Interview: Telekom-Aufsichtsrat Ronny Pecik für Delisting

Ronny Pecik (l.) während einer Pressekonferenz im April 2014.

Ronny Pecik (l.) während einer Pressekonferenz im April 2014.

„So wie die Wiener Börse heute gesehen und behandelt wird, könnte man sie gleich ganz zusperren“

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins profil spricht sich der Investor und Telekom-Aufsichtsrat Ronny Pecik für einen Abgang der Telekom Austria AG von der Wiener Börse aus. „Ein Delisting würde dem Unternehmen gut tun, weil es sehr viele Dinge vereinfacht, vieles erspart, den Verwaltungsaufwand reduziert.“ Der Wiener Markt habe seinen früheren Stellenwert ohnehin verloren. „Seit sechs, sieben Jahren wird der österreichische Kapitalmarkt vollkommen vernachlässigt. So wie die Wiener Börse heute gesehen und behandelt wird, könnte man sie gleich ganz zusperren. Die würde niemandem abgehen.“

Hauptaktionär América Móvil hält derzeit rund 60 Prozent, hat sich gegenüber der Republik Österreich aber 2014 vertraglich verpflichtet, bis September dieses Jahres auf 51 Prozent zurückzugehen. Pecik dazu: „Ja, es gibt diese Klausel. Deren Sinnhaftigkeit muss nun auf Ebene der Vertragspartner diskutiert werden.“ Scharfe Kritik übt Pecik, der sich 2010/2011 in die Telekom eingekauft und 2012 América Móvil nach Österreich geholt hatte, an der Gestion des Unternehmens durch die früheren Vorstände Hannes Ametsreiter und Hans Tschuden: „Ohne América Móvil wäre die Telekom heute womöglich gar nicht mehr da. Als ich eingestiegen bin, war das Unternehmen massiv überschuldet und hatte kein Geld mehr in der Kassa. Es war erschreckend.“ Bis dahin seien „extrem hohe Dividenden“ ausbezahlt, Probleme im Auslandsgeschäft verdeckt und „viel zu hohe Werbebudgets“ geführt worden. „Manche Dinge wurden besser dargestellt, als sie waren“, so Pecik im profil -Interview.