Grippe: 33 Fragen und Antworten zu Erkältung, Husten und Schnupfen

Grippe: 33 Fragen und Antworten zu Erkältung, Husten und Schnupfen

Pünktlich zur nasskalten Saison schnupfen und husten die Menschen wieder ausgiebig. Grippale Infekte sind zwar nicht gefährlich, doch fast jeder, der zurzeit mit U-Bahn oder Bus fährt, fragt sich: Wie weit fliegen Viren? In welcher Distanz bin ich sicher? Ab wann ist jemand nicht mehr infektiös? Und: Wer hat mich angesteckt? 33 Fragen und Antworten zu Erkältung, Husten und Schnupfen. Plus: welche Viren wirklich gefährlich sind.

Von Elisabeth Schneyder

Der Weg der Viren

1. Wie verläuft die Ansteckung genau?

Häufigster Übertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion: Durch Husten oder Niesen segeln Sekretpartikel in die Luft. Größere Tropfen sinken nach unten und verkleben mit Oberflächen - also auch etwa mit dem Körper. Kleinere mischen sich mit der Luft zu einem Aerosol und können auf diesem Weg mit dem Atem in den Körper gelangen. Bei der Schmierinfektion dagegen gelangen die Krankheitserreger an Haut und Schleimhäute. Die echte Grippe wird in erster Linie durch Nasen-Rachen-Sekrete bei nahem Kontakt zu einem Infizierten übertragen, aber kaum über Aerosol.

2. Was geschieht im Körper bei der Infektion?

Zuerst erreichen die Viren die Schleimhäute der oberen Atemwege. Hier treffen sie auf eine Schleimschicht, die vor dem Eindringen von Erregern schützen soll. "Viren können diesen Schutzmechanismus mithilfe des Enzyms Neuraminidase durchbrechen. Das Enzym löst den Schleim auf, und das Virus kann direkt zu den Schleimhautzellen vordringen“, erklärt Hans Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie am Wiener Institut für Umwelthygiene. In der Folge kann der Erreger mit dem "mitgebrachten“ Molekül Hämagglutinin die Zellen quasi aufschließen und ins Innere gelangen. Dort beginnt sich das Virus sofort zu vermehren, bis die Zelle voller neuer Viren ist. Die Zellmembran zerreißt, die Schleimhautzelle stirbt und setzt frische Viren frei, die ihrerseits weitere Zellen infizieren. Reste der toten Schleimhautzellen aktivieren spezielle Abwehrzellen, welche die Entzündungsreaktion einleiten und Fieber auslösen. Zugleich wird die Schleimproduktion gesteigert, um Eindringlinge und Zellreste schneller nach außen zu befördern. Da der Flimmerteppich, der den Schleim nach oben transportieren soll, jedoch nicht mehr intakt ist, verklumpt das Sekret: Die Atemwege verengen sich, der Husten beginnt.

3. Wie nah muss man jemandem kommen, um selbst infiziert zu werden? Und bei welchem Abstand ist man sicher?

Manche Experten vermuten, bei Influenza bestehe auch in rund fünf Meter Nähe zu einem Infizierten kein Risiko. Bei einem hustenden Menschen seien demnach sogar zwei Meter Distanz wahrscheinlich genug. Dazu Hutter: "Bei Husten oder Niesen macht es einen Unterschied, ob man sich in einem geschlossenen Raum oder im Freien aufhält.“ Es gibt Empfehlungen, drei Meter Abstand zum Niesenden zu halten - andererseits aber auch Belege, wonach Viren über 30 oder 40 Meter weit fliegen können. Eine U-Bahn-Garnitur würden sie damit locker durchmessen. Hutter: "Setzt jemand zum Niesen an, müsste man theoretisch in Usain-Bolt-Manier losstarten, um binnen Sekunden weit weg zu sein, wenn man sichergehen will. Eines steht fest: In der Öffentlichkeit gibt es während der Grippezeit ein gewisses Risiko.“ Bis zu 30 Prozent der Influenza-Infizierten bleiben beschwerdefrei - und verbreiten doch Viren im öffentlichen Raum.

