Denkfehler: Warum ist es so schwierig, die Welt rational zu betrachten?

Denkfehler: Warum ist es so schwierig, die Welt rational zu betrachten?

Wir leben angeblich im postfaktischen Zeitalter. Aber hat die Menschheit früher tatsächlich rationaler gedacht und gehandelt? Alwin Schönberger über unser tief verwurzeltes Unvermögen, mit Fakten angemessen umzugehen.

Der Mann gab sich keinen Illusionen darüber hin, ob sich unsere Spezies von Fakten leiten lässt. Selbst wenn zu einem Thema gesichertes Wissen vorliege, schrieb er, "stört die Erkenntnis oft das Behagen, und schließlich ist der Mensch so angelegt, dass ihm der Schein mehr zusagt als die Wirklichkeit". Es sei schlicht "töricht, wenn man glaubt, auf den Dingen selbst beruhe das menschliche Glück. Von den Meinungen hängt es ab."

Worauf mag der Autor mit diesem Zweifel an unserer Vernunft anspielen? Auf all die heillos verbogenen Wahrheiten, die serielle Bestätigung der jeweils eigenen Vorurteile, die auf Facebook mit distanzloser Begeisterung aufgesaugt und flugs in das eigene Weltbild eingepasst werden? Auf die bizarren, von Tatsachen weitgehend unbeschwerten Äußerungen im unwürdigen US-Wahlkampf? Auf die mit lähmender Regelmäßigkeit wiederkehrenden Behauptungen, dass die Erde doch eine Scheibe ist, Kondensstreifen den Himmel vergiften, Wasser ein Gedächtnis besitzt oder Impfungen Autismus erzeugen?


Zu allen Zeiten haderten Denker und Naturforscher mit dem Umstand, dass sich viele Menschen offenkundig mit der Ratio plagen.

Weit gefehlt: Die Zeilen sind ein halbes Jahrtausend alt und stammen von dem Gelehrten und Theologen Erasmus von Rotterdam. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasste er eine bissige, vor Spott und Ironie triefende Schrift mit dem Titel "Lob der Torheit". Rationales Verhalten, so Erasmus, laufe der Natur des Menschen prinzipiell grob zuwider, so wie auch ein Esel wenig Talent für Grammatik besitze. Der Mensch, so darf die Grundidee des Textes wohl interpretiert werden, kommt mit kühlen Fakten, die seine bisherigen Überzeugungen erschüttern könnten, schwer zurande. Er pickt sich lieber jene heraus, die ihm genehm sind, oder formt sie so lange nach seiner Façon, bis sie hinlänglich mit seiner individuellen Geistes-und Gefühlswelt harmonieren.

Dafür gibt es auch einen aktuellen Modebegriff, der soeben eine beachtliche Karriere durchläuft. "Postfaktisch" heißt das, was Erasmus einst beschrieb, heute im Zeitjargon. Im November kürte die Redaktion des Oxford English Dictionary den Terminus "post-truth" zum "internationalen Wort des Jahres 2016". Die Wahl erkläre sich aus dem "Aufstieg der sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establisment angeboten werden". In der Tat begegnet uns die Rede von der "postfaktischen Ära" derzeitig ständig, ob aus dem Munde der deutschen Kanzlerin Angela Merkel oder verpackt in die Ausführungen sorgenvoll dreinblickender Kommentatoren des politischen Geschehens.

Abgesehen davon, dass das Wort selbst eher unsinnig ist -die Fakten selbst existieren natürlich nach wie vor, es kann also keine Zeit nach den Fakten geben, sondern höchstens eine, in der diese ignoriert werden -, stellt sich die Frage: Stimmt es denn überhaupt, dass sich die Menschen unserer Epoche immer weniger von Tatsachen beeindrucken lassen? Oder anders formuliert: Haben wir früher rationaler agiert?

