Österreich, deine Produkte: Reden wir über ... Kloschüsseln

Michael Bauer und Alfred Mittermaier von Laufen Austria

Michael Bauer und Alfred Mittermaier von Laufen Austria

Verkaufsleiter Michael Bauer und Werksleiter Alfred Mittermair vom Sanitärkeramikhersteller Laufen Austria über ein mit Tabus behaftetes Produkt, das jeder täglich benutzt.

In einer neuen profil-Serie sprechen wir mit heimischen Wirtschaftstreibenden ausschließlich über das wichtigste Fabrikat aus ihrem Haus.

INTERVIEW: CHRISTINA HIPTMAYR

profil: Es ist jetzt 14 Uhr. Wie oft waren Sie heute bereits auf der Toilette?
Bauer: Drei Mal.
Mittermair: Zwei Mal.

profil: Ein gesunder Mensch, so heißt es, geht täglich etwa sechs Mal aufs WC und verbringt im Laufe seines Lebens rund drei Jahre am stillen Örtchen. Ziemlich viel Zeit also. Da würde es sich durchaus lohnen, bei dessen Anschaffung nicht zu sehr aufs Geld zu schauen. Was macht denn ein gutes und qualitativ hochwertiges WC aus?
Bauer: Das hängt von der Zeit ab, in der man sich bewegt. Im Mittelalter war man froh, wenn man etwas zum Sitzen hatte. Heute sind die Anforderungen an ein gutes WC deutlich verändert. Es geht um Hygiene und Komfort.

profil: Man unterscheidet zwischen Tief-und Flachspüler. Was sind denn die jeweiligen Vor-und Nachteile?
Mittermair: Der Flachspüler hat eigentlich nur einen einzigen Vorteil, den medizinischen. Zur optischen Stuhlkontrolle sowie Entnahme einer Stuhlprobe ist der Flachspüler nützlich. Ansonsten geht der Trend stark Richtung Tiefspüler, weil die Fäkalien sofort unter den Wasserspiegel fallen - da hat man gleich einen Geruchsverschluss. Beim Flachspüler haben Sie, je nachdem, wie lange die Sitzung dauert, eine entsprechende Geruchsbelästigung.

profil: Haben Sie einen Tipp, wie man beim Tiefspüler eine Stuhlprobe nimmt?
Mittermair: Durch die hohen technischen Anforderungen für die Spülwasser- und die Nachlaufwassermenge hat man heute eher enge Siphone. Das heißt, die Schale geht recht flach bis zum Siphon und dann relativ steil in diesen hinein. Dort eine Stuhlprobe zu nehmen, halte ich für absolut machbar.
Bauer: Einem Mediziner sollte man das nicht erzählen. Der andere Benutzer hat da möglicherweise auch schon eine Stuhlprobe hingelegt, da dürfte man eigentlich keine nehmen.

profil: Die Frage bleibt somit ungeklärt?
Bauer: Bei einem erwachsenen Menschen ist die Menge groß genug, um eine Probe entnehmen zu können.

profil: Sie meinen, das Material ragt über die Wasserfläche?
Bauer: Ja. Es ist witzig, denn über diese Themen wird ja kaum gesprochen.


Es besteht grundsätzlich ein nicht auszuschließendes Risiko, dass Fäkalien wohin gespült werden, wo sie nicht hingehören.

profil: Ich bemerke auch bei Ihnen eine gewisse Scheu.
Bauer: Ich will Sie ja nicht überfordern. Wir beobachten das auch bei den Dusch-WCs, weil da die Aufklärung noch immer sehr gering ist. Viele Leute fragen: "Was ist denn das? Kann ich mir darin den Kopf waschen?" Vor allem bei Frauen ist das ein sensibles Thema. Da geht es um die Technik. Bei der Ladiesdusche kommt der Duscharm weiter nach vorne. Es gibt Aufsatzgeräte, die auf der Keramik aufgesetzt werden. Da befindet sich die gesamte Technik im Sitzbrett. Der Arm fährt relativ steil nach unten und spritzt flach nach vorne. Es besteht grundsätzlich ein nicht auszuschließendes Risiko, dass Fäkalien wohin gespült werden, wo sie nicht hingehören. Beim integrierten Gerät kommt der Duscharm wesentlich weiter unten und relativ waagrecht heraus und spritzt fast senkrecht nach oben. Da hat man dieses Problem nicht. Das sind Themen, worüber man mit Frauen ausführlich sprechen muss.