4. Schwirren die Keime eines Erkrankten so sehr durch die Luft, dass schon eine Fahrt im selben U-Bahn-Waggon zur Infektion führt? Oder braucht es direktes Anniesen, Anhusten oder gar eine gemeinsame Nacht im selben Bett?

"Man kann das über die Tröpfchen schätzen, die ausgestoßen werden“, schildert Spezialist Hutter. "Ein Huststoß erreicht bis zu 80 Stundenkilometer und enthält einige tausend Tröpfchen, die im Umkreis von mehreren Metern verteilt werden. Niesen befördert einige zehntausend Tröpfchen mit bis zu 160 Stundenkilometern in die Umgebung.“ Daher ist der "Aktionsradius“ ziemlich groß. "Aus der Zahl der Tröpfchen lässt sich ungefähr die Zahl der Erreger hochrechnen. Auf jedem Tröpfchen, sitzen‘ sicher 1000 Viren“, so Hutter.Daraus lässt sich ableiten, dass sich die vielen Millionen Erreger in einem geschlossenen Raum fein verteilen. Sie sinken nicht nur mit den größeren Tröpfchen zu Boden, sondern können auch in der Luft umherschweben. Soll heißen: Sich im Autobus schnell einen anderen, vermeintlich sicheren Sitzplatz zu suchen ist keine effiziente Strategie. Norbert Vetter, Lungenfacharzt und Vorstand am Pulmologischen Zentrum Baumgartner Höhe: "Schon im selben Raum wie ein Erkrankter zu sein kann für Infektion durchaus genügen.“

5. Wie lange ist die Luft mit Viren kontaminiert, wenn eine kranke Person im Raum war?

"Bei normalen Temperaturen liegt die Halbwertszeit in der Raumluft befindlicher Viren bei ungefähr 30 bis 60 Minuten“, sagt Vetter. "So lange bleibt Aerosol, also zum Beispiel ausgehustete Tröpfchen, in der Luft hängen und enthält infektiöse Viren. Danach reduziert sich das Ansteckungsrisiko durch Einatmen der Luft um zirka die Hälfte.“ Wenn es gerade viele verschiedene Viren hagelt, sind Räume voller Menschen zwangsläufig eine Gefahrenquelle. "Es gibt Untersuchungen, die in geschlossenen Räumen bis zu 16.000 Viren pro Kubikmeter nachweisen konnten“, berichtet Hutter.

6. Wann sind Erkrankte besonders "gefährlich“? Wenn sie heftig husten und schnupfen? Oder vielleicht in früherer Phase, kurz nach der eigenen Infektion?

"Bei Influenza gilt: Haben Viren einen menschlichen Wirt gesucht, setzen die Symptome schnell und heftig ein. Ansteckend sind die Betroffenen allerdings bereits einen Tag vor Erkrankungsausbruch - und bleiben es etwa eine Woche lang. Wenn man sich gesund fühlt, kann man auch wieder unter Leute gehen. Etwas anders ist die Sachlage bei grippalen Infekten: So lange geschnäuzt und gehustet wird, besteht Übertragungsgefahr. Dann sollte etwa ein Kind - auch aus Rücksicht auf andere - noch nicht in die Schule gehen. "Solange Viren ausgeschieden werden, besteht hohe Ansteckungsgefahr. Und Viren werden ausgeschieden, solange Schleim im Husten ist oder die Nase rinnt“, so Pulmologe Vetter. Da die Erreger grippaler Infekte sehr unterschiedlich sind, sieht Franz Xaver Heinz, Vorstand des Departments für Virologie der Med-Uni Wien, kaum eine Chance, andere sicher vor Viren zu bewahren: "Man kann ja nicht alle Menschen wegen eines Schnupfens unter Quarantäne stellen. Wir alle müssen mit U-Bahn oder Bus fahren und damit rechnen, uns dabei vielleicht anzustecken.“

