<i><small>Autodrom: David Staretz</small></i>
Einiges Porschefahren

Einmal noch jubilieren: Mit der 50-Jahre-Edition ist etwas erstaunlich Erwachsenes gelungen: Manchmal macht Retro Sinn. Und Porschefahrer zu besseren Menschen.

Jubiläen führen zu einer gewissen Ermüdung, man fällt danach leicht in Erschöpfung post jubilem und spürt, jetzt ist die Luft draußen. Insofern ist wirklich starken Marken zuzugestehen, dass sie sich nicht in Selbstbefeierung erschöpfen und den obligaten Feierlichkeiten gleich neue Kraft nachschießen, damit die Flamme lodert.

2013, im Jahre 50 des Typ 911, hatte ich eine Menge an Porsches zu bewegen, mindestens 15 verschiedene Modelle, angefangen vom Ur-911 über den Carrera RS 2,7 bis hin zum aktuellen Porsche turbo S mit 560 PS – und danach noch den 918 Spyder, 608 Benzin-PS plus 285 PS aus zwei Elektromotoren. Macht zusammen 887 PS für Sammler.

Mit Walter Röhrl, dem wahrscheinlich universell besten Autofahrer der Welt, verbrachte ich einen Tag im 964 Supercup bei der neu veranstalteten Saalbach Classic. Und dieser Tage bewege ich den aktuellen 911 in „einer streng auf 1963 Exemplare limitierten Auflage der 7. Generation, wie es sie in dieser Form nie wieder geben wird“. (Porsche-Online-Text.)
Weniger aus Konsequenz denn aus Gleichgültigkeit heraus bewarb ich mich nie um einen Cayenne oder einen Panamera. Zwar bin ich kein Porsche-Purist, dennoch stoßen mir diese beiden Modelle (und der neue SUV Macan) übel auf. Sie gründen nicht auf originären (technikgetriebenen) Porsche-Ideen, sondern auf Marketingentscheidungen. Richtigen Entscheidungen allerdings, wenn man ihre Verkaufszahlen und die Auswirkungen auf den Gesamtzustand der Marke bedenkt. Wenigstens kann man sich damit beruhigen, dass die meisten dieser hypertrophen Autos nach Asien und in die USA verkauft werden.

Ganz anders der augenblickliche Porsche 911 in erwähnter 50-Jahre-Edition, ein Auto mit erstaunlichem Sympathie-Beiwert: Noch nie habe ich in einem Porsche so freundliche Reaktionen erlebt. Es ist ohnehin erstaunlich, wie stark Passanten bisweilen auf neue Modelle, nämlich auf geringe Modellwechsel, reagieren, wo man es nicht erwarten würde. Dieser Porsche in seiner nobel beigen – seltsamerweise geysirgraumetallic genannten – Farbe, mit Chromelementen und appetitlich verbreitertem Heck scheint etwas anzusprechen. Vielleicht ist es gerade die Lämmerhaftigkeit eines 400-PS-Supersportwagens, die ihn so volksnah macht. Dabei sieht man von außen noch kaum die Herrensport-Sitze im grau-beigen Pfeffer-und-Salz-Muster. Und wenig hört man draußen von der vorzugsweise gewählten Bose-Anlage, die offenbar geeignet ist, dem porsche-eigenen Klang etwas Brauchbares entgegenzusetzen. Zumal sich dieser mittels Auspuffsound-Taste vorsätzlich hysterisieren lässt, was schon ein bisserl pubertär anmutet in so einem Gerät. Man stelle sich vor, ein Film vom Kaliber „Bullitt“, und das Auto des Special Agent hat eine Sounderlebnis-Taste. Manche Ideen sind nicht zu vermeiden. Ähnlich war das mit dem Autoschlüssel in matchboxmodellkleiner Porsche-Form. Allerdings bleibt der ohnehin als Handschmeichler in der Hosentasche (oder als Schlüsselanhänger in der Handtasche). Weil, siehe da, sobald man per Keyless-Go-Automatik durch schieres Türgriff-Heben den Schlag geöffnet hat: Da steckt schon ein fix eingebauter Schlüssel im porschetypisch links montierten Zündschloss. Bitte umdrehen!

Was erwartet jemanden, der 144.000 Euro für ein hellbeiges Auto ausgegeben hat? 400 PS sind ein Fall allerhöchster Verantwortung; jede Fahrentscheidung ist unterfangen von der Ernsthaftigkeit der Konsequenz – dennoch geht alles leicht und spielerisch vonstatten, und so körpernah, als hätte man sich heftiger Extremitäten versichert. Und tatsächlich scheinen uns die Lackierung (Porsche himself war immer stolz darauf, dass man das Auto, also die vorderen Kotflügel, „Peilkanten“ genannt, von innen aus sehen kann), die historisch grün getönten Armaturenziffern und das klassische Pepita-Sitzmuster etwas auszurichten. Der Wagen setzt seine Fahrer nicht unter Druck. Denn die schwierigste Übung in einem Porsche ist es ja immer, langsam zu fahren. Unglaublich, was die Leute aufführen, offenbar um abends unter Freunden zu erzählen, wie sie in ihrem Ford Mondeo Traveller einen Porsche abgestaubt haben, wobei sie die doppelte Sperrlinie und das Stadtgebiet wahrscheinlich nicht der Erwähnung Wert finden. Und genau dafür, dass man solches gelassen geschehen lässt, ist man Porschefahrer geworden.

david.staretz@profil.at