist allerdings kaum im Voraus zu kalkulieren. Steigen die Zinsen an, steigt auch die monatliche Kreditrate. Wenn die Zinsen sinken, wird auch die Kreditrate niedriger.

  • Vorteil: Jederzeit innerhalb einer Frist von drei Monaten kündbar für Umstieg auf einen Festzins. Sondertilgungen meist möglich.
  • Nachteil: Kreditkosten nicht berechenbar, Zinsen und Höhe der Monatsraten schwanken.

Welche der vorgestellten Kreditarten für eine Hausfinanzierung die beste ist, hängt stark von der finanziellen Situation, aber auch vom Sicherheitsbedürfnis des Kreditnehmers ab. Wichtig ist, dass angehende Eigenheimkäufer genau berechnen, welcher Kreditbedarf langfristig für sie stemmbar ist. Sie sollten sich ausführlich von einem Kreditvermittler beraten lassen.