7. Wird man krank, wenn man friert? Kann man sich wirklich "erkälten“ oder "verkühlen“?

Auslöser sind Viren, nicht Temperaturen. Man fröstelt beim Anfiebern, weil die eigene Körpertemperatur steigt, die Umgebungstemperatur aber gleich bleibt. Fiebert man ab, sinkt die Körpertemperatur wieder, und man schwitzt, weil man die Umgebungstemperatur als wärmer empfindet. Aber, so Vetter: "Zu leicht bekleidet für die Außentemperatur zu sein verschlechtert die Abwehrlage und ermöglicht die Vermehrung von Viren.“ Sich oder seine Kinder während der Fieberphase gar zu warm einzupacken kann jedoch kontraproduktiv sein, warnt der Wiener Kinderarzt Andreas Böck: "Das treibt die Körpertemperatur zusätzlich in die Höhe.“ Fieber ist ein Symptom, aber nicht die Krankheit selbst. Der Körper beschleunigt durch die Hitze zwar die Immunreaktion, um schneller zu genesen. Zu hohe Temperaturen werden aber ihrerseits zur Belastung.

8. Wie lange nach einer Infektion müssten sich erste Symptome einstellen? Kann man herausfinden, bei wem man sich angesteckt hat?

Die Inkubationszeit beträgt zwei bis vier Tage. Erkrankte, mit denen man in dieser Zeit Kontakt hatte, sind wahrscheinliche Überträger. Vereinfacht gesagt: Man darf nicht jene Zeitgenossen verdächtigen, die man gestern getroffen hat, sondern jene, mit denen man vorgestern Kontakt hatte. Gewissheit in Bezug auf konkrete Personen ist allerdings kaum möglich, weil stets auch Viren anderer Menschen, deren Hustenschwall oder Sekretspuren, etwa an Türklinken, man gar nicht bewusst wahrgenommen hat, die Infektion verursacht haben können. Heinz: "War man in den vergangenen zwei bis vier Tagen nur am Bett der kranken Tante, wird diese wahrscheinlich, schuld‘ gewesen sein. Aber ernsthafte kriminalistische Arbeit ist das nicht.“

9. Warum kommt zu einem Schnupfen oft bald Husten hinzu - und umgekehrt?

Es kommt darauf an, wo das Virus andockt. Ist es die Lunge, beginnt es mit Husten; ist es die Nase, steht der Schnupfen am Anfang. Ein Übergreifen von einem Bereich auf den anderen ist schwer zu verhindern, weil die Viren mit den Sekreten "wandern“ können. Außerdem haben auch Bakterien leichtes Spiel, wenn die Schleimhäute und/oder Bronchien durch die Erstinfektion geschwächt sind. Übrigens: Schnupfen ist kein Influenza-Anzeichen!

Wer Wirt wird

10. Wieso gibt es Menschen, die sich jedes kursierende Virus einfangen?

"Das hängt von der persönlichen Abwehrlage ab“, sagt Vetter. Rauchen, aber auch Grunderkrankungen wie Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) machen anfälliger, weil die Bronchien verengt sind, sich Schleim sammeln kann und die Vermehrung von Viren oder Bakterien leichter wird. Es sei also wichtig, Begleiterkrankungen zu behandeln. Bei Influenza sind angeblich ältere Menschen besonders gefährdet - wobei man nach offizieller Definition schon ab 50 Jahren als "älter“ gilt. Und Grunderkrankungen wie Herz-oder Stoffwechselkrankheiten steigern das Risiko.

11. Warum gibt es andererseits Menschen, die seit vielen Jahren nicht oder sogar noch nie krank waren? Existiert ein natürlicher Schutz vor solchen Infektionen?