profil: Im Gegensatz zu Asien konnte sich das Dusch-WC in Europa nicht wirklich durchsetzen. Woran liegt das?
Mittermair: In Asien ist es weitverbreitet, da ist die Technikverliebtheit wesentlich größer. Hier steckt das Thema noch in den Kinderschuhen, wird aber noch ein großes werden. Durch die ältere Klientel wird das bereits jetzt immer stärker nachgefragt. Oder aus gesundheitlichen Gründen. Denn die Leute werden immer älter und die Beschwerden nicht kleiner. Da braucht es eine solide und diskrete Umsetzung und nicht Hunderte Leuchtdioden. Der Spüldruck muss genauso stimmen, wie die Temperatur. Eine einfache Bedienbarkeit, aber nicht übertechnisiert.
Bauer: Wenn Sie vergleichen, wie ein Badezimmer vor 20 oder 30 Jahren ausgesehen hat und wie es heute ausschaut, da hat sich die Ausstattung ordentlich weiterentwickelt. Genauso entwickelt sich der Anspruch an die Hygiene weiter, und das spricht für das Dusch-WC.

profil: Gibt es eigentlich auch kulturelle Unterschiede, wo welche Kloform bevorzugt wird?
Bauer: Vor 25 Jahren hatte man in Österreich zu 80 Prozent Flachspüler. Jetzt ist es nur noch ein Drittel. Und es gibt ein starkes Ost-West-Gefälle. Historisch war der Flachspüler im Osten immer schon sehr stark verbreitet und ist es auch heute noch. Im Wiener Raum finden Sie immer noch Leute, die unbedingt einen Flachspüler wollen. Da ist der Anteil auch in den letzten Jahren sehr konstant geblieben. Während Sie im Westen Österreichs fast ausschließlich Tiefspüler finden.

profil: Und wie schaut es international aus?
Mittermair: Flachspüler findet man manchmal noch in Süddeutschland, Ungarn, Holland und Frankreich. Sonst eigentlich nirgends. Dafür hat man in südlichen Ländern oft Hocktoiletten.

profil: Die scheinen aber auch - zumindest in Italien - zurückzugehen.
Bauer: Die Leute werden dick und müde. Grundsätzlich ist ein Hock-WC nichts Schlechtes, weil es sehr hygienisch ist. Ich habe das als Kind falsch gelernt, bin in der Karl-Schranz-Hocke gestanden und habe solche Oberschenkel bekommen. In Wirklichkeit hockt man sich ja tief hin und das ist für den Darmausgang idealer als die Sitzhaltung. Aber oft will man nicht so nahe am Geschehen sein.


Im Westen Österreichs gibt es fast nur noch Hänge-WCs, im Osten noch viele bodenstehende.

profil: Warum haben sich eigentlich die amerikanischen Absaug-WCs bei uns nicht durchgesetzt?
Bauer: Das hängt mit der Kanalisation und dem Abflussstrang zusammen. Das passt mit unseren baulichen Normen nicht zusammen.
Mittermair: Auch in Skandinavien sehen WCs ganz anders aus als bei uns. Die haben diese tiefen, trichterförmigen WC-Schüsseln und auch andere Spülkästen. Das hängt sehr viel mit Verbrauchergewohnheiten zusammen.
Bauer: Hierzulande hängen Badezimmermöbel mittlerweile meistens an der Wand. In anderen Ländern stehen sie auf dem Boden. Bei uns können Sie ein stehendes Möbel kaum noch verkaufen. Obwohl das auch so ein Ost-West-Thema ist: Im Westen Österreichs gibt es fast nur noch Hänge-WCs, im Osten noch viele bodenstehende.

profil: Liegt das am hohen Altbaubestand?
Mittermair: Genau, weil dort der Ablauf senkrecht nach unten geht. Das Hänge-WC ist übrigens eine Schweizer Erfindung aus dem Jahr 1963. Der damalige Laufen-Qualitätsmanager Xaver Jermann, der auch bei uns im Werk in Gmunden die Qualitätskontrollen gemacht hat, hat es konstruiert.

profil: Welches ist Ihr meistverkauftes Modell?
Bauer: Das ist das Laufen Pro 2096.6. Das ist ein sogenanntes Rimless WC, also ein spülrandloses WC mit einer verdeckten Befestigung.

profil: Warum ist es so beliebt?
Bauer: Weil es einfach perfekt funktioniert. Bei Rimless WCs ist das nicht immer gegeben, dass es ohne zu spritzen auch ordentlich spült.
Mittermair: Da gibt es Standards, was die unbespülte Fläche betrifft. Für die Erfüllung der EN-Norm darf bis 8,5 Zentimeter unterhalb des Randes maximal eine Fläche von 50 Quadratzentimeter unbespült bleiben. Unsere Modelle spülen bis sechs Zentimeter unterhalb des Randes und es bleiben maximal 30 Quadratzentimeter trocken. Wir haben unsere interne Norm wesentlich strenger angelegt. Damit sind wir auf der sicheren Seite.
Bauer: Die ersten Rimless WC sind 2011 aufgetaucht, 2014 hat der Boom begonnen. Mittlerweile sind bereits 22 Prozent aller WCs in Österreich rimless, das ist gewaltig. Der Installationsbereich ist eigentlich sehr träge, deshalb ist der Erfolg auch so überraschend.

