Ronny Pecik: Der härteste Kapitalist Österreichs im Porträt

Telekom Austria - Ronny Pecik: Der härteste Kapitalist Österreichs im Porträt

Mit der von ihm eingefädelten Machtübernahme in der Telekom Austria des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim steht Investor Ronny Pecik am Zenith seiner Laufbahn. Ein Porträt über den härtesten Kapitalisten Österreichs.

as macht Ronny Pecik am Tag der Arbeit? Er lässt den Herrgott einen guten Mann sein. Was sich hauptsächlich darin äußert, dass er zum Gespräch mit profil in legerer Aufmachung erscheint. Der sonst stets in teurem Maßanzug und blütenweißem Hemd wie aus dem Ei gepellte Investor – die Schweizer „Weltwoche“ schrieb über ihn, er sehe aus „wie Alec Baldwin in seinen guten Zeiten“ – kommt in Sportschuhen und trägt Jeans. Das T-Shirt spannt sich über 108 Kilo Kampfgewicht, darüber Lederjacke. Deshalb lieber keine Fotos. Wie alle Alphatiere ist auch Pecik eitel.

Mediale Präsenz sei ihm im Grunde ein Gräuel, behauptet der Investor. Doch wer Deals wie die Machtübernahme durch den mexikanischen Mobilfunkkonzern América Móvil des Milliardärs Carlos Slim bei der teilstaatlichen Telekom Austria einfädelt, muss mit gesteigerter öffentlicher Aufmerksamkeit rechnen. Pecik hatte 2012 seine und die Anteile des ägyptischen Milliardärs Naguib Sawiris an der Telekom an den Mexikaner verkauft und den Weg für den vorvergangene Woche abgeschlossenen Syndikatsvertrag mit der Verstaatlichtenholding ÖIAG geebnet (profil berichtete).

Und eigentlich sonnt er sich ja doch ganz gerne in seinen Erfolgen. Mit dem jüngsten steht er nun am Zenith seiner Karriere. Gleichsam aus dem Nichts entwickelte sich Pecik in den vergangenen 15 Jahren zu einem gewichtigen Player der heimischen Wirtschaftswelt. Mit unbezwingbarem Zug zum Tor lässt der härteste Kapitalist Österreichs andere Akteure wie Messdiener aussehen.

Wie tickt der Mann, der partout nicht als Teil des österreichischen Finanzestablishments gesehen werden will? Was treibt ihn, der längst ausgesorgt hat und seine Tage am Golfplatz verbringen könnte, an? Und wie erreicht er seine Ziele?

Stiefvater Installateur, Mutter Laborgehilfin
Vorgezeichnet war seine Laufbahn keineswegs. Im Gegenteil. Als vierjähriges Gastarbeiterkind „voller Flöhe“ kam er aus dem nordkroatischen Varazdin nach Wien. Mit seinen Eltern – der Stiefvater Installateur, die Mutter Laborgehilfin – und zwei älteren Brüdern wuchs er „in kleinsten Verhältnissen“ auf 54 Quadratmetern in Wien-Brigittenau auf. In der Schule versagte er kläglich: Mit sieben Fünfern blieb er in der vierten Klasse Gymnasium sitzen. Die Matura sollte er nie nachholen. Stattdessen Lehre als Elektromechaniker für Starkstrom im Floridsdorfer Werk von Bombardier, Gelegenheitsjobs als Bootsbursche, Tankwart und Kellner.
Dass er den Aufstieg von ganz unten geschafft hat und damit sämtliche Studien widerlegt, die besagen, dass Migrantenkinder in ihrer sozialen Schicht hängenbleiben, damit kokettiert Pecik gerne.

Vom Wirtschaftsmagazin „trend“ wird er mit einem geschätzten Vermögen zwischen 100 und 250 Millionen Euro aktuell auf Platz 82 der reichsten Österreicher gereiht. Andere halten ihn sogar für einen Milliardär. Genaue Zahlen wird man von ihm jedoch keine bekommen. Nur so viel: „Ich lebe deutlich unter meinen Möglichkeiten“, meint der Bent-ley- und Porschefahrer, der auch ein Faible für exklusive Chronografen, große Yachten und Privatjets mit viel Beinfreiheit hat.