"Die Disposition ist schon auch genetisch bedingt. Denken Sie zum Beispiel an Polio: Nur eine von 100 mit dem Virus infizierten Personen erkrankt daran“, erläutert Heinz. Es gebe in der Tat Menschen, deren Abwehrlage von vornherein besser gegen Infektionen gewappnet ist. Zudem trägt der Körper Abwehrkräfte gegen schon einmal überwundene Infekte bereits in sich: Das Immunsystem "erinnert“ sich an diese Erreger und kann sie effizienter bekämpfen. Diese so genannte "stille Feiung“ hat einen ähnlichen Effekt wie Impfungen. Natürlich spielen überdies Grundleiden und der Lebensstil eine Rolle.

12. Warum gibt es Phasen, in denen man offenbar problemlos jede Grippeattacke abwehrt, während einen in anderen Zeiten der kleinste Nieser ins Bett zwingt?

Auch hier gilt: Die persönliche, aktuelle Abwehrlage zählt. Und diese wird zusätzlich von Faktoren wie Stress oder Seelenkrisen beeinflusst. Vetter: "Psychische Belastungen und ständiger Druck können zu einer Schwächung der Immunabwehr führen.“ Hat der Körper überdies etwa mit zwei unterschiedlichen Erregern zugleich zu kämpfen, kann dies das Immunsystem überfordern. Prasseln also gerade von allen Seiten Viren auf den Organismus ein, liegt es nahe, dass die Körperabwehr kapituliert.

13. Kann man von jedem angesteckt werden? Oder ist es denkbar, dass man mit manchen Infizierten stundenlang unbeschadet zusammensein kann - von anderen Menschen aber sofort angesteckt wird?

Ob man sich Viren abholt, hängt nicht von den anderen, sondern allein vom eigenen Abwehrzustand ab. Genetische Kompatibilität oder Inkompatibilität als Übertragungsfaktor ist bei Grippeviren wie auch grippalen Infekten nicht bekannt. Virologe Heinz: "Es wird ja nicht das Immunsystem übertragen, sondern das Virus.“

14. Ist während eines grippalen Infekts auch das Risiko erhöht, sich andere Infektionen einzufangen?

Ja, weil der geschwächte Organismus anfälliger ist. Und Mehrfachbelastung führt logischerweise zu Abwehrschwächen.

15. Wieso erwischen uns grippale Infekte so oft genau im ersehnten Urlaub, wenn wir uns erholen und neue Kräfte sammeln könnten?

Weil Faktoren wie Stress, seelische Überforderung und psychischer Druck Einfluss auf die Immunabwehr haben. Kehren plötzlich Ruhe und Entspannung ein, werden weniger Hormone ausgeschüttet, welche die Immunsituation verbessern. Mit geringerem Adrenalin- und Cortisolpegel werden wir aber auch empfindlicher und damit anfälliger für Krankheitserreger. Andererseits kann Stress aber auch die Abwehrkräfte schmälern, wenn er chronisch und negativ ist. Denn Stress ist nicht gleich Stress, wie wissenschaftliche Studien zeigten: Optimistische Studenten wurden im Prüfungsstress weniger empfänglich für Infekte der oberen Atemwege als jene Studienkollegen, die den Druck negativ beurteilten. Vereinfachte Conclusio: Wer das Leben sonnig sieht, kriegt seltener Schnupfen.

16. Sind häufige Erkältungen ein Signal, das auf ein geschwächtes Immunsystem hinweist? Und zeitigen oftmalige grippale Infekte bleibende Schäden?

Häufig auftretende Infektionen deuten auf eine geschwächte Körperabwehr hin. Bleibende Schäden hinterlassen grippale Infekte aber nicht. Allerdings, so Vetter: "Ein geschwächter Körper ist anfälliger für bakterielle Infektionen, für welche Grippe ein typischer Wegbereiter ist und die dann wesentlich schwerer verlaufen. Diese bakteriellen Infektionen können unbehandelt äußerst gefährlich werden.“ So sei die hohe Zahl der Todesfälle der Grippeepidemie 1918 darauf zurückzuführen, dass es damals noch keine Antibiotika gab. Denn Antibiotika können zwar gegen die Viren nichts bewirken, sind aber essenziell im Kampf gegen bakterielle Erreger.

