<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Entfremdung

Was die Digitale Revolution für unsere Arbeitswelt bedeutet.

Wir stehen vor einem „zweiten Maschinenzeitalter“, meinen die US-Ökonomen Andrew McAfee und Erik Brynjolfsson in ihrem kürzlich erschienenen Buch („The ­Second Machine Age“). Wie die Dampfmaschine einst die menschliche Muskelkraft ersetzt habe, so würden Computerprogramme in Zukunft unsere kognitiven Fähigkeiten ersetzen. Eine Reihe höherqualifizierter Berufe könnte überflüssig werden, weil Algorithmen schlicht einen besseren Job machen. Die Automatisierung des Geistes hat längst begonnen. Noch vor ein, zwei Jahrzehnten dachte man, Computer seien menschlicher Intelligenz zwar darin überlegen, einfache Regeln in rasender Geschwindigkeit anzuwenden. Beim Erkennen von Mustern und bei komplexer Kommunikation hingegen habe der Mensch die Nase vorn. Das hat sich grundlegend geändert. Computerprogramme können heute medizinische Diagnosen stellen, einfache Texte schrei­ben – und in zunehmendem Maße auch mit Menschen kommunizieren, siehe Apples Sprachassistent Siri. In immer mehr Bereichen unterstützen oder ersetzen Algorithmen menschliche Urteile und Entscheidungen, in der digital vernetzten Fabrik ebenso wie in der Transportlogistik oder im Börsen-Hochfrequenzhandel, wo hochkomplexe Computerprogramme binnen Sekunden hunderttausende Transaktionen abwickeln. Die Entwicklung ist zweischneidig. Die Industrielle Revolution hat die Menschen einst von anstrengender und gefährlicher Arbeit befreit, aber auch zu neuen Formen der Ausbeutung geführt. Ähnlich könnte uns die Digitalisierung von bestimmten kognitiven Aufgaben entlasten und damit Raum schaffen für neue, kreative Arbeitsformen, in denen wir die Algorithmen als Erweiterung unseres Geistes betrachten. Sie könnte aber auch entfremdete Formen der Arbeit hervorbringen, in denen nicht wir Programme nutzen, sondern die Programme uns.

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