Eher nein, und darauf deutet nicht nur die Polemik von Erasmus hin. Zu allen Zeiten haderten Denker und Naturforscher mit dem Umstand, dass sich viele Menschen offenkundig mit der Ratio plagen, zum Beispiel Sebastian Brant in seinem 1494 erschienenen Klassiker "Narrenschiff". Brant erkannte auch, wie anfällig manche Personen für falsche Propheten, Rattenfänger und Scharlatane sind, wenn sie unwillig oder zu träge sind, ihren Verstand zu schärfen: "Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen sein."


Humbug lässt sich nicht widerlegen, denn schließlich kann man nicht beweisen, dass etwas nicht existiert.

Im vorigen Jahrhundert war es etwa Hannah Arendt, die bedauerte, dass die "Massen an die Realität der sichtbaren Welt nicht glauben". Viele Menschen würden "so wenig durch Tatsachen überzeugt, dass selbst erlogene Tatsachen keinen Eindruck auf sie machen", schrieb die Publizistin Mitte der 1950er-Jahre. Noch ein Stück näher an den Kern des heute postfaktisch Genannten rückte der Philosoph Harry Frankfurt in den 1980er-Jahren heran. Frankfurt prägte mit "Bullshitter" einen prächtigen Fachbegriff für verbalen Müll, wie ihn etwa Donald Trump in die Welt setzt, wenn er die Chinesen der Erfindung des Klimawandels verdächtigt, oder wie ihn wunderliche Heiler von sich geben, wenn sie etwa "Quantenmedizin" anpreisen, ein gänzlich sinnfreies Nichts.

Ein "Bullshitter" kümmert sich, sehr ähnlich den Apologeten des Postfaktischen, keinen Deut um Fakten und Wahrheit. Er ist allerdings kein Lügner. Denn Letzterer kennt den Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit genau, führt Menschen gezielt hinters Licht und trachtet danach, sich tunlichst beim Lügen nicht ertappen zu lassen. Dem Bullshitter hingegen ist das völlig einerlei. Wer Bullshit produziert, schert sich nicht darum, was wahr oder falsch ist. Tatsachen spielen schlichtweg keine Rolle, Fiktion und Erfindung werden beherzt, ohne Reue, mitunter gar mit Stolz zu einem diffusen Gedankenbrei verrührt, und wer immer das subjektive Gefühl hat, dass die jeweilige Mixtur zu seiner persönlichen Befindlichkeit und Anschauung passt, darf mit an Bord kommen. Man erschafft eine genehme Realität, teilt sie mit Gleichgesinnten, und Fakten werden dabei zu lästigen Störgeräuschen. Die eigene Meinung entscheidet vielmehr, was stimmt oder nicht -und es fehlt jede Einsicht, dass das problematisch sein könnte.

Typisch für Bullshit ist weiters, dass er sich schwer bis unmöglich entkräften lässt. Eines der wesentlichen Merkmale von Wissenschaft besteht darin, dass durch Experiment, Beobachtung oder Berechnung gewonnene Erkenntnisse theoretisch auch falsifizierbar sind. Hat sich ein Forscher geirrt, können Kollegen seine Thesen widerlegen. So entsteht nach und nach gesichertes Wissen, und die Fachwelt stützt sich dabei auf die Konvention, dass Verifikation oder Falsifikation auf Basis akzeptierter, nachprüf-und nachvollziehbarer Daten und Methoden erfolgt.

Humbug indes lässt sich nicht widerlegen, denn schließlich kann man nicht beweisen, dass etwas nicht existiert. Und so könnte man kühn postulieren, dass in entlegenen Winkeln unseres Planeten Reptilien-Aliens hausen (was tatsächlich behauptet wird) oder das Universum in Wahrheit ein Schaukelstuhl ist, der sich lediglich als Universum tarnt (was soeben erfunden wurde, aber auch nicht absurder klingt als real existierender Bullshit) - und niemand könnte einen stichhaltigen Gegenbeweis antreten.