17. Warum werden Ärzte und Apotheker nicht ständig krank?

Die Annahme, Ärzte und Apotheker seien seltener krank, rührt vermutlich daher, dass sich Kranke an solche Personen wenden - und zwar wenn diese gerade gesund genug sind, um in Ordination oder Apotheke zu stehen. Menschen in Gesundheitsberufen sind zwar, wie Vetter meint, ständig und über lange Zeit mit einer Vielzahl von Viren konfrontiert, weshalb hier die "stille Feiung“ besonders zum Tragen kommt: Das "Gedächtnis“ ihrer Immunabwehr schützt vor einer neuen Erkrankung an bereits bekannten Erregern. Doch valide Statistiken über bessere Gesundheit von in Gesundheitsberufen Tätigen gibt es nicht. Heinz: "Ärzte sind wie andere Leute auch. Und Eltern von Kindern, in deren Schulen Infektionen grassieren, werden auch häufiger krank. Je mehr Viren man ausgesetzt ist, desto eher erkrankt man.“

Viren-Waffen

18. Stimmt es, dass Händewaschen schützt? Wie oft, wie lang und womit müsste man waschen?

Ja, der traditionelle Ratschlag stimmt - vor allem, was die Influenzaviren betrifft, so Heinz: "Diese werden leicht kaputt. Normale Seife tötet sie rasch und effektiv.“ Handhygiene sei vor allem empfehlenswert, weil sich jeder Mensch unwillkürlich immer wieder an Nase, Mund oder Augen fasst - und damit anhaftende Viren an optimale Eintrittspforten führt. Hutter: "In Grippezeiten auch zwischendurch die Hände waschen, nachdem man direkte Handkontakte mit anderen Menschen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln Haltegriffe in der Hand hatte.“ Einfaches Waschen genügt, ein bis zwei Minuten mit Seife. Bewusst auch die oft vergessenen Fingerspitzen säubern. Desinfektionsmittel sind nicht notwendig.

19. Hilft es, beim beliebten Begrüßungskuss die Luft anzuhalten?

"Nach einem möglichen Kontakt mit Influenzaviren würde nur ein Feind von mir noch einen Kuss bekommen“, scherzt Virologe Heinz und rät, das verbreitete Ritual in Grippezeiten zu unterlassen. Würde man vor Betreten des Raums die Luft anhalten und das Zimmer nach dem Kuss gleich wieder verlassen, wäre das ein Schutz - theoretisch.

20. Schützt die Einnahme von Vitamin C mit Zink-Zusatz vor Infektion?

Derlei kann Oxidationsprozesse, wie sie bei der Entstehung von Erkrankungen auftreten, zwar bremsen. Jedoch: Studien des Wissenschafternetzwerks Cochrane Collaboration haben gezeigt, dass vorbeugende, mit mehr als 200 Milligramm pro Tag dosierte Vitamin-C-Gaben die Erkrankungshäufigkeit bei der Durchschnittsbevölkerung nicht senken können und die Krankheitsdauer nur in manchen Fällen leicht reduzieren (um rund einen halben Tag). Nur bei Sportlern zeigten sich etwas bessere Effekte.

21. Gibt es Nahrungsmittel oder Präparate, die das Infek-tionsrisiko senken?

Es gibt keine Studien, die solche Effekte eindeutig belegen. "Ich kann nur sagen: Ich glaube, dass es gut ist, sich gesund zu ernähren“, meint Virologe Heinz scherzhaft. Kein Witz ist allerdings das Ergebnis eines großen Tests des Verbrauchermagazins "Öko-Test“. Die Experten unterzogen 46 Multivitaminpräparate einer genauen Untersuchung und stellten fest: Keines war eine Empfehlung wert, weil allseits mangelnder Nutzen, dubiose Auslobungen und zu hohe Dosierungen konstatiert wurden.

