<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Höchste Eisenbahn

Vor 44 Jahren entstand das Internet. Die Zeit wäre reif, es zu einem echten Freiheitsraum zu machen.

Das Internet sah einmal ganz anders aus, als es uns heute erscheint, obwohl es sich im Kern gar nicht verändert hat. Wer das versteht, der begreift auch besser, was das Netz wirklich ausmacht. In den Monaten zwischen September 1969 und Mitte 1970 nahm Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network) seinen Betrieb auf: ein dezentrales Computernetzwerk, das den Austausch von Daten über Telefonleitungen ermöglichte. Im Auftrag der US-Militärs entwickelt, sollte es amerikanische Universitäten miteinander verbinden, die militärische Forschung betrieben. Das Revolutionäre am Arpanet war die Technik der Paketvermittlung – eine effiziente Übertragungsmethode, bei der längere Nachrichten in einzelne Datenpakete aufgeteilt werden, die getrennt voneinander das Netz durchqueren.

Das ist bis heute der Kern des Internets geblieben. Das Internet ist nicht das Web. Es ist nur eine technische In­frastruktur, vergleichbar einem Eisenbahnnetz. Websites bilden lediglich einen Teil des Datenverkehrs. E-Mails oder Skype-Telefonate laufen ebenso über das Internet wie
Facebook-Updates oder gestreamte Musik und Filme. Das Netz selbst ist daher weder gut noch böse – es kann alles Mögliche sein. Was das Netz ist, bestimmen jene, die es nutzen. Wer bei Amazon einkauft, Pornos schaut oder über Skype ­telefoniert, nutzt die gleiche technische Infrastruktur wie Google oder die NSA. Das Internet selbst ist neutral; die Art, wie wir es nutzen, ist es nicht. Es ist eine „Plattform für Überraschungen“, wie der US-Autor John Naughton schreibt („From Gutenberg zu Zuckerberg“). ­Genau deshalb haben wir die Chance, die Macht von Google, NSA & Co zurückzudrängen und das Netz heute, nach 44 Jahren, zu jenem Freiheitsraum zu machen, der es auch sein könnte. Viel Zeit bleibt uns nicht.

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thomas.vasek@profil.at