<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Google minus

Warum sich der Internetkonzern Google von seinem sozialen Netzwerk verabschiedet.

"Google+ ist eine lebende Leiche“, verkündete neulich das gewöhnlich gut informierte US-Blog Techcrunch. So habe Google bereits begonnen, Mitarbeiter von seinem sozialen Netzwerk abzuziehen. Zugleich wurde bekannt, dass Google+-Schöpfer Vic Gundotra das Unternehmen verlässt. Die Zukunft des Netzwerkes, das als Konkurrenz zu Facebook gedacht war, gilt als ungewiss. Der erfolgsverwöhnte Internetkonzern dürfte an seinem Netzwerk jedenfalls wenig Freude haben. Mit Facebook und seinen 1,3 Milliarden Mitgliedern konnte Google+ nie mithalten; zuletzt war von 300 Millionen aktiven Nutzern die Rede. Es wäre nicht Googles erster Misserfolg, siehe etwa das Kooperationstool Wave oder die Gmail-Erweiterung "Buzz“ - beide längst abgeschaltet. Wirklich geschadet haben diese Flops Google nicht, im Gegenteil. Kein anderes Unternehmen lernt so schnell aus Fehlern. Die Misserfolge zeigen allerdings, dass selbst Google nicht allmächtig ist. Die wahre Macht im Netz haben eben die Nutzer. Und wenn die wegbleiben, kann auch Google nicht viel machen. Unter Nerds galt Google+ zwar stets als die wesentlich elegantere Lösung im Vergleich zu Facebook - aber eben nur unter Nerds. Es gelang Google nie, auf seinem Netzwerk jene heimelige Atmosphäre zu erzeugen, die Facebook-Nutzer so lieben. Die Google-Ingenieure entwickeln ziemlich perfekte Algorithmen, das Menschliche, das Soziale hingegen ist ihnen eher fremd. Wie es aussieht, zieht der Konzern nun die Konsequenzen aus dem "Votum“ der Nutzer; es wird spekuliert, dass Google+ künftig als Plattform für Android-Anwendungen dienen soll. Das ist sicherlich kein Fehler. Eine der Stärken von Google liegt auch darin, zu erkennen, was Google nicht kann - und deshalb besser bleiben lassen sollte. Wie denken Sie darüber? Bitte schrei­ben Sie mir: thomas.vasek@profil.at