22. Gibt es andere Präventionsmaßnahmen, die man im Alltag ergreifen kann?

Zusätzlich zu sorgfältigem Händewaschen und der Meidung von Menschenansammlungen: sich nicht ständig ins Gesicht fassen, beim Husten oder Niesen abwenden und statt der Hand die Armbeuge vorhalten. Wenn Sie selbst angeniest oder angehustet werden: abwenden und kurz die Luft anhalten.

23. Was nützt das Schnapserl beim ersten Halskratzen oder heiße Milch mit Rum zum "Herausschwitzen“?

Hochprozentiger Alkohol desinfiziert vielleicht den Mund, kann aber keine Viren töten. Das Hausmittel war wohl eher eine Ausrede, die Opa zu einem Schlückchen mehr verhalf. Auch das Wärmegefühl, das Hochprozentiges auslöst, agiert nicht als Virenkiller, weiß Hutter: "Ein gewisser Temperaturanstieg ist günstig, weil er die Immunabwehr stimuliert, wie es ja Fieber macht. Mit einem Schluck Alkohol geht das aber nicht.“ Dass Schwitzen prinzipiell gesund ist, will auch Heinz nicht bestätigen: "Schwitzen, das durch Fieber auftritt, ist nicht an sich gesund. Es ist nur ein Symptom, weil der Körper sich durch Temperaturerhöhung gegen Infektion wehrt.“

24. Was bringen neue Nasen- und Rachensprays, die Erreger vorzeitig abfangen sollen?

In den USA wird das Spray Halo Oral Antiseptic bereits rezeptfrei angeboten. Dreimal in Mund und Rachen sprühen, und schon zerstört die Lösung angeblich alle Erreger, die in den folgenden sechs Stunden eingeatmet werden. Frank Esper von der Case Western Reserve University School of Medicine ist überzeugt, dass das Mundspray (aus Glycerin, dem antiseptischen Wirkstoff Cetylpyridiniumchlorid und dem Verdickungsmittel Xanthan), das Erreger wie ein Klebstoff binden soll, Grippepandemien künftig verhindern könnte. Virologe Heinz bleibt vorsichtig: "Es gibt interessante Entwicklungen. Über die Wirksamkeit dieser speziellen ist mir noch nichts bekannt.“

25. Mr. Monk, der neurotische TV-Detektiv, verschließt gebrauchte Taschentücher in luftdichten Plastikbeuteln. Ist das sinnvoll?

"Als freundliche Geste anderen Menschen gegenüber schon, weil das luftdicht verpackte Taschentuch mit dem infektiösen Sekret weniger Keime freisetzen kann“, sagt Spezialist Vetter. Denn, so bestätigt Virologe Heinz: "Alles, was kontaminiert ist, kann Übertragung verursachen.“ Für den Erkrankten, der ins Tuch gerotzt hat, bringt die Mühe aber nichts. Ganz abgesehen davon, dass eine Plastikbeutelflut der Umwelt wegen kaum wünschenswert wäre, wie Hutter ins Treffen führt.

26. Japaner verwenden oft Atemschutzmasken als Vorbeugung. Ist das sinnvoll?

Diese Masken bieten einen gewissen, aber keinen umfassenden Schutz vor Tröpfcheninfektion. Sie können in speziellen Situationen sinnvoll sein, also etwa wenn man sich bewusst in nahen Kontakt mit hustenden, schnäuzenden Menschen oder in enge Räume voll potenzieller Überträger begibt. Bedenkt man die 16.000 Viren pro Kubikmeter Luft in geschlossenen Räumen, sind die Masken zumindest ein wenig beruhigend.

Grippe-Gefahren

27. Woran erkennt man, ob es sich um echte Grippe handelt?

Die echte Grippe ist mit Muskel- und Gelenksschmerzen sowie Fieber verbunden. Die Symptome setzen rasch und heftig schon am zweiten Tag nach der Ansteckung ein, während sich grippale Infekte langsam entwickeln können - vom ersten, leichten Halskratzen bis zum argen Husten und Schnupfen können hier bis zu vier Tage vergehen.

