<i><small>Autodrom: David Staretz</small></i>
Japans breite Mitte

Zwei typische Vertreter der erschwinglichen Meisterklasse: Mazda 3 und Honda CR-V buhlen mit solider Technik und teilweise erstaunlichen Extras um die Käufergunst.

Die Japaner haben gerne blumige Ansagen. Das mag man belächeln, aber irgendwie schätze ich die Versuche, ein wenig Romantik ins Technozoikum einfließen zu lassen, zum Beispiel: Sky Hook (Mazda) und Earth Dreams Technology (Honda).

Zwei interessante Vertreter des Neuen Japan fuhr ich gerade, den rund 25.000 Euro teuren Mazda 3 Revolution mit 165-PS-Benzinmotor aus der Serie des sogenannten Sky Active Systems. Dabei handelt es sich um hochgegitzte technische Feinheiten, Dinge mit Verdichtung und Verbrennung, die man nicht unbedingt wissen muss. Was durchkommt, ist ein Verbrauchsschnitt von 6,5 Liter pro 100 Kilometer, wenn man moderat fährt, ohne besonders auf Sparsamkeit zu achten. Daran ist auch die Rekuperation mittels Kondensator (Super Caps) beteiligt, der als eine Art Instantbatterie elektrische Ladung (von der Bremsenergie) unvermittelt aufnimmt und sie ebenso blitzartig wieder in den Energiekreislauf der stillen Abnehmer (Klimaanlage etc.) abgibt. Auch die Elektro-Servolenkung zählt dazu. Wie viele ihrer Bauart fühlt sie sich um die Mittellage etwas synthetisch an.

Der Mazda 3 mit fünf Türen und brauchbarem Kofferraum ist eine Art Gegen-Golf auf der sicheren Seite. Dazu sieht er überraschend dynamisch aus in der Vernunftklasse und lässt sich auch richtig sportlich fahren, soweit das die elektronischen Absicherungen zulassen. Das Schalten macht richtig Spaß im Sechsganggetriebe. Als Besonderheit in dieser Klasse findet man oberhalb des Armaturenbretts (mit dem prominent mittig gestellten Drehzahlmesser) das Head-up-Display, eine durchsichtige Kunststoffscheibe, worin man, sozusagen ins schwebhafte Niemandsland, die Geschwindigkeit einprojiziert findet. Wer lange fummelt (oder in der Betriebsanleitung nachschaut), findet auch die Möglichkeit der Stellwinkelanpassung entsprechend der Fahrer-Augenhöhe. Merke: Jede neue Technik bringt ihre neuen Probleme und deren Lösung mit sich.
Na ja, nicht immer. Beim Honda CR-V, muss ich sagen, hatte ich es knapp vor dem Mazda mit der umständlichsten Radiosender-Suchbedienung zu tun. Jedenfalls, wenn man zu den Leuten gehört, die sich nicht mit sechs vorprogrammierten Lieblingsstationen abfinden, sondern das Abenteuer Radio über eine längere Distanz feiern möchten. Damit ist aber auch schon aller Kritik am CR-V Genüge getan, der wie der Mazda über ein fantastisch schaltbares Sechsganggetriebe verfügt und über einen erstaunlichen Motor. Ich fuhr den neuen 1,6-Liter-Diesel, der vom Gefühl her deutlich stärker und im Drehmoment massiver wirkt als die Werksangaben (120 PS, 300 Nm). Auch ihn konnte ich anstrengungslos sparsam fahren, regelmäßig unter sechs Litern Diesel auf 100 Kilometer. Sportlichkeit ist nicht sein Thema, aber wer regelmäßig Tagesstrecken unter 150 Kilometern pendelt, wird mit dem Honda vielleicht um einen oder zwei nicht überholte Lastwagen langsamer sein.

Zu den Schönheiten zählt der Honda nicht, aber er passt gut in das Umfeld der neuerdings so verwechselbar zahlreichen weißen SUVs. Ständig habe ich versucht, in fremde Autos einzusteigen, peinlich insistent noch dazu.
Die große Nummer findet innen statt, und man kann das nicht hoch genug anrechnen: Per Hebelzug kann man die im Drittel geteilten Rücksitze (Lehne und Bank separat) per Federvorspannung völlig flach zu Boden gehen lassen. Das funktioniert so frappant gut, dass man es wie einen Zaubertrick immer wieder sehen möchte, und man kapiert es dennoch nicht, wie die Teile dichtgefügt ineinander fallen. Ein Lob der Rückfahrkamera!

Zwei systemimmanente Unterschiede fallen deutlich auf: Wo der Benziner-Mazda hervorragend heizt (und schon nach kürzester Zeit mollig warm ist, während die Sitzheizung schon auf Stufe 1 brodelt), hat der Diesel-Honda – als grundsätzlich besserer Energieverwerter – Mühe, auf Zimmertemperatur zu kommen. Leider ist auch die Sitzheizung (unabhängig davon) eher halb-lau.

Beiden Japanern sind der geringe Lärmpegel, die weitgehend logische Bedienung, die hervorragende Sitzposition und die Vielzahl der Subfunktionen eigen. Hohe Zahl brauchbarer Ablagen, ideale Verstellmöglichkeiten für Sitze und Lenkrad. Wie bei allen modernen Autos gefällt auch die Möglichkeit, die Türen leise ins Schloss drücken zu können, falls jemand gerade nicht geweckt werden soll. Muss auch einmal gesagt sein. Vielleicht fällt den Japanern ja noch ein schöner Begriff dafür ein.

david.staretz@profil.at