Jeder von uns ist bisweilen Opfer seiner Gemütslage, seines Gefühlszustandes, seiner Prägungen, Präferenzen und Erwartungshaltungen.

Die Wissenschaftstheorie kennt überdies eine ganze Werkzeugkiste voller Pseudoargumente, mit denen versucht wird, Bullshit den Anschein von Plausibilität zu verleihen, obwohl diese verbalen Waffen nicht einmal in Ansätzen darauf abzielen, sich den Fakten anzunähern. So ist das "argumentum ad populum" bei Anhängern manch alternativmedizinischer Strömungen recht beliebt. Es suggeriert, dass eine Behandlung wirksam sein müsse, wenn sie seit Jahrhunderten bei einer großen Zahl von Menschen beliebt sei -ein krasser Fehlschluss, dessen volkstümliche Variante folgendermaßen lautet: Esst Fäkalien, Milliarden von Fliegen können nicht irren.

Das "argumentum ad ignorantiam" wiederum passt besonders schön zum derzeit ausgerufenen Postfaktizismus, weil es das eigene Nichtwissen zum allgemeinen Goldstandard erhebt. Grundprinzip: Ich habe keine Ahnung von einem Thema, also ist darüber nichts bekannt. Und das "argumentum ad hominem", um noch ein Beispiel zu nennen, soll einen Menschen, der nicht die eigene Meinung vertritt, auf persönlicher Ebene diskreditieren, ohne auf dessen Sachargumente je einzugehen.

Allein die Sammlung der Scheinargumente zeigt erneut: Was heute als "postfaktisch" bezeichnet wird, ist keineswegs ein neues Phänomen.

Hat der Mensch womöglich seit jeher ein Problem mit der Wirklichkeit, wie schon Erasmus von Rotterdam vermutete? Bis zu einem gewissen Grad wohl schon, und das betrifft uns alle. Natürlich lässt sich nur eine kleine Minderheit dazu bewegen, an holprige Verschwörungstheorien zu glauben, und es ist gewiss ein weiter mentaler Weg, um zur Überzeugung zu gelangen, die Republik existiere in Wahrheit nicht, weshalb man deren Gesetze und Autoritäten nicht anerkennen müsse. Doch das sind letztlich nur extreme Auswüchse eines in uns allen angelegten Hangs zum Irrationalen.

Jeder von uns ist bisweilen Opfer seiner Gemütslage, seines Gefühlszustandes, seiner Prägungen, Präferenzen und Erwartungshaltungen. Studien zeigen, wie aufwendig es ist, einmal verfestigte Überzeugungen mit Fakten, so gut abgesichert sie auch sein mögen, zu ändern. Sind Menschen sicher, dass die Warnungen vor immer heftigeren Wetterereignissen übertrieben sind, richten auch solide Statistiken über sich häufende Klimakatastrophen wenig aus. Präsentiert man denselben Personen aber Daten, die ihre vorgeformte Meinung stützen, bestärkt sie dies in ihrer Ansicht. Wir wollen mit Macht an dem festhalten, was wir bereits glauben, und akzeptieren Gegenteiliges nur mit äußerstem Widerwillen.

Überhaupt, die Zahlenwelt. Statistiker konstatieren regelmäßig, dass der Mensch ziemlich miserabel dabei abschneidet, mit Prozenten, Wahrscheinlichkeiten und Risiken zu hantieren, oft regelrecht zahlenblind ist. Wir fürchten uns vor Ebola, aber kaum vor der jährlichen Grippewelle, die in unseren Breiten tatsächlich Tausende Menschenleben kostet. Wir geraten in Panik, wenn winzige Dosen des Unkrautvernichters Glyphosat im Bier nachgewiesen werden, haben aber kein Problem mit den rund fünf Prozent eines fraglos gefährlichen Nervengifts darin: Alkohol. Wir ängstigen uns nach einem Terroranschlag vor dem Fliegen und steigen stattdessen bereitwillig auf das viel gefährlichere Auto um. So stieg in den USA die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle in den ersten Monaten nach den Anschlägen des 11. September 2001 merklich über den langjährigen Schnitt - mehr Menschen als zuvor hatten in dieser Zeit den Straßenstatt des Flugverkehrs gewählt.