28. Wann muss man mit einem erkrankten Kind zum Arzt?

Bei schweren Symptomen sofort! Vor allem bei Säuglingen können auch grippale Infekte gefährlich werden. Sonst: am dritten oder vierten Tag, wenn keine Besserung eintritt. Kinderarzt Böck: "Wichtig ist, das Kind zu beobachten: Wirkt es matt und teilnahmslos, muss rasch gehandelt werden. Die Höhe des Fiebers allein sagt bei kleinen Kindern noch nicht alles. Sie tolerieren Fieber besser als Erwachsene und können auch mit über 39 Grad noch wach und munter im Bett sitzen.“ Die Grippeimpfung bietet bei Kleinkindern übrigens nur bedingten Schutz.

29. Wie sinnvoll ist die Grippeimpfung?

"Sie ist sinnvoll, weil sie schützt oder zumindest einen weniger schweren Verlauf verspricht“, erklärt Pulmologe Vetter. In manchen Saisonen kann die Wirkung der Impfung geringer sein als sonst, weil sich die Virustypen rasch verändern können. Deshalb ist auch die jährliche Impfung nötig. Vor allem für Risikogruppen - etwa ältere Menschen oder chronisch Kranke - ist die Grippeimpfung unbedingt empfehlenswert.

30. Wann setzt die Wirkung der Grippe-impfung ein, und wogegen ist man dann geschützt?

Die Schutzwirkung setzt eine Woche bis zehn Tage nach erfolgter Impfung ein. Influenzaviren treten in unseren Breiten zwischen Oktober und März auf, Hochsaison ist für gewöhnlich im Jänner und Februar. Dann rollt die Grippewelle. Weil sich die Viren ständig verändern und jedes Jahr in neuen Untergruppen angreifen, ist eine jährliche Neu-Impfung mit modifizierten Impfstoffen nötig. Für Kinder unter drei Jahren und Menschen ab dem 65. Lebensjahr gibt es eigene Impfstoffe. Geimpft werden kann ab dem siebenten Lebensmonat. Gegen grippale Infekte kann die Impfung nichts ausrichten.

31. Gibt es riskante Nebenwirkungen der Grippeimpfung?

Eventuell kommt es vorübergehend zu Abgeschlagenheit oder Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle. Gravierende Folgen wie das Guillain-Barré-Syndrom (gefährliche Nervenentzündung) wurden in einem von 700.000 bis zu einer Million Fällen beobachtet. Bei Allergie gegen Impfstoffbestandteile (Hühnereiweiß!) darf nicht geimpft werden.

32. Lässt sich die Krankheitsdauer bei Grippe abkürzen?

Bei Influenza ist der Zeitfaktor essenziell, stellt Virologe Heinz fest: "Je früher antivirale Medikamente genommen werden, desto besser”. Diese Medikamente machen die Krankheit weniger gefährlich und bremsen ihren Verlauf. Vetter: "Gegen die Krankheit selbst kann man nichts tun, wenn sie ausgebrochen ist. Man kann nur dazu beitragen, früher symptomfrei zu werden, indem man fiebersenkende Maßnahmen ergreift und Medikamente gegen Grippe einnimmt. Dann ist man zirka eineinhalb bis zwei Tage früher wieder fit.“

33. Was sollte man während einer Infektion auf keinen Fall tun?

Sich anstrengen! "Wer sich zu viel zumutet, riskiert Herzmuskelentzündungen und andere schwerwiegende Folgen“, warnt Vetter. Zur Rekonvaleszenz empfiehlt Heinz: "Man ist zumindest eine Woche wirklich krank. Bis zur völligen Genesung kann es zwei, drei Wochen dauern. Diese Erholungszeit ist wichtig für den Körper.