<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Verlag Amazon

Wie der Onlinehändler den Verlagen Konkurrenz machen will.

Amazon steigt ins deutschsprachige Verlagsgeschäft ein. Schon im Frühjahr will der Onlinehändler die ersten Belletristiktitel als E-Books sowie als Printausgaben verfügbar machen. Ganz überraschend kommt das nicht. Schon seit einigen Jahren gibt es das Programm „Amazon Publishing“, das es Autoren ermöglicht, ihre Titel auf Amazon zu publizieren – unter Umgehung von Verlagen und traditionellem Buchhandel. Die Buchbranche hat jetzt einen Grund mehr, den Onlinehändler zu hassen. Bisher war Amazon nur ein gefürchteter Vertriebspartner, bekannt für harte Konditionen. Nun tritt der Konzern in direkten Wettbewerb und konkurriert mit den Verlagen nicht nur um Leser, sondern auch um Autoren. Produktion und Vertrieb von Büchern liegen damit in einer Hand. Die Konsequenzen für den Buchmarkt sind unabsehbar. Die Verlage könnten sich zwar damit beruhigen, dass Amazon bisher hauptsächlich Bücher unbekannter Autoren verlegt hat, aber es gibt wenig Grund, zu glauben, dass dies so bleibt. Sicher haben die Verlage immer noch den direkten Zugang zum Buchhandel, sie kennen ihre Autoren meist persönlich und bieten qualifizierte Betreuung – zumindest im Idealfall. Doch man sollte Amazon nicht unterschätzen. Laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ wird in der Branche gemunkelt, der Onlinehändler könnte bekannte Autoren mit Tantiemen von bis zu 30 Prozent vom Verkaufspreis locken; zugleich wird er natürlich seine technologischen Fähigkeiten einsetzen. Der Amazon-Algorithmus em­pfiehlt bekanntlich Bücher auf Basis des bisherigen Kaufverhaltens, korreliert mit dem Kaufverhalten anderer Kunden. Damit lassen sich wohl auch die Erfolgsaussichten noch ungeschriebener Bücher statistisch berechnen. Ob das funktioniert, wird sich weisen. Vielleicht scheitert „Big Data“ ja ausgerechnet am Kulturgut Buch. Aber darauf sollten sich die Verlage genauso wenig verlassen wie auf die Treue ihrer Autoren. Wie denken Sie darüber? Bitte schrei­ben Sie mir:

thomas.vasek@profil.at