„Mein Erfolg beruht nicht darauf, dass ich brutal bin, sondern weil ich genau plane. Ich denke in Alternativen. Wenn Plan A nicht funktioniert, dann kommt Plan B, C oder D“, sagt der Selfmade-Man. „Dinge, die er angeht, bringt er auch zu Ende. Das ist eine seiner großen Stärken“, ergänzt Kumpel Niki Lauda. Zielorientiert, wie kein zweiter sei er – das bescheinigen ihm sowohl Freund als auch Feind.

Das war nicht immer so. In die Welt der Finanz verschlug es Pecik über den Umweg einer Informatiker-Ausbildung. Anfang der 1980er-Jahre heuerte er in der EDV-Abteilung der Länderbank an. Dort lernte er den Handel mit Optionen kennen, der bis heute seine Leidenschaft bleiben sollte. Er arbeitete am Aufbau der von den österreichischen Banken gegründeten ÖTOB (Termin- und Optionenbörse) mit. Ebenfalls an Bord waren der nunmehrige Chef der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Heinrich Schaller, der Investmentbanker Willi Hemetsberger sowie der zukünftige – aber mittlerweile verglühte – Börsenstar Mike Lielacher.

„Wer nie Bankrott gegangen ist, eignet sich nicht für die Börse“
Es folgten drei Jahre als Optionshändler bei der Bank Austria. Für das Geldinstitut kein gutes Geschäft: „Hätte die Bank eine zehnjährige Anleihe gekauft, statt mich zu beschäftigen, hätte sie genauso viel verdient wie mit mir. Freilich mit wesentlich weniger Risiko“, erzählte Pecik einst in einem Interview. Seine privaten Deals liefen noch viel desaströser: Zweimal verspielte er seine gesamten Ersparnisse. Mehrere hunderttausend Schilling. Heute macht er daraus eine Tugend: „Wer nie Bankrott gegangen ist, eignet sich nicht für die Börse. Man muss das Gefühl kennen, wie der Markt gegen einen läuft, wie das Vermögen wegrinnt.“

Der erste große Coup gelang ihm 2001. Pecik hatte sich eben erst zusammen mit früheren Kunden die M&A Privatbank gekauft, da verleibte er sich – gemeinsam mit einer Investorengruppe rund um den Badener Wirtschaftsanwalt Rudolf Fries – heimlich, still und leise die Sperrminorität am Edelstahlproduzenten Böhler-Uddeholm ein. Ein Vorgehen, dass bei ihm zur Usance werden sollte. Bei seinen Investments bleibt er so lange im Hintergrund, bis er sich über Aktienoptionen ausreichend Gewicht in einem Unternehmen verschafft hat. „Wenn man seiner gewärtig wird, ist es meist schon zu spät“, sagt ein früherer Partner. Nur eineinhalb Jahre später stieg Pecik mit hohem Gewinn wieder aus.

Dasselbe Spiel 2003 bei der VA Tech: Gemeinsam mit seinem damaligen Partner Mirko Kovats übernahm Pecik 19,5 Prozent am Technologiekonzern. Öffentlich beteuerten sie, langfristig investiert bleiben zu wollen. Aber schon 18 Monate später verkauften sie ihren Anteil, der sie zwölf Euro pro Aktie gekostet hatte, für 65 Euro pro Stück an Siemens. Pecik verdiente auf einen Schlag 70 Millionen. Spätestens da war sein Ruf als Heuschrecke und Finanzjongleur zementiert. „Ein Deal ist gut, wenn beide Seiten profitieren“, sagt er. Die Firmen, in die er eingestiegen sei, habe er weder filetiert noch ihres Eigenkapitals beraubt. Sie stünden allesamt besser da als zuvor.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird er jedoch keine Beliebtheitswettbewerbe mehr gewinnen. „Bei Verhandlungen macht er extremen Druck, er ist enorm schnell im Denken, da kommt kaum jemand nach“, erzählt ein ehemaliger Geschäftspartner. Dabei ist Pecik im persönlichen Umgang von ausgesuchter Höflichkeit und unheimlich freundlich. Ein Menschenfänger, der weiß, wie man auch noch so schwierige Charaktere zu nehmen hat. Bestes Beispiel ist seine frühere Geschäftsbeziehung zu Kovats oder auch jene zum Immobilienunternehmer Georg Stumpf. Weder der eine noch der andere gelten als große Sympathieträger. Während Kovats mit Vorliebe das großspurige Raubein gab, ist Stumpf ein knochentrockener Zahlenmensch. Charme oder Schmäh fehlt beiden – im Gegensatz zu Pecik – gänzlich.

