<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Burn after reading

Warum wir digitale Informationen mit Ablaufdatum brauchen.

Drei Milliarden Dollar hat Facebook angeblich für die Foto-App „Snapchat“ geboten. Unter amerikanischen Jugendlichen ist die App bereits ein Hit; seit Monaten gehört sie zu den 20 am meisten heruntergeladenen Gratisanwendungen fürs iPhone. Die Idee hinter Snapchat ist so einfach wie genial: Über die App verschickte Fotos löschen sich von selbst, wenige Sekunden, nachdem der Empfänger sie geöffnet hat. Snapchat weist damit einen Weg in die Zukunft von Privatsphäre und Datenschutz. Stellen wir uns vor, alle digitalen Informationen würden sich nach einer gewissen Zeit von selbst zerstören. Es gäbe keine bis in alle Ewigkeit gespeicherten Datenmassen mehr, die von Geheimdiensten und Unternehmen durchforstet werden könnten. Auf Facebook könnte man getrost jeden Unsinn posten, mit der beruhigenden Gewissheit, dass der Post gleich wieder verschwände.

„Burn after reading“ – nach dem Lesen vernichten: Das war immer schon eine probate Methode, Informationen vor unerlaubtem Zugriff zu schützen. Viktor Mayer-Schönberger, der aus Österreich stammende Jurist und Big-Data-Experte, propagiert seit Längerem ein „Recht auf Vergessenwerden“. Von ihm stammt auch die Idee, Daten mit einer Art Ablaufdatum zu versehen. Dahinter steht die plausible Überlegung, dass die meisten digitalen Informationen nur für eine bestimmte Zeit gebraucht werden. Es gibt keinen Grund, alles zu speichern. In der analogen Kommunikation tun wir das auch nicht. Kein Mensch käme auf die Idee, jede bierselige Wirtshausunterhaltung für die Nachwelt zu dokumentieren. Zwar könnten die Geheimdienste natürlich auch flüchtige Datenmengen ausspähen. Aber es wäre ein unendlicher Spaß, sich vorzustellen, wie Myriaden von Dokumenten auf den Servern von NSA & Co. implodieren, um zischend in den Datenhimmel zu entweichen. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter

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