profil: Wird Ihr Bestseller hier produziert?
Bauer: Nein, in unserem Werk in Wilhelmsburg.

profil: Was ist das meistverkaufte in Gmunden produzierte WC?
Mittermair: In Gmunden geht es nicht um Verkaufszahlen. Das Werk hier hat drei Funktionen: Zum Einen die Produktentwicklung, dann die Industrialisierung des Produktes, damit es produzierbar wird und in den Markt eingeführt werden kann. Wenn es erfolgreich ist, wird es in andere Werke auf industrielle Anlagen verlegt und kann so kostengünstiger hergestellt werden. Und dann haben wir uns auf Exoten spezialisiert, die kompliziert in der Fertigung sind, aber dennoch hohe Erlöse bringen.
Bauer: Günstige Ware lässt sich hier nicht kostendeckend produzieren. Das hier ist eigentlich eine Manufaktur mit sehr viel Handarbeit. Im Vergleich zu einem neuen Werk schaut es hier ein bisschen aus wie aus dem vorigen Jahrhundert. Hier werden die komplizierten Teile für den gesamten Konzern gefertigt.

profil: Sind WCs eigentlich genormt?
Mittermair: Ja, natürlich. Da geht es etwa um die Abstände für die Befestigungslöcher, die Porosität des Materials, die Belastbarkeit - bei Wand-WCs sind es 450 Kilogramm, die Spülmenge, die nicht unter 4,5 Liter betragen darf, weil der Abtransport der Fäkalien in das Kanalsystem gewährleistet sein muss.
Bauer: International gibt es verschiedene Prüfverfahren. Für den australischen Markt muss das sehr harte Papier des Telefonbuchs von Sydney verwendet werden. Das muss mithilfe eines Knüllautomats normgerecht geknüllt und dann weggespült werden.
Mittermair: Und in den USA werden Kondome mit Sojapaste gefüllt. In der höchsten zu erreichenden Klasse müssen die Prüfkörper 1000 Gramm wiegen. Die muss man dann genau nach Vorschrift in die Schüssel fallen lassen.

profil: Gibt es beim WC noch Innovationen?
Bauer: Die Entwicklung des Rimless WC war relativ einmalig. So etwas passiert nicht alle zehn Jahre, sondern viel seltener.
Mittermair: Es wird an allen Ecken und Enden geforscht. Laufen ist auch Mitglied bei der Bill Gates Foundation, wo laufend nach neuen Entwicklungen gesucht wird. Das geht hin bis zum völlig wasserlosen WC.

profil: Damit wir das zum Schluss auch noch klären: Wie lautet eigentlich der fachlich korrekte Terminus für Klo?
Mittermair: WC
Bauer: Ich sag Häusl.

Vier Assoziationen zum Thema WC

Das erste Wasserklosett erfand der englische Dichter John Harington im Jahre 1596. Bei seinen Landsleuten stieß er damit jedoch auf Unverständnis. Fast 200 Jahre später erhielt Alexander Cumming das Patent auf seine Ausführung eines WC mit Siphon.

Peter Handke legte 2012 seinen "Versuch über den Stillen Ort" vor. Vom bäuerlichen Plumpsklo seines Großvaters bis zur japanischen Tempeltoilette beschreibt er den Abort auf 109 Seiten als Ort der Zuflucht und des Rückzugs.

Eine bedeutende Nebenrolle spielt das WC im Film "Trainspotting". In einer Szene taucht der Junkie Mark im "versifftesten Klo Schottlands" nach einem zuvor aufgrund von Durchfall verlustig gegangenen Drogenzäpfchen.

Hinweisschilder auf Toiletten mit der Bezeichnung "00" gehen auf das 19. Jahrhundert zurück. Damals besaßen Hotels üblicherweise Etagenklos. Da sie sich von der Zimmernummerierung unterscheiden sollten, beschriftete man sie mit der Doppelnull.

Laufen Austria AG

Rund 370 Mitarbeiter arbeiten an den beiden Standorten in Wilhelmsburg und Gmunden. Früher firmierten die beiden Werke als Österreichische Sanitär-, Keramik-und Porzellan-Industrie Aktiengesellschaft (ÖSPAG). 1967 erwarb die Schweizer Keramik Holding AG Laufen die Aktienmehrheit, seit 1999 gehört die Unternehmensgruppe zum spanischen Roca-Konzern. Laufen beschäftigt weltweit rund 2500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 280 Millionen Euro.