Vertreter der relativ jungen Disziplin der Verhaltensökonomie wiederum monieren, dass die Wirtschaftswissenschaft immer noch zu sehr von einem Idealbild ausgeht und in Prognosen zwar berücksichtigt, wie sich Menschen verhalten sollten - aber nicht, wie sie sich tatsächlich verhalten: nämlich irrational, emotional und harte Information aussparend. Vor einigen Jahren erschien ein Sachbuch zu dem Thema mit dem treffenden Titel: "Denken hilft zwar, nützt aber nichts".


Zu einer nüchternen, erkenntnisorientierten Betrachtung der Welt, permanentes Eingestehen von Irrtümern und Fehlschlüssen inklusive, müssen wir uns täglich erst aufs Neue durchringen.

Auch ausgewiesene Fachleute sind nicht davor gefeit, im Fall des Falles mit dem eigenen professionellen Instrumentarium kaum voranzukommen. Der Psychologe und Bildungsforscher Gerd Gigerenzer berichtet in einem Essay von einem Professor, der sich nicht und nicht entscheiden konnte, ob er ein Jobangebot annehmen sollte. Von einem Kollegen darauf hingewiesen, dass doch gerade er Experte im kühlen Abwägen und Gewichten aller sachlichen Vor-und Nachteile sei und ständig darüber forsche und publiziere, soll der Mann geantwortet haben: "Hör auf damit, das ist jetzt ernst."

Wir täuschen uns also und betrügen uns zuweilen selbst, wenn wir denken, unsere Gehirne seien darauf gepolt, unentwegt Fakten zu bewerten und zuverlässig auf deren Basis zu entscheiden. Man könnte durchaus sagen: Wir sind bis zu einem gewissen Grad von Natur aus chronisch und hoffnungslos postfaktisch. Aber warum?

Einen Erklärungsvorschlag präsentiert Gigerenzer, der sehr erhellende Bücher über Statistik und Risiken verfasst hat: Der Mensch sehnt sich nach Gewissheit, verfällt dabei aber einer Illusion. Denn fast nichts im Leben ist hundertprozentig -vom Wetterbericht über medizinische Diagnosen bis zum DNA-Profil. Stets müssen wir mit Wahrscheinlichkeiten operieren, einen dehnbaren Graubereich akzeptieren und gewärtigen, dass alles ganz anders kommen kann als erwartet.

Doch der Mensch müht sich mit der Einsicht, dass auf wenig wirklich Verlass ist, oder, wie es Gigerenzer formuliert: "Trügerische Gewissheit ist Teil unseres emotionalen und kulturellen Erbes." Da schätzt man einen windstillen Hafen der Kontinuität, ein Bollwerk gegen Ungewissheit, das beunruhigende Gedanken systematisch ausblendet. Diese Funktion kann eine Religion ebenso einnehmen wie eine Verschwörungstheorie oder sonst ein in klaren, simplen Schwarz-Weiß-Tönen gehaltenes Modell -Hauptsache, die Irritation und die Konfrontation mit mentalen Störeinflüssen werden in Grenzen gehalten und man ist in die dämmende Watteschicht des eigenen Glaubenskonstrukts gepackt.