„Lex Pecik“
Das ungleiche Trio kaufte sich 2005 überfallsartig und gegen den Willen der bisherigen Eigentümer beim traditionsreichen Schweizer Maschinenbauer Oerlikon (damals noch Unaxis) ein. Bei den Eidgenossen sorgte das für gehörigen Wirbel. Eine Ende 2007 in Kraft getretene, auf gut Schwyzerdeutsch „Lex Pecik“ genannte Gesetzesnovelle, hatte nur ein Ziel: „In Zukunft soll kein Aktionär mehr eine dominante Stellung an einem börsennotierten Unternehmen aufbauen können, ohne dass die übrigen Marktteilnehmer über diese Absicht informiert sind“, erklärte die Eidgenössische Bankenkommission. Zudem waren die Herren nicht gerade zimperlich vorgegangen: Einen Tag nach der Machtübernahme wurden zahlreiche Führungskräfte gefeuert. Pecik brachte der Deal Klagen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Publizitätsvorschriften ein. Er überstand es unbeschadet. 2007 gab er den Großteil seiner Oerlikon-Anteile an den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg weiter. Mit ordentlichem Schnitt, versteht sich.

„Ich bin das beste Beispiel, dass man es auch ohne Netzwerk schaffen kann“, behauptet Pecik. Wohl wahr, auf Jagdgesellschaften oder in den Wiener Salons wird man ihn vergeblich suchen. Einzig den Wiener Opernball pflegt er zu besuchen. Die Seitenblicke-Gesellschaft ist ihm verhasst. „Ich vergesse keinen Tag, wo ich herkomme“, meint der Multimillionär und schwärmt von Leberkässemmeln von der Tankstelle, vom Garteln und vom Grillen. „Ronny ist in der internationalen Finanzwelt bestens vernetzt“, sagt wiederum sein Berater Willi Berner. Das beweise allein die Tatsache, dass Pecik nach dem Ausstieg des ägyptischen Milliardärs Naguib Sawiris bei der Telekom mit Carlos Slim und dessen América Móvil-Kozern schon den nächsten an der Hand gehabt habe.
Der Steirer – früher hochrangiger Mitarbeiter der Landes-SPÖ, dann, nach seinem Wechsel zur FPÖ, Kabinettschef bei Verkehrsminister Michael Schmid – bereitet für ihn den Boden in der Heimat. Denn mit Politik hat Pecik überhaupt nichts am Hut. Vater und Mutter waren zwar stramme Sozialdemokraten und in der elterlichen Wohnung hing ein Kreisky-Bild – auf den Sohn färbte das politische Engagement jedoch nicht ab.
Berner gehört wie Peter Winkler, einer der besten Kapitalmarktjuristen des Landes, zum engsten Kreis von etwa zehn Leuten, denen Pecik vertraut. Dieses Team behandelt Pecik wie seine Familie – großzügig und zuvorkommend. Gemeinsame Ausflüge inklusive.

„Zum Feind möchte ich ihn jedoch nicht haben“, sagt ein Wegbegleiter. „Er sitzt wie ein Löwe in der Ecke, dass man glaubt, es wäre ein Kuscheltier. Doch plötzlich schlägt er zu.“

Das bekam jüngst der glücklose Finanzvorstand der Telekom Austria, Hans Tschuden zu spüren. Dass er das Unternehmen mit Ende Mai vorzeitig verlassen muss, geht auf das Konto des stellvertretenden Telekom-Aufsichtsratspräsidenten Ronny Pecik. Das durfte durchaus auch als Warnung an die Adresse des noch amtierenden Telekom-Vorstandschefs Hannes Ametsreiter verstanden werden, der nicht eben als erklärter Freund Peciks gilt. Oder wie es ein Vertrauter des Investors formuliert: „Wer sein Vertrauen missbraucht oder seine Erwartungen nicht erfüllt, wird schnell ausgetauscht. Da reagiert er hochemotional und es gibt nur noch schwarz oder weiß.“