Manche Forscher vertreten die Ansicht, dass ein Gehirnmodul für langwieriges und reflektierendes Denken für uns serienmäßig gar nicht eingeplant sei. Die Evolution habe eher ein schnelles Entscheiden nach dem ersten, flüchtigen Eindruck begünstigt: Siehst du einen Schwanz aus dem Gebüsch ragen, denke dir umgehend den ganzen Löwen dazu und hau ab. Dieses uralte Checksystem des Hirns war in der Frühzeit der menschlichen Evolution wohl überlebensnotwendig. Eine sorgfältige Faktenprüfung, ob es sich wirklich um einen Löwen oder ein anderes, vielleicht harmloses Tier handelt, war ursprünglich eher nicht vorgesehen. Zu einer nüchternen, erkenntnisorientierten Betrachtung der Welt, permanentes Eingestehen von Irrtümern und Fehlschlüssen inklusive, müssen wir uns täglich erst aufs Neue durchringen.


In extremer Ausprägung fühlen sich manche Menschen mit einem Trugbild wohler, weil es ihnen die kalte, unstete, bisweilen trostlose Wirklichkeit vom Hals hält.

Andere Wissenschafter würden diese Einschätzung zu simplifizierend finden, doch zutreffend ist zumindest, dass wir auch heute in vielen Situationen schnell entscheiden, ohne mit viel Aufwand die Fakten zu würdigen -und dass dies durchaus sinnvoll oder geradezu unvermeidlich sein kann. "Heuristiken" werden Entschlüsse genannt, die wir spontan und unter Nichtbeachtung der meisten sachlichen Informationen fassen. Bei einer Notlandung wenden Piloten intuitiv die sogenannte Blickheuristik an: Um zu wissen, ob sie es noch schaffen, ein Gebäude zu überfliegen, könnten sie zwar Höhe, Geschwindigkeit, Luftwiderstand und weitere Parameter berücksichtigen. In der Praxis folgen sie aber meist einer einfachen Regel: Steigt das Gebäude allmählich im Cockpitfenster auf -sofort abdrehen.

Dennoch stellt sich die Frage: Sollte man generell nicht annehmen, dass wir im Zeitalter der Bildungsgesellschaft, der umfassenden, allgegenwärtigen und leichten Verfügbarkeit von Information, allmählich besser darin werden, auch mit abstrakten, komplexen Fakten zurechtzukommen? Und wie können postfaktische Geisteshaltungen und Bullshit aller Art erblühen, wenn wir doch heute mehr Wissen anhäufen als je zuvor. Wir können viele Lichtjahre entfernte Sterne untersuchen und die sonderbaren Gesetze in der Mikrowelt der subatomaren Teilchen ergründen. Wir können abzählen, wie viele Veränderungen Zigaretten im Erbgut hinterlassen und an DNA-Strängen gezielt herumschnippeln. Und Woche für Woche erscheint ein rund ein Meter hoher Stapel an Fachliteratur -und zwar allein in der Medizin. Nicht, dass das alles immer segensreich wäre, und nicht, dass wir deshalb auf dem Weg wären, die letzten Rätsel dieser Welt zu lösen. Doch wir sehen immer deutlicher, was sich inzwischen zumindest theoretisch alles erforschen lässt und welches Potenzial die Naturwissenschaft besitzt.

Vielleicht ist aber genau das unser Problem. Auch wenn wir in Wahrheit wohl erst auszuloten beginnen, was noch alles im Dunkel liegt, erzeugt das immer effizientere und präzisere Vermessen der Realität vielleicht einfach ein unangenehmes Gefühl; eine vage, unsympathische Ahnung davon, dass das Geheimnisvolle, per se Unerklärliche, Mystische an Boden verliert; dass die heimeligen Bastionen des schönen Scheins auf Dauer nicht sicher sind. In extremer Ausprägung fühlen sich manche Menschen dann mit einem Trugbild wohler, weil es ihnen die kalte, unstete, bisweilen trostlose Wirklichkeit vom Hals hält. So lässt sich postfaktisches Denken letztlich in einem alten Bürospruch zusammenfassen: "Ich habe mir meine Meinung schon gebildet. Bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen."